Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Freudenstadt und Calw 2003 - 2010"

ARBURG Neubau BA 0 - Kundencenter

Arthur-Hehl-Straße
72290 Loßburg

Architekt:
schmelzle + partner architekten BDA Siegfried Schmelzle, Anke Lohmiller, Claus Matt, Michael Frey Dornstetten-Hallwangen Projektleitung: Gerd Essig
Bauherr:
Hehl International GmbH + Co. KG, Loßburg
Begründung der Jury:
Trotz seines Volumens von 60.000 m³ wirkt der Neubau des Kundencenters nicht massig und protzig, sondern eher futuristisch. Dies unterstreichen die transparente Gliederung mit aufgesetztem „Penthouse“ und die durchgezogenen Glasfronten, die dem Baukörper Leichtigkeit verleihen. Bei der Gebäudetechnik wurden durch Einsatz von Geothermie, Grauwassernutzung und Photovoltaik richtungsweisende Wege begangen. Arburg hat sein Kundencenter für die Zukunft gebaut.

Objektbeschreibung:

Bauvolumen: 60.300 m³
Nutzfläche: 10.100 m²

Supergreen

  • Natürliche Lüftung: Zuluft über Klappen am Fusspunkt der Fassade und Abluft über Abströmklappen im Dach unter Ausnutzung der natürlichen Thermik
  • Vollautomatische Nachtkühlung ohne mechanische Unterstützung mit Doppelfassade auf der Westseite
  • Geothermie: Bewirtschafteter Erdspeicher für Heizung und Kühlung. 4.800 m Erdbohrungen, 2.000.000 t aktiviertes Gestein
  • Vertikale Photovoltaikflächen
  • Regenwassernutzung
  • Nutzung der Maschinenabwärme und damit verbundene Betonaktivierung
  • Verdichtete Bebauung

ARBURG, mit der Zentrale in Loßburg, ist einer der weltweit führenden Hersteller von Kunststoff-Spritzgussmaschinen und der entsprechenden Zusatzausstattung.
Die Fassade des Kundencenters an sich ist natürlich Gebäudehülle – aber sie ist auch ein Teil der Gebäudetechnik, die energieeffizientes Bauen ermöglicht. Die Fassade ersetzt einen Teil des mechanischen Lüftungssystems. Am Fußpunkt der Glasfassade sind Schiebeklappen eingebaut – speziell für dieses Gebäude entwickelt – über die eine geregelte natürliche Luftzufuhr gewährleistet ist. Die Ablüftung erfolgt in allen Ebenen über die oberste Fensterreihe – auch an kühlen Tagen völlig zugfrei – und zusätzlich über ein Lüftungsbauwerk in der Decke – bei jedem Wetter nutzbar. Die Büroräume in den Obergeschossen erhielten eine geregelte natürliche Durchlüftung über eine im Westen angebrachte Doppelfassade, die Vorheizung bzw. Kühlung erfolgt über die Fassade.

Direkt unter dem Gebäude wurden durch Bohrungen über 2 Mio. Tonnen Gestein für die Geothermie aktiviert, so dass die Heizung und Kühlung der Nutzflächen unter Einsatz von regenerativen Energien ermöglicht ist. Zusätzliche Gebäudeökologie erfolgt durch vertikale Photovoltaikflächen auf der Südfassade. Das gesamte Dachwasser wird gesammelt und der Grauwassernutzung zugeführt. Die Abwärme der Vorführmaschinen wird gespeichert und der Betonaktivkernheizung zugeführt.
Auf der Fläche des Neubaus standen vorher eine Kantine und alte Produktionsräume mit einem Volumen von 17.000 m³. Das neue ARBURG Kundencenter mit 60.000 m³ hat auf gleicher Fläche mehr als das 3-fache Bauvolumen.

Die Gebrauchskosten sind unter anderem natürlich Energiekosten. Hier hat man fast alles getan, was derzeit machbar ist. Auch die Reinigungs- und Unterhaltskosten sind nicht unerheblich. Alle anderen eingesetzten Materialien sind möglichst langlebig gewählt und haben einen geringen Wartungsaufwand.
Es wurde im Kontext gebaut – alles wird im Verbund betrachtet: energetisch, flächen- und ressourcenschonend. Selbst die neuen Fluchten und Parallelen des neuen Kundencenters resultieren aus der bestehenden Bebauung und nehmen Bezug zu den Bestandsgebäuden. Um die Konstruktionshöhe zu minimieren, wurde Spannbeton eingesetzt, der längs- und quer gespannt wurde.

Fotograf:
Arburg GmbH + Co. KG

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19.04.2011

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