Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Tübingen 2001 - 2004"

Einfamilienhaus

Jesinger Hauptstraße 108/3
72070 Tübingen

Architekt:
Joachim Orth Tübingen-Unterjesingen
Bauherr:
Joachim und Nadja Orth, Tübingen
Begründung der Jury:
Der zweigeschossige Holzbau besticht von außen durch die klare Form, seine gut aufeinander abgestimmten Materialien und Farben sowie durch präzise und feine Details. Das verleiht dem Neubau insgesamt einen ruhigen und noblen Gesamteindruck, der sich gut in die Struktur des Ortskerns einfügt. Trotzdem weisen Materialwahl und Detail das Gebäude als zeitgenössisches Werk aus. Ein schönes Beispiel für vorbildliches kostengünstiges Bauen, was zudem durch den energetischen Ansatz - solare Brauchwasserheizung und betonte Südausrichtung - unterstrichen wird.

Objektbeschreibung:

Eingefügt
Unterjesingen, Teilort von Tübingen, ist malerisch im Ammertal am Rand des Naturparks Schönbuch gelegen. Vom Schönbuchtrauf schweift der Blick über die Wurmlinger Kapelle hinweg zum Rand der rauen Schwäbischen Alb. Das relativ kleine bebaute Grundstück (2,6 a) liegt im alten Ortskern, südlich der stark befahrenen B 28. Der schlanke, zweigeschossige Baukörper (6 x 12 m Grundfläche) fügt sich gut in die umgebende Bebauung ein. Dabei ist das Dach in Dachform, Dachneigung, Dachvorsprüngen und Dachranddetails an den Typus des schwäbischen Bauernhauses angelehnt.

2. Ökologie
Die Umsetzung eines ökologischen Ansatzes wurde durch die Kombination verschiedener Mittel erreicht:

  • kompakte Bauweise mit großen Öffnungen nach Süden
  • Holzständerbauweise in Niedrigenergie-Standard
  • solare Brauchwassererwärmung (6 qm Kollektorfläche, 750 l Pufferspeicher)
  • Holz-Pelletsheizung

Bei der Auswahl von Baumaterialien wurde auf die ökologische Verträglichkeit geachtet.

Wohnwert
Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es genügend Raum für eine Familie mit Kindern bietet. Dabei sollen verschiedene Nutzungsvarianten so offen wie möglich sein (Schlafbereich, Kinderbereich, Arbeitsbereich). Die Aufenthaltsräume sind nach Süden orientiert. Küche und Flur bilden eine Pufferzone nach Norden hin. Da aus Kostengründen lediglich 1/3 der Grundfläche unterkellert wurden, waren weitere Nebenräume erforderlich. Diese wurden durch einen großen Abstellraum im EG, sowie einen Schuppenanbau geschaffen.

Die besondere Wohnqualität im Gebäude wird durch die überaus hellen Räume geschaffen, die ihren Charakter entsprechend der Tageszeit und den Lichtverhältnissen völlig ändern. Zusätzlich gewinnt die Innenraumqualität durch üppige Raumhöhen im Wohnzimmer (2,80 i.li.) und den Luftraum, der den Flur im Obergeschoss mit der Galerie im Dachgeschoss verbindet. Die Freiflächen sind aufgrund der kleinen Grundstücksgröße intensiv angelegt und die große Holzterrasse ist Mittelpunkt im Sommer.

Kostengünstig
Neben ökologischen Aspekten war vor allem das Eigenleistungspotential für die Holzbauweise ausschlaggebend. Im Detail wurden neben den Dachdeckerarbeiten und der Außenschalung fast der gesamte Innenausbau in Eigenleistung ausgeführt. Entsprechend konnten die Baukosten deutlich reduziert werden, ohne im Einzelnen auf die Qualität bei der Auswahl von Materialien, Beschlägen und Armaturen zu verzichten.

Angemessen und werthaltig
Zwei wesentliche Ansprüche an die Entwurfshaltung und die Detailgestaltung sind noch kurz zu betonen. Die Angemessenheit des Entwurfs zeigt sich bei diesem Wohnhaus durch seinen reduzierten Baukörper, der sich harmonisch in das Gefüge des alten Ortskerns integriert. Vom Schönbuchrand herab ‘springt’ das Gebäude keineswegs in das Auge des Betrachters, man muss genau danach suchen. Angemessen ist auch die Grundrissdisposition für die Ansprüche einer Familie mit Kindern. Die Aufenthaltsräume und die Verkehrsfläche sind attraktiv zugeschnitten, ohne in Fläche maßlos zu sein. Die verwendeten Materialien an der Fassade und im Innenraum des Gebäudes entsprechen dem Zweck einer längerfristig angelegten Wohnnutzung.

Die Werthaltigkeit eines Gebäudes ist ein zweiter zentraler Entwurfsgedanke. In einer Zeit rasanten technischen Fortschritts, der einen dazu zwingt, jedes zweite Jahr einen neuen Computer zu erstehen, ist das Refugium Wohnhaus besonders wichtig. Dabei spielt der Einsatz langlebiger, hochwertiger Baustoffe eine bedeutende Rolle. Leider werden bei vielen Bauvorhaben lediglich die billigsten Materialien eingesetzt, die binnen weniger Jahre ersetzt werden müssen, da sie entweder dem Gebrauch nicht standhalten, oder aufgrund kurzfristiger Modetrends binnen kurzem kaum noch anzuschauen sind.


Daten
Baugesuch: 01/01
Baubeginn: 05/01
Bezug: 12/01
Fertigstellung: Ende 02
BRI: 550 m³
WF: 150 m²
Bauwerkkosten: 170.000 €

Fotograf:
Bernhard Müller

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19.04.2011

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