Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Schwäbisch Hall 2001 - 2007"

Einfamilienhaus im Erlenhof

Dorfstraße 31
74427 Fichtenberg

Architekt:
Volker Diederich Kerstin Wörner-Diederich Fichtenberg
Bauherr:
Mascha Wörner und Jörg Brucklacher, Fichtenberg
Begründung der Jury:
Ein Wohnhaus, das so hell und klar gegliedert ist und in ökonomischer wie ökologischer Hinsicht überzeugt, ist selten. Warme Baustoffe wie Holz und Lehm schaffen den Bewohnern Behaglichkeit. Als sehr gelungen kann die schlichte Dachfläche mit durchgängigen Solarzellen bezeichnet werden. Hier ist ein durchgestaltetes Wohnhaus entstanden, das beispielhaft ist.

Objektbeschreibung:

Ausgangssituation
Das Baugrundstück liegt in einem kleinen Dorf und grenzt direkt an Wiesenflächen. Der Garten mit Obst-bäumen und die schöne Aussicht auf die freie Ebene legen einen starken Außenbezug nahe. Das Dorf wird baulich geprägt durch einige traditionelle bäuerliche Wohnhäuser mit Scheuern und Ställen und ansonsten durch Einfamilienhäuser der 1970er Jahre.

Für die vierköpfige Familie sollte ein Wohnhaus mit besonderem ökologischem Anspruch geplant werden. Es wurde einerseits ein möglichst offenes und großzügiges Wohnen gewünscht, bei gleichzeitiger Rückzugsmöglichkeit. Zum anderen sollten zwei Arbeitszimmer im Raumprogramm vorgesehen werden.

Entwurf
Der Baukörper zeigt sich wie die örtlichen Bauernhäuser als zweigeschossiges Steildachgebäude. Dieses nimmt sich durch das Material Holz, das natürlich vergrauen wird, in der Landschaft optisch stark zurück. Im Norden wird es von einem Flachdachbaukörper umklammert. Dieser steht in Kontrast zum Hauptbaukörper in Form, Größe, Farbe, Materialverarbeitung (Querschalung, breit).
Der Hauptbaukörper öffnet sich durch ein großes Glaselement nach Süden. Weitere bodentiefe, einheitliche Fenster gliedern das Gebäude ruhig senkrecht durch. Im Kontrast stehen in der nördlichen ‘Klammer’ einzelne, kleine quadratische Öffnungen bzw. waagrechte Übereckschlitze. Zusätzlich zu dieser Ausrichtung auf passive Solarenergienutzung, wird die gesamte südliche Dachfläche zur aktiven Solarnutzung herangezogen (Solardach mit 85% Photovoltaik, 15% Thermie).

Mittelpunkt des Gebäudes ist der Essbereich im Erdgeschoss, um den sich die offenen Wohnbereiche über zwei Geschosse gruppieren - verbunden durch einen großen Luftraum und Galerie. Bei flächenmäßig kleinen Räumen kann so eine maximale Großzügigkeit erreicht werden. Um gegebenenfalls nötige Rückzugsbereiche zu gewährleisten, können die Wohnräume mit Schiebeelementen geschlossen werden. Schlaf- und Nebenräume liegen als abgeschlossenere Bereiche auf der Nordseite des Gebäudes beziehungsweise innerhalb der kontrastierenden Nordklammer.

Ökologisches Konzept
Als Förster begeisterte sich der Bauherr von Anfang an für die Holzbauweise. Es sollte regional bereitgestelltes Rundholz ohne lange Transportwege verwendet werden (280 Fm). Darüber hinaus sollte der gesamte Bau in Weißtanne ausgeführt werden, die eine aus einer lokalen Agendagruppe entstandene Vermarktungsinitiative liefern konnte. Die vorgefertigten Holzrahmenbauteile wurden auf einer Bodenplatte aufgerichtet.
Decken, ebenfalls aus dem ‘eigenen’ Holz, wurden in Brettstapelelementen nach unten sichtbar, versetzt. Außenschalung, Riemenböden, Holzstege wurden ebenfalls in Weißtanne ausgeführt. Um ein angenehmes Raumklima und eine gute Feuchte- und Wärmespeicherkapazität zu erhalten, wurden die Innenwände mit Lehmausmauerung versehen und an den Außenwänden Lehmplatten mit integrierter Wandheizung angebracht. Alle Wandflächen wurden mit Lehmputz versehen und mit Marmormehlfarbe gestrichen.

Durch eine 26-32cm starke Dämmung mit Zellulose- und Holzfaser, 3-fach verglaste Fenster, sowie eine Kontrollierte Lüftungsanlage mit Erdwärmetauscher konnte der KFW 40-Standard erreicht werden. Die im Winter für Heizung und Brauchwasser benötigte Zusatzenergie liefert ein Scheitholzvergaserkessel mit 1.500l. Pufferspeicher. Unter Einbeziehung der überschüssigen Energieproduktion der PV-Anlage kann das Haus als Plus-Energie-Haus bezeichnet werden.

Fotograf:
Bernd Mehlau

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19.04.2011

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