Nutzung
Die Robert Bosch GmbH mit Stammsitz in Stuttgart-Schillerhöhe traf im Jahre 2000 die Entscheidung, die Entwicklungsabteilungen einiger automobilorientierter Geschäftsbereiche des Konzerns in Abstatt zu bündeln.
Die Gesamtmaßnahme, bestehend aus 5 Gebäudeteilen sowie weiteren dienenden Funktionen und Außenanlagen mit ca. 2000 Stellplätzen wurde in mehreren Bauabschnitten von 2002 (Baubeginn Gebäude 101) bis 2010 (Fertigstellung Gebäude 302 im April 2010) realisiert. Bis heute ist eine BGF von ca. 159.000m² erstellt worden, es arbeiten ca. 3.700 Mitarbeiter aus 30 Nationen am Standort Abstatt. Des weiteren sind 30 Ausbildungsplätze, auch in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn, entstanden.
Städtebau
Grundansatz war die Schaffung eines Entwicklungscampus, um ein möglichst positives und inspirierendes Arbeitsumfeld für die Entwicklungsingenieure zu schaffen. Dies wurde durch die städtebauliche Grunddisposition der Gebäude mit 2 großzügig dimensionierten und durch alleeartige Baumreihen gestalteten Wegeachsen und der Anlegung eines zentralen Platzes mit Baumdach und Wasserflächen erreicht.
Gebäude
Auch die Gebäudestruktur und -gestaltung verfolgt diesen Ansatz. Die Gebäude an den Außenkanten des Areals wurden kammartig ausgebildet, um durch diese Verwebung mit der Landschaft möglichst allen Mitarbeitern einen Bezug zu der an diesem Standort hervorragenden Außenraumqualität zu ermöglichen. Die zentralen Gebäude haben nach innen orientierte Gartenhöfe.
An jedem zentralen Erschließungspunkt wurden Kommunikationspunkte mit Teeküchen und Aufenthaltsbereichen angeordnet. Durch die Wahl der Materialien an der Fassade und im Innenraum wird eine freundliche Arbeitsatmosphäre erzielt.
Durch die Anordnung von Balkonen und Terrassen mit Sitzgelegenheiten haben die Mitarbeiter die Möglichkeit des Heraustretens.
Die Trennwände sind größtenteils verglast, um eine möglichst hohe Transparenz und Offenheit zu erreichen.
Das positive Arbeitsumfeld wird unterstützt durch den gezielten Einsatz von Farben, welche gleichzeitig als Orientierungshilfe dienen und durch die hohe Zahl an Schallabsorbtionsflächen, um trotz der Großraumaufteilung gute raumakustische Raumbedingungen zu schaffen.
Die Fassade ist geprägt durch großflächige Verglasungen und weiße Fassadenbleche an den geschlossenen Fassadenzonen. Der Sonnenschutz erfolgt flächendeckend durch außenliegende Raffstoreanlagen und zusätzliche, horizontal und vertikal durch die Mitarbeiter einjustierbare textile Blendschutzrollos.
Sämtliche Dachflächen sind extensiv bzw. intensiv begrünt.
Energie
Auch der technische Standard des Gesamtkomplexes ist wegweisend, der Standort Abstatt ist der energieeffizienteste Standort im gesamten Bosch-Konzern.
Raumlufttechnik
Die gesamte Nutzfläche wird lufttechnisch behandelt. In sämtlichen lufttechnischen Anlagen sind Wärmerückgewinnungssysteme eingebaut, die der warmen Abluft (Wärme von Personen, Beleuchtung und Sonneneinstrahlung) Wärmenergie entziehen und damit die Außenluft z.B. von -10°C auf +12°C "kostenlos" erwärmen.
Hierbei werden ca. 65 % des theoretischen Heizbedarfs eingespart.
Heiz- und Kältetechnik
Ein ganz wesentlicher Faktor des Energiekonzepts in Abstatt ist der Einsatz von zwei Großwärmepumpen.
Mit diesen zwei Wärmepumpen wird praktisch mit der Abwärme der Entwicklungsbereiche der gesamte Standort über das Jahr hinweg zu 60 % beheizt. Dies entspricht einer jährlichen Einsparung von ca. 580.000 Liter Öl.
Außenanlage
Bei der Gestaltung der Außenanlagen wurde größter Wert gelegt auf einen hohen Anteil an begrünten Flächen und eine große Zahl an Baumneupflanzungen. Die befestigten Flächen wurden dort, wo nur bedingt mit Fahrverkehr zu rechnen ist, mit Betonpflaster belegt. Der zentrale Campus ist geprägt durch das Baumdach mit darunterliegender, bewirteter Platzmöblierung und durch die großflächige, geometrisch orthogonal und überschreitbar gestaltete Wasserfläche. Als Bodenbelag wurde hier eine wassergebundene Decke gewählt, um die Versickerungsfähigkeit zu optimieren. An vielen Stellen sind Sitzgelegenheiten angeordnet.

Carmen Mundorff
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Dr. Marc Hirschfell
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