Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Waldshut 2000 - 2008"

Justus-von-Liebig-Schule

Von-Kilian-Straße 5
79761 Waldshut-Tiengen

Architekt:
Harter + Kanzler Freiburg/Haslach i.K. Landschaftsarchitekten: Stötzer + Neher GmbH Sindelfingen
Bauherr:
Landkreis Waldshut, Amt für Kreisschulen und Liegenschaften, Waldshut-Tiengen
Begründung der Jury:
Die Schulanlage überzeugt durch das klare Entwurfskonzept: Zwei lineare Klassentrakte werden mit einer transparenten Halle geschickt verbunden. Der dunkle Klinkerstein und die präzisen, zweischichtig ausgebildetenFensterfronten geben dem Schulbau einen wohltuenden, zeitlosen Ausdruck. Auch der Innenausbau wurde mit wenigen, natürlichen Materialien überzeugend gelöst. Sehr positiv und umweltbewusst ist, dass das Schulhaus als Passivhaus ausgeführt wurde.

Objektbeschreibung:

Realisierung: 2000-2003
Baukosten: 13,95 Mio. Euro
BGF/BRI: 7.600 qm/31.000 cbm

Der Neubau einer beruflichen Schule für ca. 700 Schülerinnen und Schüler ist eine der ersten Schulen in Deutschland, die als zertifiziertes Passivhaus konzipiert und ausgeführt wurde.

Der Ort, ein ehemaliges Betriebsareal einer Baufirma mit topografisch differenzierten Höhen am Fuße eines Berghangs gelegen und direkt an einem, als Kulturdenkmal eingestuften, alten Friedhof mit Friedhofskapelle angrenzend, stellte hohe Anforderungen an die Einbindung in die Umgebung.

Zwei Baukörper schieben sich öffnend zum parkähnlichen Friedhof in das ansteigende Grundstück am Fuß des Berghanges. Im Blickfeld dazwischen liegt die transparente Halle als Bindeglied der beiden Baukörper. Dieser zentrale Raum nutzt mit einfacher Geste die topografische Situation mittels durchgängigen Sitzstufen und verbindet die beiden Ebenen der Eingangsbereiche innerhalb der Aula.

Der südliche Eingangsbereich mit seinem eindrucksvollen, mehrstämmigen Bergahorn bietet die notwendige Distanz zum alten Gottesacker mit Friedhofkapelle.

Die kraftvolle, zurückhaltende Ziegelfassade als robuste Außenhaut, die tief in die Leibung gestellten Lärchenholzfenster und die fassadenbündigen Vorverglasungen lassen die besonderen bauphysikalischen Eigenschaften der Außenwände erahnen.

Die Fensteranordnung korrespondiert mit den dahinterliegenden Räumen. Der Fassadenrhythmus vermittelt die Grundrissstruktur. Raumgrößen und Funktionsbereiche sind von außen ablesbar.

Im Gebäude überzeugen einfache Materialien. Sichtbeton in Kombination mit Lärchenholz bestimmen die Abwicklungen der Wände und Decken. Linoleumböden, geöltes Industrieparkett und im Eingangsbereich Muschelkalk unterstreichen die Natürlichkeit der Materialwahl.


Energiekonzept

Das Energiekonzept der Schule verfolgt zwei Hauptziele. Einerseits werden die Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts permanent mit frischer Luft versorgt, andererseits wird der Energiebedarf der Schule um ca. 80 % reduziert, d.h. das Gebäude hat nach Passivhausstandard einen Heizwärmebedarf kleiner als 15 kWh/qm im Jahr.

Möglich macht dies die im Gebäude installierte kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage. Bedingt durch eine optimale Gebäudeisolierung ist der Wärmebedarf relativ gering. Ein einmal im Gebäude aufgebautes Raumklima verändert sich bei steter Nutzung kaum noch. Massive Bausubstanz, wie Betondecken oder Kalksandsteinwände übernehmen die Funktion eines Wärmespeichers. Sie nehmen die Temperatur wie ein Kachelofen auf und strahlen sie über Stunden hinweg wieder ab.

Die dadurch benötigte relativ geringe Wärmezufuhr übernimmt die kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage.

Permanent wird dabei die Luft in dem Gebäude ausgetauscht. Etwa 2,5 Mal in der Stunde tritt ein kompletter Luftwechsel ein. Der Abluft wird die Wärme zu etwa 90 % entzogen und der Frischluft zugeführt.

Den zusätzlichen Stromverbrauch der Lüftungsventilatoren deckt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes. Der Primärenergieverbrauch wird dadurch um die Hälfte reduziert. Um 124 t reduziert sich der jährliche Co2-Ausstoß.

Im Sommer verhindert ein effektiver Sonnenschutz eine Überhitzung des Gebäudes. Nachts öffnen sich die Fenster und die frische Nachtluft durchflutet das Gebäude und kühlt es ab.

Freiraumgestaltung

Ausdruck und Klarheit der Gebäudearchitektur prägen auch die Freianlagen.

Durch einfache Formensprache mit zwei Materialien wurden die landschaftsarchitektonischen Elemente entwickelt. Dabei wurde das Material des Sichtbetons von Innen nach Außen getragen und die bestimmenden Baukonstruktionen, wie Mauern, Treppen, Podeste und Bänke damit erstellt.

Geschliffener Asphalt lässt die Fläche, auf dem das Gebäude ruht, homogen erscheinen. Die fein strukturierten Klinkerwände der Fassade werden dadurch in ihrer Ausstrahlung gesteigert.

Über den Wiesenhang erschließt sich durch einfache Wegeführung der vorhandene Schulkomplex. Das angrenzende Grün, die Formen und Materialien fließen zusammen und ergeben mit Gebäude und Freiraum eine unverwechselbare Einheit.

Fotograf:
Photo Conrads

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19.04.2011

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