Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Ostalbkreis 2003 - 2009"

Leben - Wohnen - Arbeiten im denkmalgeschützten "Minimal-Energie-Haus" - Umbau und energetische Sanierung

Schlossvorstadt 7
73479 Ellwangen

Architekt:
Wolfgang Helmle Ellwangen
Bauherr:
Christine Ostermayer und, Wolfgang Helmle, Ellwangen
Begründung der Jury:
Das Gebäude zeigt sehr schön, wie qualitativ wertvolles Wohnen und Leben in der Stadt in einem denkmalgeschützten Gebäude familiengerecht gelingen kann. Mit einfachen baulichen Eingriffen und schönen architektonischen Details wurden sehr wirtschaftliche, zeitgemäße und individuelle Wohn- und Büroräume geschaffen.

Objektbeschreibung:

Sonntag morgen:

  • Familienfrühstück auf der Dachterrasse
  • frische Brötchen vom Bäcker um die Ecke
  • Schafe blöken im benachbarten Naturschutzgebiet

Montag
  • die Kinder gehen zu Fuß in 5 Minuten in ihre Schulen
  • das Architekturbüro ist im Haus – keine Rushhour
  • Einkaufen und Behördengänge in 5 Gehminuten

Samstag Wochenmarkt
  • Frisches Obst und Gemüse vom nahe gelegenen Wochenmarkt
  • Gartenarbeit zur Entspannung
  • Abends ein Glas Wein mit Freunden auf der Dachterrasse mit Blick auf das illuminierte Schloß ob Ellwangen

Die sauberste und kostengünstigste Energie ist die Energie, die überhaupt nicht gebraucht wird! 80 % Energieeinsparung sind möglich, man muss die Sache nur etwas energischer angehen. So konnten an diesem denkmalgeschützten Wohn- und Bürogebäude (Baujahr 1753) durch eine energetische Sanierung genau diese 80 % Energiekosten eingespart werden. Der Energiebedarf wurde auf 50 kWh/(m²a) reduziert! Somit unterschreitet das Gebäude die Anforderungen, die die Energieeinsparverordnung an Neubauten stellt, um 40 %!

Geschichte
Nachdem das von Arnold Friedrich Prahl 1753 erbaute Haus im Jahr 2000 von Christine Ostermayer und Wolfgang Helmle erworben wurde, war es für sie nur eine Frage der Zeit, wann sie das unter Denkmalschutz stehende Gebäude energetisch sanieren würden. Für die Eltern von drei Kindern war das konkrete Handeln anhand des Klimawandels eine selbstverständliche Aufgabe. Das Gebäude wurde 1904 um ein Geschoss aufgestockt und erhielt auf der Nordseite (Gartenseite) einen 2- bzw. 3-geschossigen Anbau mit Flachdächern, die teilweise als Dachterrasse genutzt wurden und werden. Von hier bietet sich ein einmaliger Blick auf das Schloß ob Ellwangen und in das angrenzende Naturschutzgebiet.

Aufgabe
Als Architekt und Energieberater sahen wir es als besondere Herausforderung an, sowohl die Belange des Denkmalschutzes zu erfüllen, als auch den Energieverbrauch deutlich unter Neubauniveau zu senken.
Der Anspruch der Bürophilosophie war Richtschnur:

  • Die Rahmenbedingungen der Ökonomie und Nachhaltigkeit sind für uns kreative Gestaltungsquellen und keine Einschränkungen.
  • Ästhetik und Funktionalität stehen bei uns im Vordergrund, damit sie der Wohn- und Lebensqualität dienen.
  • Energieeffiziente Architektur vereint Ökonomie und Gestaltung, sie ist kostengünstig und wertsteigernd

Idee
Die Belange des Denkmalschutzes, der Ökologie, Energieeinsparung, Ästhetik und Funktionalität in Einklang bringen! Wohnen–Leben–Arbeiten mitten in der Stadt und am Rande des Naturschutzgebietes!

  • Die Straßenfassade musste in ihrem Erscheinungsbild (Reihenbebauung als Ensemble) unberührt bleiben. Deshalb wurde eine Innendämmung gewählt. Das Raumgefüge der Innenräume sollten im Hauptgebäude erhalten bleiben, ebenso die Stuckgesimse am Deckenrand
  • Die Gartenseite sollte in ihrer äußeren Gestaltung (Traufsimse vor der Aufstockung 2. OG, Mauernischen o.ä.) erhalten bleiben, durfte aber mit Wärmedämmverbundsystem WDVS bekleidet werden. Der Blick zum Schloß und in das Naturschutzgebiet sollte vom Wohnraum aus erlebbar werden
  • Das Architekturbüro im EG wird neu gestaltet. Die Wandoberflächen dokumentieren die verschiedenen Bauphasen und Epochen. Die Bürophilosophie drückt sich in der Materialwahl und Möbelgestaltung aus. Es entsteht eine freundliche und helle Arbeitsatmosphäre
  • Verwendung umweltgerechter und recyclebarer Baustoffe
  • Einsatz von Passivhauskomponenten
  • Durchführung in Bauabschnitten: 1. Gebäudehülle und Innenraum, kontrollierte Lüftung; 2. Heizungsanlage und Einsatz Erneuerbare Energien


Fazit
Die Belange des Denkmalschutzes, der Ökologie, Energieeinsparung, Ästhetik und Funktionalität wurden in Einklang gebracht!
Wohnen–Leben–Arbeiten mitten in der Stadt und am Rande des Naturschutzgebietes!
Als "Herz" des Hauses wurde die Essküche durch eine großzügige Verglasung zur Dachterrasse und zum Naturschutzgebiet hin geöffnet. Hier ist der Treffpunkt der Familie.
Das Architekturbüro befindet sich im Erdgeschoss. Bei der notwendigen Büroerweiterung wurden selbstverständlich hohe funktionale und ästhetische Ansprüche umgesetzt.
Die zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Wandoberflächen werden in die Materialwahl einbezogen – Sandsteinmauerwerk aus 1753, Ziegelmauerwerk aus 1904 und Holzakustik-Schiebewände in Weisstanne 2007. Da das Architekturbüro überwiegend seine Energieeffiziente Architektur in Holzbauweise umsetzt, war der Baustoff Holz auch für die Innenraumgestaltung prägend. Mit Linoleum belegte Arbeits- und Ablageflächen werden farbige Akzente gesetzt.

Bei der Detailausbildung für Türen, Fenster und Einbauteile wurde auf einen einheitlichen zurückhaltenden Gestaltungskanon und -kontext geachtet.

Wohnen, Leben, Arbeiten verbinden sich in diesem Gebäude auf ideale Weise. Kurze Wege zum Einkaufen, zu Behörden, zu Schulen und sonstigen Einrichtungen machen das tägliche Leben in der Stadt attraktiv. Die Bewohner werden auch unabhängiger von der Autonutzung. Durch die Wärmedämmung der Gebäudehülle werden die Temperaturen der Wandoberflächen deutlich erhöht. Dadurch wird das Raumklima sehr angenehm verändert, wozu auch die ständige Frischluftzufuhr durch die Lüftungsanlage beiträgt.
Nach 9-wöchiger intensiver Umbauzeit freuen sich die Familie und die Mitarbeiterinnen über einen Mehrwert an Wohnkomfort und Büroatmosphäre. Es sind Räume zum Wohlfühlen entstanden!

Visionen
Ziel ist ein 100%-iger Anteil der Erneuerbarer Energien am Endenergiebedarf und eine CO2-neutrale Energiegewinnung. Geplant sind

  • eine thermische Solaranlage mit Röhrenkollektoren auf dem Flachdach der Nordseite (8 m2)
  • eine Photovoltaikanlage, die in die Fensterläden der Südseite integriert werden. Bisher wurde dies vom Denkmalamt abgelehnt. Es wurde jedoch gegen diesen Bescheid beim Regierungspräsidium Widerspruch eingelegt
  • ein BHKW mit Biomasse als Energieträger ist für 2009 projektiert

Zahlen und Fakten
Baujahr: 1753 / energetische Sanierung 2007
Wohnfläche: 190 m²
Büro- und Nutzfläche: 365 m²
Jahres-Primärenergiebedarf: 50 kWh/m²a
Transmissionswärmeverlust: 0,34 W/(m²K)
Energieeinsparung durch Sanierung: 80 %


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19.04.2011

Ihre Ansprechpartner

Carmen Mundorff

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-140
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