Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Freiburg 1998 - 2006"

Mehrfamilienhaus für eine Baugemeinschaft

Vauban-Allee 41 + 39, Adinda-Flemmich-Straße 22 - 24
79100 Freiburg

Architekt:
preßer veit.architekten Susanne Preßer, Otmar Veit Freiburg
Bauherr:
Baugemeinschaft "vis-à-vis" GbR, Dr. Henk Schulz und Dr. Dagmar Blöcker, Teresa Larrain, Gaby Bär und Peter Hönig, Ute Pruchtnow und Detlef Schiefer, Dr. Antje Jockers, Tanja Lebrecht und Tom Baumann, Susanne Preßer und Otmar Veit, Freiburg
Begründung der Jury:
Strenge Baukörpergliederung und ruhige Fensterbänder heben das Mehrfamilienhaus von der Vielfältigkeit im Vauban-Viertel ab. Öffnungen über Gebäudeecken und akzentuiert angeordnete, weit auskragende Balkone gewähren Ausblicke auf öffentliche Freiräume und zur gegenüberliegenden Bebauung. Die Schachtelung verschiedener Wohnungstypen über zwei oder drei Ebenen ermöglicht interessante Varianten von Wohnformen. Besonders drei gegenseitig abgeschirmte Dachterrassen bieten privaten Freiraum mit Bezug zur umgebenden Landschaft. Die Innenräume sind hell und erzeugen mittels Durchblicken eine Offenheit, die durch Schiebewände veränderbar sind. Farbige Innenwände bewirken bei nächtlicher Beleuchtung durch die Verglasung hindurch ein Farbenspiel. Dieses Haus weckt Lust darin zu Leben und ist ein positiver Beitrag zum Geschossbau in urbaner Situation.

Objektbeschreibung:

Wohnfläche: 765 qm
Gewerbefläche, Keller: 60 qm
Planungsbeginn: 2001
Fertigstellung : 2004

Zum Zeitpunkt des Entwurfs standen weder Bauherrn noch Raumprogramm fest. Es lag lediglich eine Grundstücksoption der Stadt Freiburg für ein Grundstück im Quartier Vauban vor.

Das Quartier Vauban verfügt über eine gleichermaßen stadt- und naturnahe Lage und ist mit einer guten Infrastruktur ausgestattet. Zu Gunsten mehrerer Grünzüge ist das Gebiet sehr dicht bebaut. Bis auf die Vauban-Allee sind alle Straßen Spielstraßen, die intensiv von den Bewohnern genutzt werden.

Der Bebauungsplan sieht für das Grundstück die Ausbildung einer Arkade an der Vauban-Allee, eine Gewerbeeinheit von mindestens 60 qm Fläche und eine maximale Bauhöhe von 13 m bei einer Geschossflächenzahl von 1.7 vor. Die Vauban-Allee verläuft auf der Nord-, die Adinda-Flemmich-Straße auf der West-Seite des Grundstücks.

Unser Ziel war es an dieser Stelle ein Projekt zu entwickeln, das sich im Wettbewerb am Wohnungsmarkt durchsetzen würde. Folgende Aspekte sollten dabei umgesetzt werden.

  • Die Verbindung von Privatheit und Individualität eines Einfamilienhauses mit der Wirtschaftlichkeit eines Mehrfamilienhauses.
  • Eine Vielfalt angebotener Wohnungsgrößen und -typen, um unterschiedliche Bauherren ansprechen zu können.
  • Verschiedene, definierte räumliche auch außenräumliche Qualitäten und eine eindeutige architektonisch- gestalterische Aussage, mit der sich potentielle Bauherren identifizieren können.
  • Die Kosten sollten sich im unteren Preisbereich bewegen.

Auf Grundlage des Entwurfs, einer detaillierten Baubeschreibung und Kostenaufstellung, wurden die einzelnen Wohnungen von einem Projektsteuerer, der sich auf die Betreuung von Baugemeinschaften spezialisiert hat, vermarktet. Nachdem alle Bauherren feststanden, wurde jede einzelne Wohnung in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bauherren individuell geplant und gestaltet. Die Kosten für Sonderwünsche wurden ermittelt. Alle Entscheidungen, die das Gebäude als Gesamtes betrafen, wurden von der Gruppe nach ausführlichen Gesprächen und Diskussionen gefasst.

Privatheit und Individualität

Es werden 7 Wohnungen mit insgesamt 765 qm Wohnfläche und drei Wohnungstypen angeboten. Alle realisierten Wohnungen unterscheiden sich in Grundrisslösung und Wahl der Oberflächen.

Zwei zweigeschossige 4-Zimmer-Wohnungen mit 122 qm Wohnfläche, eigenem Garten und Vorgarten erhalten wie die angrenzenden Reihenhäuser einen separaten Zugang von der autofreien Seitenstraße. Ihr großzügiger Wohnbereich wird von einem Kern mit Nebenräumen gegliedert.

Darüber befinden sich zwei 5-Zimmer-Maisonette-Wohnungen mit 120 qm Wohnfläche. Ihre Wohn- und Schlafbereiche sind so diagonal über Kreuz angeordnet, dass für beide jeweils ein Zugang zum Dach und eine private sichtgeschützte Dachterrasse realisiert werden konnte. Beide Wohnungen sind vom Treppenhaus zugänglich. Das Zentrum der Wohnungen bilden jeweils dreigeschossige Treppenräume mit Belichtung von oben.

Ergänzt wird das Wohnungsangebot durch drei 3-Zimmer-Geschosswohnungen mit Belichtung von drei Seiten und Ausblick auf Vogesen und Schwarzwald und jeweils etwa 95 qm Wohnfläche Die Wohnung im 1.OG nutzt das Dach der Gewerbeeinheit als Terrasse, die Wohnung im 3.OG verfügt über Dachausstieg und Terrasse auf dem Dach. Der Essbereich der Wohnungen im 2. und 3. OG lässt sich über Loggien nach draußen erweitern.

Die 60 qm große Gewerbeeinheit an der Vauban-Allee kann sowohl als Büro als auch als Ladengeschäft genutzt werden.


Individualität und Reduktion

Während bei der Gestaltung der Wohnungen ihre Individualität im Vordergrund stand, sollte das Gebäude durch Reduktion auf wenige Formen und Farben einen Ruhepunkt in einer insgesamt sehr farbenfreudigen und heterogenen Umgebung bilden.
Das Gebäude ist aus drei Baukörpern zusammengesetzt, die einer einheitlichen Gestaltung folgen: ein eingeschossiger liegender Kubus mit Gewebeeinheit und Fahrradabstellraum an der Vauban-Allee, darüber ruht auf Stützen der dreigeschossige ebenfalls liegende Hauptbaukörper mit den Wohnungen parallel zur Adinda-Flemmich-Straße, in ihrem Schnittpunkt markiert der Körper des Treppenhauses die Senkrechte.
Im nördlichen Bereich der Auskragung des Hauptbaukörpers über den Körper mit der Gewebeeinheit entsteht eine Arkade, im südlichen Bereich ein weitgehend verglastes Sockelgeschoss mit den Wohnbereichen der Garten-Maisonette-Wohnungen.

Eine umlaufende Bandfassade gliedert den Hauptbaukörper klar in einer horizontalen Abfolge von weiß verputzten Flächen und dunkel erscheinenden Fensterbändern. Diese lassen eine freie Anordnung von Fenstern zu, ohne die Einheitlichkeit der Gestaltung zu stören.
Die Fensterbänder werden von grau lackierten Holzfenstern und grauen Faserzementtafeln gebildet. Ihre Verteilung folgt einem Raster, ist aber auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Bauherrn abgestimmt und fällt je nach Wohnung unterschiedlich aus.
Auf der Ost- und der Westseite des Baukörpers sind nach den Wünschen der Bauherrn zusätzlich zu Gärten, Loggien und Dachterrassen weit auskragende Balkone angebracht. In ihrer unregelmäßigen Anordnung lockern sie die strenge Fassade auf und machen das Gebäude als Wohnungsbau ablesbar. Es ergeben sich so für alle Wohnungen Außenräume auf der Ost- und Westseite des Gebäudes, die je nach Tages- und Jahreszeit genutzt werden.

Die Sondernutzung des ebenfalls weiß verputzten Kubus mit der Gewerbeeinheit und dem Fahrradabstellraum an der Vauban-Allee wird mit stehenden Fensterformaten markiert, die von grauen Faserzement-Verkleidungen zu einem Band zusammengefasst werden. Die Fenster sind ebenfalls grau lackiert.
An der Ecke Vauban-Allee/ Adinda-Flemmich-Straße, wo die drei Baukörper zusammentreffen, befindet sich eine kleine eineinhalbgeschossige Halle. Sie dient als Eingangsbereich für die Dach-Maisonetten und die Geschosswohnungen und wird durch eine Öffnung des Fensterbandes über Eck hervorgehoben.
Am östlichen Ende des Baukörpers wird das Fensterband von einem umlaufenden verzinkten Metallgitter ersetzt. Der Baukörper löst sich auf. Hier ist der Fahrradabstellraum untergebracht. Die größere Transparenz kommt den Gärten zu Gute. So wird ein Sichtschutz erreicht, ohne die Gärten einzuengen.

Die senkrechte Ausrichtung des Treppenhauses wird durch eine vertikale weiß verputzte Wandscheibe und ein vertikales Fensterband unterstrichen, ohne die einheitliche Gestaltung aufzugeben.

Die Dachausstiege der drei Dachgeschosswohnungen sind in zwei Pavillons untergebracht, die mit grauen Faserzementplatten verkleidet sind. Ihre großen Fensterflächen sind so angeordnet, dass drei private Dachterrassen entstehen.

Reduktion und Inszenierung
Der Grau-Weiß-Kontrast der Fassade, die Unfarbigkeit des Gebäudes im Äußeren, wird ergänzt durch die Betonung einzelner Innenwände mit kräftigen Farben. Die Wirkung des Gebäudes kehrt sich bei Nacht um. Dann treten die beleuchteten Farbflächen in den Vordergrund, während die farbigen Fassaden der Nachbarschaft in den Hintergrund treten.

Kosten
Der anfänglich festgelegte niedrige Kostenrahmen konnte eingehalten und sogar unterschritten werden. Dabei führten die Überlegungen zur Kostenreduktion zu einer sparsamen Erschließung, die wiederum eine Grundrisslösung hervorbrachte, die sich durch räumliche Qualitäten auszeichnet. Die einheitliche Formensprache mit ihrer Reduktion auf wenige verwendete Materialen kommt zugleich der Gestaltung als auch den Kosten zu Gute.

Beteiligte
Projektsteuerung: buergerbau AG, Freiburg
Statik: Ingenieurpartnerschaft Göppert und Vater, Staufen
Haustechnik: fb Haustechnik Frank Fiala, Tiengen
Elektroplanung: P.I.C., Offenburg

Fotograf:
René Lamb

Zurück zur Suchseite

19.04.2011

Ihre Ansprechpartner

Carmen Mundorff

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-140
Fax: 0711 / 2196-201
mundorff spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Jutta Ellwanger

Jutta Ellwanger
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-142
Fax: 0711 / 2196-201
ellwanger spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Dr. Marc Hirschfell

Dr. Marc Hirschfell
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-117
Fax: 0711 / 2196-201
hirschfell spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Alles zum Beispielhaften Bauen


Aktuelle Ergebnisse in Kurzform, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.

mehr

Vorschau 2012 für Beispielhaftes Bauen


Im Jahr 2012 finden wieder sechs Auszeichnungsverfahren in Baden-Württemberg statt.

mehr

IFBau Fortbildungsprogramm


Seminar-Suche

mehr

Auslobung Dr. Ursula Broermann-Preis 2012

Auslobung Dr. Ursula Broermann-Preis 2012

In diesem Jahr lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg und der Dachverband Integratives Planen und Bauen e.V. (DIPB) den Dr. Ursula ... mehr

Keine kurzlebigen Moden

Keine kurzlebigen Moden

Architekturinteressierte haben die Wahl zwischen 41 verschiedenen Touren im Land. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, raten wir zu ... mehr

Tag der Architektur

Tag der Architektur

Architektur hautnah erleben - das können  Architekturinteressierte bei kostenlosen und fachkundig ... mehr

Auslobung Beispielhaftes Bauen Bodenseekreis 2006-2012

Auslobung Beispielhaftes Bauen Bodenseekreis 2006-2012

Auf der Suche nach beispielhafter Alltagsarchitektur führt die Architektenkammer das Auszeichnungsverfahren Beispielhaftes Bauen zusammen ... mehr

Auslobung Beispielhaftes Bauen Landkreis Lörrach 2003-2012

Auslobung Beispielhaftes Bauen Landkreis Lörrach 2003-2012

Bis zum 25. Juni 2012 können Sie beim Auszeichnungsverfahren Beispielhaftes Bauen mitmachen und Ihre Arbeiten im ... mehr

sonstige Veranstaltungen

01.03.2012 - 20.05.2012 | München
John Pawson

02.03.2012 - 28.05.2012 | Ulm
Hans-Dieter Schaal: Denkgebäude (mit Mond)

03.03.2012 - 26.08.2012 | Riegel am Kaiserstuhl
Le Corbusier & André Evard. Vom Jugendstil zur Moderne