Wohnfläche: 765 qm
Gewerbefläche, Keller: 60 qm
Planungsbeginn: 2001
Fertigstellung : 2004
Zum Zeitpunkt des Entwurfs standen weder Bauherrn noch Raumprogramm fest. Es lag lediglich eine Grundstücksoption der Stadt Freiburg für ein Grundstück im Quartier Vauban vor.
Das Quartier Vauban verfügt über eine gleichermaßen stadt- und naturnahe Lage und ist mit einer guten Infrastruktur ausgestattet. Zu Gunsten mehrerer Grünzüge ist das Gebiet sehr dicht bebaut. Bis auf die Vauban-Allee sind alle Straßen Spielstraßen, die intensiv von den Bewohnern genutzt werden.
Der Bebauungsplan sieht für das Grundstück die Ausbildung einer Arkade an der Vauban-Allee, eine Gewerbeeinheit von mindestens 60 qm Fläche und eine maximale Bauhöhe von 13 m bei einer Geschossflächenzahl von 1.7 vor. Die Vauban-Allee verläuft auf der Nord-, die Adinda-Flemmich-Straße auf der West-Seite des Grundstücks.
Unser Ziel war es an dieser Stelle ein Projekt zu entwickeln, das sich im Wettbewerb am Wohnungsmarkt durchsetzen würde. Folgende Aspekte sollten dabei umgesetzt werden.
Auf Grundlage des Entwurfs, einer detaillierten Baubeschreibung und Kostenaufstellung, wurden die einzelnen Wohnungen von einem Projektsteuerer, der sich auf die Betreuung von Baugemeinschaften spezialisiert hat, vermarktet. Nachdem alle Bauherren feststanden, wurde jede einzelne Wohnung in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bauherren individuell geplant und gestaltet. Die Kosten für Sonderwünsche wurden ermittelt. Alle Entscheidungen, die das Gebäude als Gesamtes betrafen, wurden von der Gruppe nach ausführlichen Gesprächen und Diskussionen gefasst.
Privatheit und Individualität
Es werden 7 Wohnungen mit insgesamt 765 qm Wohnfläche und drei Wohnungstypen angeboten. Alle realisierten Wohnungen unterscheiden sich in Grundrisslösung und Wahl der Oberflächen.
Zwei zweigeschossige 4-Zimmer-Wohnungen mit 122 qm Wohnfläche, eigenem Garten und Vorgarten erhalten wie die angrenzenden Reihenhäuser einen separaten Zugang von der autofreien Seitenstraße. Ihr großzügiger Wohnbereich wird von einem Kern mit Nebenräumen gegliedert.
Darüber befinden sich zwei 5-Zimmer-Maisonette-Wohnungen mit 120 qm Wohnfläche. Ihre Wohn- und Schlafbereiche sind so diagonal über Kreuz angeordnet, dass für beide jeweils ein Zugang zum Dach und eine private sichtgeschützte Dachterrasse realisiert werden konnte. Beide Wohnungen sind vom Treppenhaus zugänglich. Das Zentrum der Wohnungen bilden jeweils dreigeschossige Treppenräume mit Belichtung von oben.
Ergänzt wird das Wohnungsangebot durch drei 3-Zimmer-Geschosswohnungen mit Belichtung von drei Seiten und Ausblick auf Vogesen und Schwarzwald und jeweils etwa 95 qm Wohnfläche Die Wohnung im 1.OG nutzt das Dach der Gewerbeeinheit als Terrasse, die Wohnung im 3.OG verfügt über Dachausstieg und Terrasse auf dem Dach. Der Essbereich der Wohnungen im 2. und 3. OG lässt sich über Loggien nach draußen erweitern.
Die 60 qm große Gewerbeeinheit an der Vauban-Allee kann sowohl als Büro als auch als Ladengeschäft genutzt werden.
Individualität und Reduktion
Während bei der Gestaltung der Wohnungen ihre Individualität im Vordergrund stand, sollte das Gebäude durch Reduktion auf wenige Formen und Farben einen Ruhepunkt in einer insgesamt sehr farbenfreudigen und heterogenen Umgebung bilden.
Das Gebäude ist aus drei Baukörpern zusammengesetzt, die einer einheitlichen Gestaltung folgen: ein eingeschossiger liegender Kubus mit Gewebeeinheit und Fahrradabstellraum an der Vauban-Allee, darüber ruht auf Stützen der dreigeschossige ebenfalls liegende Hauptbaukörper mit den Wohnungen parallel zur Adinda-Flemmich-Straße, in ihrem Schnittpunkt markiert der Körper des Treppenhauses die Senkrechte.
Im nördlichen Bereich der Auskragung des Hauptbaukörpers über den Körper mit der Gewebeeinheit entsteht eine Arkade, im südlichen Bereich ein weitgehend verglastes Sockelgeschoss mit den Wohnbereichen der Garten-Maisonette-Wohnungen.
Eine umlaufende Bandfassade gliedert den Hauptbaukörper klar in einer horizontalen Abfolge von weiß verputzten Flächen und dunkel erscheinenden Fensterbändern. Diese lassen eine freie Anordnung von Fenstern zu, ohne die Einheitlichkeit der Gestaltung zu stören.
Die Fensterbänder werden von grau lackierten Holzfenstern und grauen Faserzementtafeln gebildet. Ihre Verteilung folgt einem Raster, ist aber auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Bauherrn abgestimmt und fällt je nach Wohnung unterschiedlich aus.
Auf der Ost- und der Westseite des Baukörpers sind nach den Wünschen der Bauherrn zusätzlich zu Gärten, Loggien und Dachterrassen weit auskragende Balkone angebracht. In ihrer unregelmäßigen Anordnung lockern sie die strenge Fassade auf und machen das Gebäude als Wohnungsbau ablesbar. Es ergeben sich so für alle Wohnungen Außenräume auf der Ost- und Westseite des Gebäudes, die je nach Tages- und Jahreszeit genutzt werden.
Die Sondernutzung des ebenfalls weiß verputzten Kubus mit der Gewerbeeinheit und dem Fahrradabstellraum an der Vauban-Allee wird mit stehenden Fensterformaten markiert, die von grauen Faserzement-Verkleidungen zu einem Band zusammengefasst werden. Die Fenster sind ebenfalls grau lackiert.
An der Ecke Vauban-Allee/ Adinda-Flemmich-Straße, wo die drei Baukörper zusammentreffen, befindet sich eine kleine eineinhalbgeschossige Halle. Sie dient als Eingangsbereich für die Dach-Maisonetten und die Geschosswohnungen und wird durch eine Öffnung des Fensterbandes über Eck hervorgehoben.
Am östlichen Ende des Baukörpers wird das Fensterband von einem umlaufenden verzinkten Metallgitter ersetzt. Der Baukörper löst sich auf. Hier ist der Fahrradabstellraum untergebracht. Die größere Transparenz kommt den Gärten zu Gute. So wird ein Sichtschutz erreicht, ohne die Gärten einzuengen.
Die senkrechte Ausrichtung des Treppenhauses wird durch eine vertikale weiß verputzte Wandscheibe und ein vertikales Fensterband unterstrichen, ohne die einheitliche Gestaltung aufzugeben.
Die Dachausstiege der drei Dachgeschosswohnungen sind in zwei Pavillons untergebracht, die mit grauen Faserzementplatten verkleidet sind. Ihre großen Fensterflächen sind so angeordnet, dass drei private Dachterrassen entstehen.
Reduktion und Inszenierung
Der Grau-Weiß-Kontrast der Fassade, die Unfarbigkeit des Gebäudes im Äußeren, wird ergänzt durch die Betonung einzelner Innenwände mit kräftigen Farben. Die Wirkung des Gebäudes kehrt sich bei Nacht um. Dann treten die beleuchteten Farbflächen in den Vordergrund, während die farbigen Fassaden der Nachbarschaft in den Hintergrund treten.
Kosten
Der anfänglich festgelegte niedrige Kostenrahmen konnte eingehalten und sogar unterschritten werden. Dabei führten die Überlegungen zur Kostenreduktion zu einer sparsamen Erschließung, die wiederum eine Grundrisslösung hervorbrachte, die sich durch räumliche Qualitäten auszeichnet. Die einheitliche Formensprache mit ihrer Reduktion auf wenige verwendete Materialen kommt zugleich der Gestaltung als auch den Kosten zu Gute.
Beteiligte
Projektsteuerung: buergerbau AG, Freiburg
Statik: Ingenieurpartnerschaft Göppert und Vater, Staufen
Haustechnik: fb Haustechnik Frank Fiala, Tiengen
Elektroplanung: P.I.C., Offenburg

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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Jutta Ellwanger
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Dr. Marc Hirschfell
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