Wasserbilder: Clémence Letouzey
Wassertechnik: ifw Jürgen Fiedler
Tiefbau: Durth Roos Consulting
INTENTION
Die Kurpfalzachse verbindet als Hauptachse im Mannheimer Stadtgrundriss das Schloss und den Schlosspark im Süden mit dem Messplatz im Norden. Sie verknüpft damit symbolisch den Rhein mit dem Neckar, die Innenstadt mit der Neckarstadt, die Barockstadt mit der Stadt des XIX. Jahrhunderts. Dieser kontinuierliche Stadtraum wird als ein durchgehendes Element, vom Schloss bis zum neuen Kurpfalzplatz, betrachtet, das im Gegensatz zu den Plätzen, die der Ruhe dienen, als ein Ort der Bewegung und des Flanierens begriffen wird.
Entlang dieses Bindestrichs liegen auf beiden Seiten, Trittstufen gleich, die Platzräume als Leerräume in der Quadratestadt. Sie sind wie die Carrés des Barock, Ruhepunkte mit eigenen Themen entlang der zentralen Achse. Diese Platzräume artikulieren auch ein Netzwerk von Verbindungen in Querrichtung, durch das die vorhandenen Grünräume miteinander verbunden werden. Sie sind dabei sowohl Stationen entlang der Achse wie auch Eintrittsräume in die einzelnen Quartiere. Dies wird ergänzt um eine Öffnung zum Wasser, die den Uferraum des Neckars in die Stadt hineinholt, unterschiedliche Inszenierungen greifen das Thema des Wassers als Leitmotiv auf.
Grundgedanke der Gestaltung ist die Neutralität, die Flexibilität der Nutzung und die Nachhaltigkeit durch die Langlebigkeit der verwandten Elemente. Die Funktionseinbauten und das Mobiliar werden auf das Notwendige reduziert. Nach Möglichkeit erfüllen einzelne Elemente mehrere Funktionen, um ihre Anzahl und damit die Belegung der Fläche zu minimieren. Wenige, dafür hochwertige und dauerhafte Eingriffe stellen Beziehungen zwischen vorhandenen Elementen her und verstärken deren Identität. Die vorhandenen Potentiale werden genutzt und um neue Bezüge ergänzt. Eine klare Ordnung erleichtert die Orientierung, eine einheitliche, reduzierte Gestaltung bindet die unterschiedlichen Räume zusammen. Diese Beruhigung versteht sich als urbane Strategie und belässt den Stadträumen die prinzipielle Qualität der Offenheit.
RAUMKONZEPT
Die Fläche wird durch wenige gestalterische Mittel akzentuiert. Das räumliche Konzept besteht aus der Einführung von zwei horizontalen Ebenen, eines steinernen Bodens und eines pflanzlichen Daches. Ein heller, regelmäßiger und schön proportionierter Belag aus länglichen Platten stellt die untere Bezugsebene dar. Darüber spannt sich, wie ein luftiger Schirm, das filigrane Blätterdach, dass von schlanken Baumstämmen getragen wird.
Der Bodenbelag läuft einheitlich zwischen dem Kurpfalzkreisel und dem Ehrenhof des Schlosses durch. Der Boden bildet eine einheitliche Fläche, auf der die Bäume, Möblierungen und sonstigen Elemente aufgestellt sind. Die Bahnsteige sind als eigene Körper ausgebildet, die auf dem Teppich des Bodens stehen. Sie heben sich durch ihre kubische Form und die dunkle Farbgebung ab. Die Bodeneinbauten, Strahler, Masten und Baumstämme sind in zwei Linien zwischen der Schienenaussenkante und den Hauswänden angeordnet. Es entstehen differenziert rhythmisierte Parallelen, die Markierung des Lichtraumprofils im Boden, die Baumstämme und Bodeneinbauleuchten, die Masten und Bodeneinläufe. Diese Ordnung trägt zur Beruhigung des Gesamteindrucks bei.
Die Kurpfalzachse wird auf ihrer gesamten Länge, nur durch die Haltestellenbereiche unterbrochen, von einem Dach aus Kaiserlinden (Tilia x vulgaris ‘Palida’) beschirmt. Es bildet einen wohlproportionierten Raum über der Oberleitung der Straßenbahn, beruhigt das Bild der Straße und ordnet den baulich heterogenen Stadtraum. Ein lichter Schatten bildet einen angenehmen Raum zum Spazieren und Ruhen und verdunkelt nicht den Straßenraum. Die regelmäßige Anordnung wird im Bereich der Haltestellen, die sich an den Plätzen befinden, unterbrochen, die Länge wird durch unterschiedliche Zonen rhythmisiert.
Das Beleuchtungskonzept geht von zwei differenzierten Lichtformen aus, einer Funktions- oder Allgemeinbeleuchtung, die der Sicherheit und allgemeinen Beleuchtung dient, und einer Akzentbeleuchtung, die räumlich wichtige Elemente hervorhebt und das räumliche Prinzip der beiden horizontalen Ebenen unterstreicht. Die Beleuchtungskörper sind jeweils in eine Ebene integriert, farbige Einbaustrahler unter den Bäumen und die abgehängten Beleuchtungskörper auf der Höhe des Blätterdachs.
Das Mobiliar und die sonstigen Einbauten werden auf das strikt Notwendige reduziert, um ein Zustellen des Raumes mit zahllosen Einzelelementen unterschiedlichster Formensprachen zu vermeiden. Das Mobiliar wurde speziell für diesen Stadtraum entworfen und korrespondiert mit den Elementen des Messplatzes, es wurde auf eine größtmögliche Neutralität und ein Verzicht auf modisches Design zugunsten einer gestalterischen und physischen Langlebigkeit geachtet.
ALTER MESSPLATZ
Der Messplatz inszeniert die Beziehung zum Fluss und zum gegenüberliegenden Ufer. Als Pendant zum Kurpfalzplatz öffnet er sich zum Neckar und verbindet damit die Neckarstadt mit der Innenstadt. Grundgedanke ist die Fassung der Ränder, eine klare Orientierung auf den Flussraum und eine weite Fläche in der Mitte, die durch einzelne Elemente maßstäblich gegliedert wird. Ein Kontrast von hellen und dunklen, sonnigen und schattigen, belebten und ruhigen Bereichen entsteht.
Der Platzraum gliedert sich in einen dem Verkehr vorbehaltenen Randbereich im Norden und Osten und dem eigentlichen Stadtplatz in der Mitte. Dieser läuft von der Käfertaler Straße bis zum Neckarufer durch, wird jedoch in mehrere Bereiche unterteilt. Dies sind, von Norden nach Süden, das Platzhaus, der Quartiersplatz, die Wassergärten, und das Belvedere. Diese werden von dichten Alleen aus Platanen gefasst, die ihm eine räumliche Ausrichtung geben. Sie halten die umliegenden Verkehrsräume auf Distanz.
Die Baumhaine, regelmäßige Reihen aus Platanen, bilden die räumliche Grundstruktur des Platzes. Die bestehenden heterogenen Raumkanten werden verstärkt und damit der heute sehr offene Raum gefasst und eindeutig zum Fluss hin orientiert. Die Platanen ergeben, zusammen mit der wassergebundenen Decke, ein mediterranes Bild, ihr lichter Schatten rahmt die tiefer liegende helle Platzfläche. Die Möblierung nimmt das Thema des Gartens auf, eine Parkbank, die auf einem von Antonio Gaudi entworfenem Modell basiert, lässt die Atmosphäre einer Sommernacht aufkommen.
Der Platzbelag besteht aus großformatigen hellen Granitplatten, die im Läuferverband in Richtung des Platzes verlegt sind. Diese Verlegung bildet ein feines Raster und definiert eine Richtung zum Neckar. Auf dieser Fläche stehen vier Masten mit eigens konzipierten Spiegelwerfern, die eine gleichmäßige und blendfreie Beleuchtung der Fläche ermöglichen. Ihre Vertikalität kontrastiert mit der Horizontalität der Fläche und den angrenzenden Hochhäusern.
Das Platzhaus ist als stählerne Hülle mit zwei eingeschobenen Baukörpern für Gastronomie und Infrastruktur konzipiert. Es bezieht sich auf Parkarchitekturen, aber auch auf die frühere Funktion des Messplatzes und die einfachen Buden der Schausteller. Die Außenhaut besteht aus einem Gewebe aus Streckmetall, einem transluzenten Kleid, das je nach Lichteinfall und der Bewegung des Betrachters changiert, immateriell oder reflektierend wirkt. Nachts verändert die Hülle ihr Erscheinungsbild, sie wird von innen farbig hinterleuchtet und wirkt als Laterne, die den Platzraum als öffentlichen Ort kennzeichnet.
WASSERGARTEN
Die Präsenz des Wassers setzt diesen urbanen Garten in den Gesamtzusammenhang der Kurpfalzachse als Verbindungsachse zwischen Rhein und Neckar. Die räumliche Konfiguration basiert auf einer regelmäßigen Anordnung von linearen Elementen quer zum Fluss, die sich wie Kulissen in das Blickfeld schieben. Gegeneinander verschobene Streifen von Wassersprudeln, Bänken, Bäumen und Scheinwerfern definieren Orte und wechselnde Szenerien. Sie variieren das Thema der Serie und der Differenz.
Der gesamte Bereich ist gegenüber dem Platz leicht abgesenkt und mit großformatiger schwarzer Basaltlava belegt, die durch ihre Offenporigkeit mit der umliegenden Granitfläche kontrastiert. Reihen von Felsenbirnen (Amelanchia lamarckii) bilden lockere Schirme, ihre Mehrstämmigkeit unterstützt das graphische Erscheinungsbild und erzeugt eine Tiefenwirkung auf der Platzfläche. Die Bänke bilden horizontale Linien über dem Boden und formen ein Gegengewicht zu den Vertikalen der Baumstämme. Sie sind unregelmäßig gegeneinander verschoben und ermöglichen diagonale Raumbezüge. In den Boden sind Edelstahlrinnen mit versenkten Bodensprudeln eingelassen, die über eine dynamische Steuerung den Platz beleben.
Die räumlichen Qualitäten, die Geräusche und die Veränderlichkeit des Wassers werden zu Inszenierungen verdichtet, die den Garten in Bewegung versetzen. Eine wiederkehrende ‘Stundenuhr’ rhythmisiert den Programmablauf und zeigt in der Art einer Kirchenuhr die Zeit an. Wasserwände scheinen sich quer zur Platzfläche zu bewegen, einzelne, veränderliche Bilder zirkulieren zwischen den Reihen und tanzen wie ein flüchtiges Ballett über den Platz. Durch den Wechsel der Intensität entstehen bewegliche Konstellationen, die parallelen Linien der Bäume und der Möblierung werden durch Gruppen von Menschen animiert. Nachts erleuchten sich die Wasserbilder, Bodenstrahler beleuchten die Bäume, vom gegenüberliegenden Ufer aus werden sie als hell erleuchte Elemente vor der Platzbegrenzung der Platanen wahrgenommen, vom Platzhaus aus wirken ihre schwarzen Silhouetten wie Scherenschnitte vor der Kulisse der Stadt.
Fotograf:
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Dr. Marc Hirschfell
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