Statik: Brocke Ingenieure, Stuttgart
AUSGANGSLAGE/STÄDTEBAULICHE SITUATION
Das Projekt ‘Quartiersentwicklung Jungbusch Verbindungskanal’ nutzt das Potenzial brachliegender Gewerbeflächen an der Schnittstelle zwischen Hafen und Innenstadt für die innerstädtische Entwicklung Mannheims. Eine zurückgehende hafenspezifische Nutzung des Kanals und ein seit Anfang der 1990er Jahre vehement einsetzender Strukturwandel im Jungbusch eröffnen Perspektiven für eine sukzessive Neuordnung. Das Projekt agiert sowohl im gesamtstädtischen Maßstab wie auch auf Quartiersebene. Mit einem Mix aus städtischen Investitionen, Projektmitteln des Landes und privatem Engagement ist zum 400-jährigen Stadtjubiläum eine signifikante städtebauliche Entwicklung eingeleitet worden, die in den nächsten Jahren weiter verfolgt werden soll.
STRATEGIE
Das Projekt setzt sich zusammen aus verschiedenen Bausteinen:
Der Verbindungskanal ist westlicher Stadteingang und die optische Visitenkarte der Stadt für die aus Norden ankommenden Bahnreisenden. Durch das Projekt wird ein Investitions- und Arbeitsstandort für Unternehmen aus dem Dienstleistungs- und Kreativbereich geschaffen und gleichzeitig der Wohnstandort Jungbusch stabilisiert und aufgewertet.
FREIRAUMGESTALTUNG
Die neue 800 Meter lange Promenade (1. Bauabschnitt) ist das Rückgrat der baulichen Entwicklung am Verbindungskanal. Auf die Promenade kommt eine Doppelfunktion zu: Einerseits soll sie übergeordnet als "Stadtpromenade" die weiträumigen Uferbereiche an Rhein und Neckar verbinden, gleichzeitig aber auch als "Quartiersterrasse" im lokalen Kontext breite Nutzungsbedürfnisse befriedigen. Durch eine klare Konturierung und Stärkung der öffentlichen Räume wird ein stabiles städtebauliches Entwicklungsgerüst definiert. Neue Gebäudeelemente lassen sich flexibel einfügen und die Wechselbeziehung zwischen Altem und Neuem wird moderiert. Die Promenade wird nicht nur als Weg entlang des Kanals ausgeformt, sondern weitet sich immer dort, wo Anknüpfungspunkte in den Stadtteil existieren, zu Plätzen und "Freiraumtaschen".
GESTALTUNGSPRINZIPIEN
Für die Promenade wurden durchgängige Gestaltungsprinzipien formuliert. Sie suchen ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Anpassen und Sich-Absetzen, zwischen Homogenität und Heterogenität. Im Spannungsfeld von "roh" und "fein" beschreibt der Begriff des "veredelten Halbzeugs" trefflich die Zielsetzung der Gestaltung. Mit einfachen Materialien werden besondere Qualitäten erzeugt. In den maschinell hergestellten und durchgängig befahrbaren harten Bodenbelag werden Sonderzonen wie ‘Intarsien’ eingebettet: Pflasterbeläge, Möbelgruppen und Pflanzbereiche. Eine abgestimmte Lichtgestaltung schafft eine gleichmäßige Grundbeleuchtung, die durch szenisches Licht ergänzt wird, das besondere räumliche Situationen und Gestaltungselemente akzentuiert. Neue Lichtmasten fassen räumlich auch tagsüber die Uferkante, an den Plätzen werden die Masten immer verdoppelt.
In den Übergängen zwischen Quartier und Promenade erhält jede "Freiraumtasche" eine unverwechselbare Gestaltung. So ordnet der neue Quartiersplatz mit dem großen verschiebbaren Dach die Wege- und Blickbeziehungen neu, dokumentiert signalhaft die Öffnung zum Wasser und bietet einen wettergeschützten Freiraum. Der Platz ist durch flache Stufen terrassiert, unterschiedliche Beläge - Sand, Beton und Kieselsteinmosaik - gliedern ihn und heben ihn vom Straßenraum ab. Zwischen Signifikanz und Mehrfachnutzbarkeit bietet er Platz für ganz unterschiedliche Zielgruppen und Nutzungen. Ganz anders agiert der Platz an der Popakademie, dessen schräge Flächen durchgängig in Beton gestaltet und durch große Holzflächen strukturiert sind. Er ist Eingangstor zur Promenade und ‘Pausenhof’ der Akademie; er wird aber auch für Outdoor-Events von der angrenzenden Jungbuscharena genutzt.
Die Realisierung des dritten Platzes, des Kinderspielplatzes auf dem Islinger-Areal, ist gegenwärtig noch offen. Seine Gestalt und sein Erscheinungsbild wurden mit den Kindern aus dem Viertel entwickelt. Er wird räumlich geprägt von einer großen, begehbaren Holzwand, die durch besondere Spielgeräte ergänzt wird - vom "Wackelschaf" über die Seilhängebrücke bis hin zur "Science-Fiction-Gondel".
Die Plätze gliedern die lineare Struktur der Promenade in unterschiedliche Abschnitte. Die Freizeitwiese bei den Studentenwohnheimen bildet den vorläufigen nördlichen Abschluss der Promenade. Ein langer Holzsteg schafft hier neue Aufenthaltsräume unmittelbar am Wasser, die Rasenfläche mit Bäumen lädt zum Verweilen ein. Der Promenadenabschnitt an der Kauffmannmühle ist geprägt durch einzelne Verweilinseln - das speziell hierfür entworfene Stadtmobiliar wird von Beschäftigungsträgern gefertigt, wodurch das Projekt kleine Impulse auf den lokalen Arbeitsmarkt gibt. Den Bereich südlich der Teufelsbrücke gliedern und markieren die kleinen, roten Dächer. Entlang der gesamten Promenade werden die vom Wasser abgewandten Wände und Fassaden zu Begrünung genutzt.
Fotograf:
Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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Jutta Ellwanger
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Dr. Marc Hirschfell
Architektur und Medien
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