Aufgabe eines Ideen- und Realisierungswettbewerbs war es, die in zwei Gebäuden etwas unübersichtlich untergebrachte Gemeindeverwaltung neu zu ordnen, die Innenräume von ihren im Laufe der Jahre angesammelten Verkleisterungen zu befreien, den Ratssaal in einem neuen Bau wieder die Ortsmitte zu bringen und kommunale Dienstleistung zu bündeln.
Heute gruppieren sich drei eigenständige Gebäude um einen lichten Verbindungsbau:
Das alte Rathaus
1914 im Geist der Jahrhundertsanierung unter Leitung des großherzoglichen Restaurators nach konservatorischen Gesichtspunkten restauriert. Heute steht das schöne Gebäude wieder frei und vom Kaufhaus gelöst, innen auf den dokumentierten Stand von 1914 herausgeschält. Der historische Sitzungssaal und die Ratsstube werden wieder zu besonderen Orten in der Gemeinde. Alte Farb- und Lasurtechniken betonen die handwerkliche Schönheit der 90 Jahre alten Holzeinbauten, Türen und Fenster.
Das ehemalige Kaufhaus
Seit den 1950er Jahren in die Rathausnutzung einbezogen. Unter dem Stichwort: "es muss nicht immer Fachwerk sein" konnte hier einvernehmlich eine plakativ historisierende Fachwerkfreilegung der 60er Jahre rückgängig gemacht werden. Somit steht der wiedergewonnene originale Putzbau nicht mehr in ungleicher Konkurrenz zu dem historischen Fachwerk-Rathaus.
Das neue Rathaus
Kulissenhaft und eher versteckt schiebt sich der Neubau hinter das alte Rathaus und formt eine Art überdeckten Marktplatz und eine lichtdurchflutete Mitte. Außenfassaden bilden einen neuen Innenraum. Der Ratssaal verlässt die Ordnung der Lochfassade und öffnet sich weit zum Marktplatz. Architektur bildet den ruhigen Hintergrund für die farbige Dynamik der Bilder von Peter Föller.

Carmen Mundorff
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