Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Stuttgart 2002 - 2007"

Schülerhaus Friedrich-Eugens-Gymnasium

Silberburgstraße 86
70176 Stuttgart

Architekt:
Drei Architekten Prof. Haag.Haffner.Stroheker Freie Architekten BDA Stuttgart Konzeption: Uta Haffner Projekt- und Bauleitung: Sabine Mössner
Bauherr:
Landeshauptstadt Stuttgart, Schulverwaltungsamt, vertreten durch das Hochbauamt
Begründung der Jury:
An der Nahtstelle zwischen oberem und unterem Pausenhof des Gymnasiums formuliert der frei stehende dreigeschossige Baukörper eine in der Nachbarschaft zum Schulgebäude unabhängige Figuration. Im Gegenspiel von vertikal orientierter Ordnung von Türen und Fenstern und horizontal ausgebildeter Lattenverkleidung ergibt sich ein Quadrat, das Offenheit signalisiert. Im Innern überzeugt die ebenso klare wie zurückhaltende Gliederung und das bestimmende Gefühl der Transparenz. Das Schülerhaus ist als Kubus ein Signal - ein gebautes Mehr an Schulerleben und damit ein gebautes ‘Schule ist mehr’.

Objektbeschreibung:

Mitarbeit: Sabine Hahn

Städtebau
An der Nahtstelle zwischen zwei Pausenhöfen wurde das neue Schülerhaus als Solitär eingestellt. Der untere Pausenhof erhielt dadurch einen Abschluss im Westen, der obere Pausenhof im Osten. Die leichte Drehung des neuen Baukörpers folgt der Geometrie der vorhandenen Freitreppe und unterstützt die fließende Verbindung zwischen beiden Höfen. Das Haus wird als Bestandteil der Freianlagen gelesen und überlässt die rechtwinklige Ordnung den inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Schulgebäuden aus den 50er Jahren.

Bauform
Das Schülerhaus ist auf die geometrisch einfache Form eines Würfels reduziert. Als punktförmig aufragendes Gebäude steht es in einem spannungsreichen Gegensatz zum langgestreckt liegenden Baukörper des Schulhauses. Die eigenständige Bauform unterstreicht den selbständigen Inhalt des Schülerhauses, das nicht als Erweiterung und Fortsetzung der Schulgebäude gesehen wird, sondern als ein temporäres Zuhause für die Schüler, die ganztags auf dem Schulgelände leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.

Funktionen
Auf drei Geschossen werden die drei Funktionen des Hauses abgebildet: Mittagstisch unten, Entspannung in der Mitte, Hausaufgaben oben. Eine offen geführte Treppe und ein behindertengerechter Aufzug verbinden alle drei Ebenen. Dem zweigeschossigen Speiseraum mit 48 Tischplätzen sind an zwei Seiten die dienenden Räume angelagert. Eine fensterlose, zweigeschossige Sichtbetonwand begrenzt den Raum im Süden, eine ebenso hohe Vollverglasung öffnet ihn nach Osten zur Außenterrasse. Die Galerie des Speisesaals ist mit runden Tischen und Aluminiumstühlen als Café möbliert, das auch die Terrasse am oberen Pausenhof bedient. Abgeschirmt vom Lärm der beiden unteren Ebenen liegen im obersten Stockwerk die Räume für stilles Arbeiten. Ein teilbarer, stirnseitig belichteter Hausaufgabenraum durchmisst das gesamte Gebäude, ein weiterer schmaler Raum ist mit gereihten Einzelplätzen ausgestattet.

Konstruktion und Material
Tragende Wände, Stützen und unterzugsfreien Decken sind in Stahlbeton ausgeführt. Die massiven Außenwände wurden außenseitig wärmegedämmt und mit einer horizontalen Lattung aus Lärchenholz geschützt. In die geschlossen wirkenden Fassaden sind - hinter den Holzlatten versteckt - niedrige Fensterbänder für die Arbeitsplätze und einzelne Lochfenster für die Nebenräumen eingeschnitten. Ost- und Westfassade dagegen öffnen sich mit geschossübergreifenden Verglasungen zu den beiden Pausenhöfen und geben dem Haus Transparenz am Tage wie in der Nacht. Betonwände im Innenbereich wurden sichtbar belassen, Ständerwände wurden gespachtelt und gestrichen. Auch die Decken sind in Sichtbeton ausgeführt und teilweise mit einfachsten Akustikplatten bekleidet. Die Böden sind mit rotem Linoleum ausgelegt, Stahlteile der Treppen anthrazit gestrichen, Treppenläufe aus dunkel eingefärbtem Beton vorgefertigt.

Dank rigoroser Beschränkung auf das Notwendigste konnte das äußerst knapp bemessene Baubudget eingehalten werden.

Fotograf:
Wolf-Dieter Gericke

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19.04.2011

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