Das Residenzschloss Mannheim sollte pünktlich zum 400jährigen Bestehen der Stadt durch die Wiederherstellung des historischen Mansarddaches seine barocken Proportionen zurück erhalten. Der so entstandene Nutzraum ermöglichte die Neu-Konzeption des Corps des Logis mit Bibliothek und Museum. Die neuen bzw. erweiterten Funktionen sowie die Dach-Rekonstruktion festigen die Stellung des Schlosses als historischer Mittelpunkt der Stadt.
In den Nachkriegsjahren war der zerstörte Mittelbau zwar wieder aufgebaut worden, doch hatte der Corps des Logis statt dem ursprünglichen Mansarddach ein Satteldach erhalten. Mit den Planungen der 2006 abgeschlossenen Maßnahmen hatte Blocher Blocher Partners, Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Amt für Vermögen und Bau in Mannheim, 2001 begonnen. Die Maßnahmen werden zweierlei Aspekten gerecht: Der schonende Umgang mit der barocken Baukunst wahrt die Authentizität; die Strukturen für die geplanten Nutzungen sind zeitgemäß und wirtschaftlich.
Durch die Zusammenführung der verschiedenen, bislang über die Universität verstreuter Bibliotheksräume wurden Räume im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss frei: Aus dem bestehenden Museumstorso konnte ein zusammenhängendes Museum entwickelt werden. Dieses gliedert sich thematisch in ein Raumkunst- sowie ein Objektmuseum.
Die barocke Raumabfolge war beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben worden. Nun wurden die Raumproportionen in ihre Ursprungsform zurückgesetzt, was den Besuchern ermöglicht, die Architektur des Schlosses neu zu erleben: In der Beletage werden der Rittersaal, der angrenzende Rote Saal (östlich) und der Trabantensaal (westlich) von einer Enfilade mit jeweils drei Räumen ergänzt.
Ins Museum gelangen die Besucher über den östlichen Seitenflügel, wo sie ein großzügiger Eingangsbereich mit Museumsshop erwartet. Im eingeschobenen, verglasten Zwischenraum sind multifunktionale Räume entstanden. Um den reibungslosen Museumsbetrieb auch während Veranstaltungen im Schloss zu gewährleisten, wurde in den Fundamenten ein Bypass geschaffen, der es erlaubt, Haupttreppenhaus, Rittersaal und Gartensaal zu umgehen.
Die Bibliothek sowie ergänzende Räumlichkeiten erstrecken sich auf insgesamt drei Ebenen im Mittelbau bis in die beiden Seitentürme hinein. Um die Raumhöhe von ca. zehn Metern unter den Mansarddächer beiderseits des Mittelturms optimal nutzen zu können, wurden über dem zweiten Obergeschoss zwei weitere Ebenen - davon eine als Galerie - eingefügt. Die sichtbare Konstruktion versinnbildlicht das Zeitalter der Technologie: ca. 350 Arbeitsplätze mit Internet-Anschlüssen stehen hier zur Verfügung. Die Galerieebene - jeweils eingeschoben wie ein Tisch - macht das Raumvolumen unter den Mansarddächer des Ost- und Westflügels erlebbar.
Von Außen lassen sich die Innovationen nur erahnen. Lediglich das Oberlichtband auf der Rheinseite ist ein Hinweis darauf, dass sich hinter der Fassade modernste Strukturen verbergen.
Der Mittelturm selbst wurde nahezu entkernt. Bewusst wird Abstand zwischen Historie und Neuzeit gehalten: Die beiden neuen Geschossdecken des Mittelturms sind in deutlicher Distanz zum Gemäuer als freie Galerie-Ebenen abgehängt. Leicht und transparent wirkt die innere, vertikale Erschließung durch offen gestaltete Treppen. Der Weg in die Bibliothek führt über die beiden vorhandenen Treppenhäuser in den Ecktürmen Ost und West. Raumabschlüsse aus Glas machen das historische Barockschloss auch in den modernen Universitätsräumen gegenwärtig.

Carmen Mundorff
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