Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Main-Tauber-Kreis 2004 - 2010"

Stadtbücherei Weikersheim

Laudenbacher Straße 3
97990 Weikersheim

Architekt:
Martin Wypior Stuttgart
Bauherr:
Stadt Weikersheim, Bürgermeister Klaus Kornberger, Stadtbaumeister Alfred Wehr
Begründung der Jury:
Wer Bücher liebt, wird von der neuen Stadtbücherei in Weikersheim begeistert sein. Die Fassade wird bestimmt von den großen historischen Natursteinwänden und der einfachen Sparrenkonstruktion der früheren Scheune. Die Verzahnung der eingeschossigen Erweiterung mit Entrée und Empfang ist in Proportion und Materialwahl überzeugend gelungen. Innen sind großzügige und lichtdurchflutete Räume entstanden. Gemütliche Sitzecken laden geradezu zum Verweilen und Schmökern ein. Über eine Wendeltreppe, die gleichermaßen elegant wie dominant wirkt, führt der Weg in die beiden Obergeschosse.

Objektbeschreibung:

Bauzeit: November 2008 - Oktober 2009
Baukosten: 810.000 Euro
Fläche: 390 qm

Nach eineinhalb Jahren der Planung und Bauzeit ist aus der Scheune die neue Stadtbücherei Weikersheim entstanden. Das Gebäude mit groben Natursteinwänden und einer einfachen Sparrenkonstruktion in dem einst Tiere gehalten wurden sowie Heu und Getreide lagerten, wurde in seiner Grundstruktur erhalten und soweit möglich sichtbar belassen. Allerdings musste die Substanz erheblich ertüchtigt werden.

Abschnittsweise wurden die Fundamente der tragenden Teile unterfangen, schadhafte Hölzer wurden ersetzt, die gesamte Holzkonstruktion wurde "ins Wasser" gebracht und durch eine Wärmebehandlung von Schädlingsbefall befreit. Die gesamte Gebäudehülle wurde nach den Vorschriften der Energieeinsparverordnung gedämmt. Auf der neu eingebauten Bodenplatte, an den Innenseiten der Wände und zwischen einer zweiten, neuen Sparrenlage wurde Dämmmaterial eingebracht. Das Bruchsteinmauerwerk der Außenwände mit den Sandsteineinfassungen der Fenster konnte sichtbar bleiben, es wurde gereinigt und neu verfugt. Die an der Sanierung beteiligten Zimmerleute und Maurer haben mit viel Können und Sachverstand zum Gelingen der Baumaßnahme beigetragen.

Um den Brandschutz zu gewährleisten, wurden die wichtigsten tragenden Teile durch Stahlträger unterstützt oder ersetzt, eine Fluchttreppe wurde am Ostgiebel ergänzt. Ein Aufzug sorgt für die barrierefreie Erreichbarkeit des Obergeschosses und erleichtert den Transport der Bücher im Gebäude.

Ein Anbau auf der Nordseite ergänzt die Scheune, durch das Nebeneinander der an sich kleinen Gebäude entsteht ein großzügiger Raum im Erdgeschoss, der auch für Veranstaltungen der Bücherei genutzt werden kann. Die schlichte Brettschalung am Neubau wird am Scheunentor auf der Südseite wieder aufgenommen. Die große Öffnung sorgt für viel Licht und eine angenehm helle Atmosphäre. Die oberen Geschosse werden durch ein neues Glasdach im First zusätzlich belichtet. Die neue Wendeltreppe wirkt durch die dunkle, geschlossene Brüstung und die Eichenholzstufen dominant im Raum und betont den Weg in die oberen Geschosse. Einzelne gelbgrüne Möbel setzen weitere Akzente und gliedern die Flächen.

Die Kinder bis zwölf Jahre haben mit der Bilderbuchecke, den Kindersachbüchern, den Erzählungen und den Spielen ihren Bereich im Erdgeschoss. Die Erwachsenen finden Sachbücher, Romane, Hörbücher und Zeitschriften im Obergeschoss, das Dachgeschoss gehört den Jugendlichen. Das robuste Regalsystem, zum Teil auf Rollen, bietet Spielräume für Veränderungen, so dass die Bestände weiter wachsen können und sich die Stadtbücherei weiter entwickeln kann.

Die neu geschaffene räumliche Qualität im Gebäude, die durch das Miteinander von Alt und Neu entsteht, rechtfertigt die aufwändigen Sanierungsmaßnahmen und ist hoffentlich ein Ort, der den passenden Rahmen für alle bietet, die das Angebot der Stadtbücherei nutzen wollen. Im Lauf der Bauzeit wurde so mancher Bauschaden aufgespürt, mancher alte Balken kann seine Geschichte erzählen, manches wurde ganz sachlich, fachgerecht erledigt, entstanden ist ein Raum für Menschen und Bücher wo früher Heu und Stroh lagerten.

Fotograf:
Wolfgang Dürr, Würzburg

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19.04.2011

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