Das ZfP Weissenau ist ein regionales Zentrum für die Behandlung und Betreuung von Menschen mit psychischen Störungen und neurologischen Erkrankungen. Für den Bereich Psychiatrische Altenpflege sollte ein Neubau erstellt werden, welcher den Bedürfnissen alt gewordener psychisch Kranker sowie verhaltensaufälliger Demenzkranker entspricht. Das Konzept für den Entwurf wurde in enger Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegern des ZfP erarbeitet.
Lage und Organisation
Das flache Gebäude liegt in den Park der Weissenau eingebettet unter alten Bäumen. Obwohl die Einrichtung als geschlossene Station geführt wird, war es uns wichtig, nie das Gefühl des Eingesperrtseins bei den Bewohnern entstehen zu lassen. Deshalb sind die Patientenzimmer außen angeordnet mit Blick in den Park. Die Gebäudeorganisation ist jedoch stark auf das Zentrum ausgerichtet. Dabei entstehen Abstufungen zwischen Gemeinschaft und Intimsphäre. Das Zentrum bildet der von oben belichtete Gemeinschaftsbereich. Hier befindet sich der Aufenthaltsbereich mit den offenen Küchen. Daran angeschlossen sind zwei Innenhöfe, die den Bewohnern einen ungezwungenen Zugang zum Freien bieten und auch für therapeutische Zwecke genutzt werden. In der Nähe des Gemeinschaftstraktes sind Funktionsbereiche angebracht, die für jeden Patienten und die Mitarbeiter leicht zu erreichen sind. Um dieses Zentrum ist ein Rundgang angeordnet, welcher die Zimmer erschließt und den Bewohnern die Möglichkeit für spontane Gespräche bietet. Wie reizvoll die Kurven eines Flures sein können spürt man hier. Man sieht zur einen Seite die schräg angeschnittenen Nischen der paarweisen Zimmertüren und erlebt ihre Tiefe beim Vorbeilaufen in sich ständig ändernder Perspektive. Die Umgebung erscheint weitläufig anregend und überschaubar. Die Nischen vor den Zimmern wirken dabei als Schwelle zwischen privat und öffentlich. Die Intimsphäre wird dadurch gestärkt.
Allgemeines und Konstruktion
Das Gebäude wurde in nur 12 Monaten erstellt. Dies wurde vor allem durch sehr detailgenaue Planung und einen dadurch ermöglichten hohen Anteil an vorgefertigten Bauteilen erreicht. So sind zum Beispiel alle Sanitärzellen als Betonfertigboxen ausgebildet und wurden fertig installiert angeliefert und zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf der Rohdecke montiert. Das Betondach des Aufenthaltsbereichs hat eine Spannweite von 13 Metern bei einer Stärke von nur 22 cm. Die Zugkräfte werden dabei von einer, mit der Bewehrung der Stahlbetondecke verbundenen Unterspannung aufgenommen, die Druckkräfte übernimmt die Betondecke. Es wurde ein Flächentragwerk mit einem Linientragwerk kombiniert. Trotz dieser zunächst aufwendig erscheinenden Bauweise konnten die Kosten gegenüber einer konventionellen Betondecke mit Unterzügen niedriger gehalten werden.
Umweltbewusstsein und Wärmeversorgung
Umweltschonung
Der Baukörper fügt sich in das bestehende Ensemble ein. Der schöne alte Baumbestand der parkartigen Anlage konnte durch die Art und Weise, wie unser Gebäude platziert wurde, bis auf geringe Eingriffe unangetastet bleiben.
Ausnutzung vorhandener Kapazitäten
Der Stationsneubau verfügt über kein eigenes Heizsystem. Die gesamte Wärmeversorgung wird vom zentralen Heizkraftwerk der Gesamtanlage geleistet. Somit wird der Wirkungsgrad des bestehenden Heizkraftwerks nochmals verbessert.
Ökologie
Die Bauteile des Gebäudes haben eine vorzügliche Wärmedämmung U-Wert im Mittel 0,25. Alle Dächer sind zusätzlich zur Wärmedämmung mit einem Gründach versehen mit den üblichen Vorteilen wie geringe Temperaturunterschiede an der Dachhaut sowie in den Bauteilen. Sämtliche Dachbauteile sind aus Betonhalbfertigteilen und ergänzen somit in idealer Weise durch ihre Speichermassen die positiven Effekte der Dachbegrünung. Die Außenwandkonstruktion der Patientenzimmer wurde als hochwärmegedämmte vorgefertigte Holz-Ständer-Konstruktion ausgeführt. Somit wurde eine bewusste Kombination von Bauteilen mit hoher Speichermasse wie Dachbauteile und Schotten und Bauteilen mit extrem hoher Wärmedämmung wie die Außenwände gewählt. Durch das 1,60 Meter auskragende Dach wird die hochstehende Sommersonne von den Bewohnerzimmern abgehalten und der erwünschte passive Wärmegewinn im Frühjahr, Herbst und Winter kann genutzt werden. Somit wird eine übergroße Aufheizung in den Sommermonaten durch eine natürliche und kostengünstige Verschattung vermieden. Durch die zweiflüglige, raumhohe Verglasung der Patientenzimmer bekommen die "kleinen" Zimmer eine üppige natürliche Belichtung und wirken somit wesentlich größer. Soweit es möglich war, wurde Vollholz, Glas und Beton naturbelassen als Baustoff verwendet, zum Beispiel Eiche Industrieparkett, Holz-Alu-Pfosten-Riegel-Fassade.
Gebäudeinstallation
Ein gemeinsamer, öffenbarer Bodenkanal bedient sowohl die sanitären wie auch elektrischen Versorgungsleitungen. Die vertikale Leitungsführung verläuft in einem gemeinsamen Schacht zwischen den vorgefertigten Nasszellen, diese haben jeweils eine abgeschrägte Ecke, woraus sich der Kanal ergibt. Dieser Kanal wird mit einem öffenbaren Akustikpaneel verschlossen. Das ganze Kanalsystem ist vertikal und horizontal öffenbar, Wartung und Nachrüstung ist somit ohne bauliche Maßnahmen jederzeit möglich.

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-140
Fax: 0711 / 2196-201
mundorff@akbw.de

Jutta Ellwanger
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-142
Fax: 0711 / 2196-201
ellwanger@akbw.de

Dr. Marc Hirschfell
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-117
Fax: 0711 / 2196-201
hirschfell@akbw.de