Vorgeschichte
Die Tennisanlage in Bad Wildbad (Nordschwarzwald) liegt im denkmalgeschützten Kurpark der Bäderstadt. Sowohl Kurpark wie Tennisanlage befinden sich im Eigentum des Landes und werden vom Staatsbad Wildbad betrieben. Die Tennisanlagen und dazugehörige Nebenanlagen werden vom Tennisverein gepachtet. Die ersten Tennisplätze in den Kuranlagen wurden schon 1902 gebaut, zu einer Zeit als der Sport in Deutschland kaum verbreitet und lediglich den Wohlhabenden vorbehalten war. 1924 wurden die Plätze durch ein Clubhaus im englischen Landhausstil ergänzt.
Im Oktober 2005 wurde das denkmalgeschützte Vereinsgebäude durch einen Brand zerstört. Das Amt Pforzheim von Vermögen und Bau Baden-Württemberg schrieb daraufhin die Neuplanung des Gebäudes aus. Das Raumprogramm teilte sich auf in Nutzungen für den Tennisbetrieb und eine Gaststätte für die Öffentlichkeit. Für die Nutzung durch die Tennisspieler waren Umkleiden, Sanitärbereiche, Trainerraum und Nebengebäude zur Lagerung von Tennisutensilien vorzusehen. Die Gaststätte gliederte sich auf in Gastraum, Küche, Personalraum, Trockenlager, Kühlzelle, Sanitärbereich und Außenlager. Die Außenanlagen im Bereich der Neubauten mussten komplett neu gestaltet werden.
Entwurfsgedanken
Der Kurpark in Bad Wildbad verläuft parallel zur Enz. Er geht zurück auf das 18. Jhd. und spiegelt den früheren Stellenwert der traditionsreichen Bäderstadt wider. Der alte Baumbestand, die Enz, historische und moderne Bauwerke im Parkgelände machen den Park zu einem der schönsten Kurparkanlagen Deutschlands. Die Tennisanlage liegt am Ende des Kurparks, begrenzt durch die Kuranlagenallee und die Enz.
Die Entwurfsidee entwickelte sich aus der landschaftlich einmaligen Umgebung, dem Raumprogramm und der temporären Nutzung im Sommer und den Übergangszeiten. Die Aufgabe sollte in einer modernen Architektursprache umgesetzt werden.
Die unterschiedlichen Nutzungen wurden aufgeteilt in Einzelbaukörper. Dadurch war es möglich die Verkehrsflächen nach außen zu legen, so dass in den Baukörpern nur notwendige Nutzflächen untergebracht sind. Aufgrund des sehr geringen Budgets musste das Projekt auch hohe wirtschaftliche Anforderungen erfüllen.
Baukörper und Verkehrsflächen werden durch eine große umlaufende Terrassenebene gefasst und dadurch gleichzeitig zu den Parkflächen abgegrenzt. Das Gebäude steht wie auf einer Insel in der Parkfläche. Durch die unmittelbare Nähe zur Enz liegt das Gebäude im Hochwassergebiet. Die aufgrund dieser Tatsache notwendige Höhenlage unterstützt den Eindruck, dass die Anlage aus dem Park herausgehoben ist.
Zusätzlich gefasst werden die Baukörper durch das weit auskragende Dach des Hauptbaukörpers. Das Dach bietet Schutz im Bereich der Terrassenfläche vor der Gaststätte und überdacht gleichzeitig die Verkehrsflächen um das Gebäude. Dadurch ist gewährleistet, dass sämtliche Nutzungen geschützt vor Regen erreicht werden können. Als Baustoff für Konstruktion und Fassaden sollte der Werkstoff Holz dienen, dem traditionellen Baustoff im oberen Enztal.
Konstruktion und Materialien
Traditionell wird seit Jahrhunderten im Nordschwarzwald der Baustoff Holz erzeugt und verarbeitet. In Wildbad und den Nachbargemeinden gibt es noch zahlreiche alte Gebäude die mit Holzschindeln verkleidet sind. Die Ausführung als Holzbau liegt somit nahe. Die Außenwände wurden in Holzrahmenbauweise mit einer innenliegenden Installationsschale ausgeführt. Die Fassade des Pavillonbaus besteht aus einer offenen Leistenschalung aus unbehandelten Lärchenholzlamellen. Die Glasfassade des Pavillons wurde aus Kostengründen als Fensterkonstruktion ausgeführt. Sämtliche Holzprofile sind grau lackiert. Die Fassade des Umkleidetraktes besteht aus einer geschlossenen Schalung aus Tanne-Profilhölzern. Die Schalung wurde mit einer deckenden Lasur behandelt.
Die Lagergebäude wurden mit einem einfachen, ungedämmten Holzrahmenbau ausgeführt. Als Bekleidung kam ebenfalls eine unbehandelte Lärchenschalung zur Ausführung. Sämtliche Dächer sind als Flachdächer ausgeführt.
Eine Sonderkonstruktion stellt der umlaufende weit auskragende Dachflügel des Pavillonbaus dar. Die Konstruktion wurde zimmermannsmäßig aus Rahmenhölzern und 3-Schichtplatten ausgeführt.
Im Innenausbau wurde ebenfalls auf eine kostengünstige Ausführung wert gelegt. Sämtliche Innenverkleidungen erfolgten in Gipskarton. Die Oberflächen wurden gespachtelt und gestrichen. Die Böden wurden in Sichtestrich, in den Nassbereichen und der Küche in Fliesen ausgeführt.
Das Farbkonzept des Tennishauses bezieht sich auf die Umgebung des Gebäudes. Die orangefarbene Fassade steht für die roten Sandplätze. Das Grün des Gastraumes nimmt die Farbe der Wiesen und Blätter auf und entspricht der Vereinsfarbe. Die Holzfassaden der Nebengebäude wurden unbehandelt ausgeführt. Die vergrauenden Fassaden werden sich nach und nach den Farben der Natur anpassen und somit in ihrer Wirkung in den Hintergrund treten.
Planungs- und Bauzeit: April 2006 bis April 2008
Flächen laut DIN 277:
NFG Gebäude: 402 m²
BGF Gebäude: 320 m² ohne überdachten Freiflächen
BRI Gebäude: 1.175 m³ ohne überdachten Freiflächen
Kosten nach DIN 276 Kostenanschlag
KG 200 Herrichten und Erschließung: 25.500 €
KG 300 Baukonstruktion: 358.000 €
KG 400 Technische Anlagen: 102.000 €
KG 500 Außenanlagen: 106.000 €
KG 700 Baunebenkosten: 120.500 €
Gesamtkosten brutto: 712.000 €

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