Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Pforzheim und Enzkreis 1995 - 2004"

Umbau- und Erweiterung Kindergarten Villa Emrich

Schulerweg 1
75417 Mühlacker

Architekt:
Fauth + Hettmanczyk, Mühlacker Außenanlagen: Rüdiger Stahl, Pforzheim, in Zusammenarbeit mit den Tiefbauamt der Stadt Mühlacker
Bauherr:
Stadt Mühlacker
Begründung der Jury:
Die Firmengeschichte hätte eine museale Nutzung der Villa nahe gelegt; sie als Kindergarten zu nutzen zeugt von Zuversicht und Hoffnung. Mit dem Ergänzungsbau wird auf dem schwierigen Gelände mit großem Höhenunterschied alles angeboten, was von einem Kindergarten heute erwartet wird. Der Altbau ist damit von größeren, sonst erforderlichen Eingriffen in allen wesentlichen Bereichen entlastet. Der Wechsel von gleichrangig qualitätvollen alten und neuen Räumen wird die Phantasie der Kinder anregen. Dabei überzeugt besonders die Gestaltung der räumlichen Fuge zwischen Villa und Neubau.

Objektbeschreibung:

Tragwerksplanung: Ingenieurbüro J. Sommer, Mühlacker
Heizung/Sanitär: Ingenieurbüro Klenert, Karlsruhe
Elektrotechnik: Ingenieurbüro Stoll + Partner, Wiernsheim

Im Zuge einer innerstädtischen Quartiersanierung eines aufgegebenen Fabrikgeländes fiel der Stadt Mühlacker Mitte der 1990er Jahre eine ehemalige unter Denkmalschutz stehende Fabrikantenvilla zu. Alfred Emrich erbaute die Villa zu Beginn des 20. Jh. auf seinem Fabrikgelände in Bahnhofsnähe. Emrich war Jude, sein unternehmerisches Wirken war von hoher sozialer Verantwortung geprägt gegenüber Mitarbeitern und seiner Heimatgemeinde. Im Dritten Reich wurde Emrich und seine Familie nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Nach dem 2. Weltkrieg, ein einheimisches Unternehmen hatte das Areal erworben, war die Villa Wohnhaus, dann Repräsentationsgebäude und zuletzt leerstehend, An- und Umbauten in den 60 Jahren verunstalteten das Gebäude.

Die Villa mit Erdgeschoss (Wirtschaftsräume) - Obergeschoss (Wohnräume) - Dachgeschoss (Personal) war entsprechend ihrer Nutzung im Innenausbau unterschiedlich ausgestaltet. Eingangsbereich/Treppenhaus und Obergeschoss waren für die damalige Zeit von hohem handwerklichen Standard geprägt, ebenso die Haustechnik. Im Gebäude war eine der wenigen Zentralheizungsanlagen in der Gemeinde installiert.

Die Stadt Mühlacker entschloss sich den Versuch zu wagen in diesem historischen und geschichtsträchtigen Gebäude einen Kooperationskindergarten gemeinsam mit der Lebenshilfe Vaihingen/Mühlacker mit insgesamt 3 Regelgruppen und einer Gruppe für behinderte Kinder zu realisieren.

Planungsziel war

  • in der Villa unter Beibehaltung der räumlichen Struktur und der unterschiedlichen historischen Ausbaustandards die drei Regelgruppen unterzubringen.
  • in einem separaten Anbau, über einem alten Gewölbekeller, die Räume für die Gruppe der behinderten Kinder zu errichten.

In der Planungsphase wurden seitens des Auftraggebers erhebliche Kostenreduktionen gefordert und durchgesetzt.

Durch die Lage des zu überbauenden Gewölbekellers ist der Anbau gegenüber der Villa leicht gedreht, die entstehende Fuge ist begrenzt durch einen restaurierten Laubengang und durch die Brücke die Alt- und Neubau verbindet. Der so entstehende Hof im EG ist Freifläche für eine Regelgruppe des Altbaus. Die Haupterschließung erfolgt über den Anbau, die 3 Ebenen der Villa sind über das restaurierte Treppenhaus untereinander verbunden. Formensprache und Materialität der Villa werden farblich unterstützt, der Anbau in der "Sprache" der heutigen Zeit ordnet sich in Form und Farbe dem historischen Gebäude unter. Die Frei- und Außenflächen, auf engem Grundstück, berücksichtigen die hängige Geländesituation. Höhenmäßig differenzierte Freibereiche ermöglichen auch im Freibereich eine separate Gruppenarbeit.

Fotograf:
Bernhard Friese

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19.04.2011

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