Das 1925 entstandene städtebauliche Ensemble von Schule und Turn- und Festhalle wurde nach dem Gedankengut des Deutschen Werkbundes und den Einflüssen der Gartenstadtidee konzipiert. Traditionelle Handwerkskunst wurde verbunden mit einer "romantisierenden" Architektursprache. Die damals vorwiegend zu sportlichen Nutzungen konzipierte Halle wurde wie ein Organismus aufgebaut.
Durch die Addition von Räumen um den eigentlichen Saal mit unterschiedlichen Größen und Dachformen entstand ein Gebäude mit unverwechselbarem Charakter.
Verputzte Mauerwerkswände mit tiefen Fensterleibungen, Parkettböden und Holzverkleidungen an den Wänden bestimmten die Raumqualitäten.
In den 70er Jahren wurden Eingriffe vorgenommen, welche die ursprünglichen Qualitäten stark beeinträchtigten.
Unsere Konzeption sah vor, die Halle auf die neuen Nutzungsanforderungen hin behutsam zu modernisieren. Die Eingriffe wurden bewusst mit Gestaltungsmitteln und Techniken aus heutiger Zeit vorgenommen.
Markant ist die neue Zugangssituation mit einer einladenden Treppen-/Rampenskulptur aus schwarzem Beton, die im Abstand von drei Metern vor dem Gebäude platziert wurde.
Ein Ganzglas-Windfang zwischen Rampe und Gebäude führt die Besucher in das Foyer. Integrierte Beleuchtungselemente in den Treppen und Lichtstelen parallel zur Rampe sind wegbegleitend eingesetzt.
Im Foyer ist durch das Entfernen der nachträglich eingebauten Galerie der gesamte Saalquerschnitt erlebbar. Ein frei eingestellter Baukörper zwischen Foyer und Saal schafft die notwendige Trennung. Funktional nimmt dieser Baukörper den Regieraum und eine ausziehbare Tribüne zur Verbesserung der Sichtbezüge zur Bühne auf. Zum Foyer hin zeichnet sich der Treppenlauf zum Regieraum ab. Unter diesem Treppenlauf wird der Weg zum unteren Foyer inszeniert. Die Behandlung der Oberflächen in Spachteltechnik verstärkt die skulpturale Ausbildung des Objekts.
Bei der Gestaltung des Saals wurden Themen des Originalzustandes aufgegriffen und in neuer Formensprache übersetzt. Die ursprünglich vorhandenen Holzlamberien wurden zur Verbesserung der Raumakustik wieder eingesetzt. Holzpaneele bis zu einer Höhe von 3.20 m sorgen in Verbindung mit dem dunkelroten Parkett für eine warme und festliche Atmosphäre. Türen und Faltwände sind in den Wandelementen integriert.
Die Wiederherstellung der Oberlichter und die zusätzlichen Rundbogentüren zur neu gestalteten Terrasse bringen zusätzliches Tageslicht in den Saal. Durch die neu interpretierten "Kronleuchter" in Schalenform können unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugt werden.
Die Bühnentechnik wurde komplett erneuert und auf den heutigen Stand der Technik gebracht. Dies gilt ebenfalls für die gesamte Haustechnik. Die Technikräume sind dezentral im Keller und im Dachstuhl verteilt.
Bei der Sanierung des Bestandes waren aufwändige konstruktive Maßnahmen zur Erhaltung der Halle notwendig.
Fachplaner
Tragwerk: Ingenieurgesellschaft mbH Fischer + Leisering, Konstanz
HLS: Ingenieurbüro S. Lang, Ravensburg
Elektro: Stromlinie Lichtdesign Mahler, Konstanz
Bauphysik: ITA Ingenieurgesellschaft GmbH, Wiesbaden

Carmen Mundorff
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