Bestandsanalyse
Die in den 1960er Jahren als Mehrzweckhalle erbaute Stadthalle konnte in ihrem vorigen Zustand nicht mehr als Rahmen für kulturelle Veranstaltungen genügen. Insbesondere die Bereiche Foyer, Empore und Garderobenanlagen sowie der komplette Bewirtungsbereich wurden den Ansprüchen nicht gerecht.
Die Lage der Stadthalle in der Nachbarschaft zum Herrenhaus und den Schulen sowie ihre städtebauliche Bedeutung als Endpunkt des öffentlichen Weges von der Ortsmitte über den westlich angrenzenden Grünbereich war grundsätzlich gut und konnte nun durch innen- und außenräumliche Dispositionen wesentlich verbessert werden.
Idee und Konzept
Der Hauptbaukörper mit Saal und Bühne wurde im Wesentlichen in seiner Grundkonzeption übernommen, saniert und hochwertig ausgebaut. Der Eingangsbereich mit Foyer und Empore wurde bis auf das Untergeschoss abgebrochen und auf den vorhandenen Fundamenten völlig neu aufgebaut. Dieser neue Eingangsbereich, der eine Erweiterung in Richtung des Parks erfährt, signalisiert das Neue - die Transformation der Stadthalle zu einem anspruchsvollen, kulturellen Bauwerk. Der Mehrzweckcharakter des Gebäudes wird durch ein neues festliches Erscheinungsbild aufgehoben.
Umsetzung und Funktionalität
Der neue Eingangsbereich ist auf Platzniveau barrierefrei abgesenkt und wird als Pendant zum Herrenhaus verstanden.
Auf dem Weg zum Saal erreicht man halbgeschossig versetzt Garderobe und WC-Anlagen oder das erweiterte Foyer mit Blick in den neuen Stadthallenpark. An zentraler Stelle sorgt ein Aufzug für Barrierefreiheit: Saal, Empore, Garderobe und WC-Anlagen sowie Musik- und Gymnastikbereich sind behindertengerecht erschlossen.
Über das westlich in den Park geschobene Foyer erreicht man den unterteilbaren Saal. Dieser Bereich kann sowohl dem Saal für Großveranstaltungen zugeschaltet als auch getrennt für kleinere Veranstaltungen (Altennachmittage, Ausstellungen etc.) genutzt werden.
Der Theken- und Küchenbereich wurde so konzipiert, dass für die unterschiedlichsten Nutzungsarten und Raumteilungen von Saal und Foyer eine störungsfreie Bewirtung gewährleistet ist.
Um dem Saal eine bessere Proportion und der Akustik eine gute Ausgangsbasis zu schaffen, wurde die Länge der Halle von bisher 30 m auf 25 m reduziert. Den Flächenverlust kompensieren die Empore und die Zuschaltbarkeit des Foyerbereiches, so dass die Kapazität für eine reine Bestuhlung 600 bis 750 Sitzplätze beträgt und bei einer Möblierung mit Tischen ca. 450 bis 550 Plätze geschaffen werden können.
Die Bühnenöffnung wird von bisher 8,00 m auf ca. 10,50 m erweitert. Das seitlich angelagerte Stuhllager und die Requisite bleiben weitgehend unverändert. Die Verbindung vom Bühnenbereich in das Untergeschoss wird neu gestaltet. Der Sanitärbereich kann sowohl als Umkleide für den Gymnastikraum wie auch als Künstlergarderoben verwendet werden.
Erscheinungsbild und Materialität
Der Anspruch an das Erscheinungsbild wird durch die neue Aufgabe des Gebäudes begründet. Dabei muss die Nutzung Kultur angemessen in Erscheinung treten. Während der Saal mit Bühne als geschlossener Baukörper konzipiert wurde, bezieht der Bereich Foyer durch seine Transparenz den Platz und den neu gestalteten "Stadthallenpark" optisch mit ein. Insbesondere der Park mit Holzpodesten und Wasserbecken etc. wertet die Nutzung der Stadthalle räumlich und atmosphärisch auf.
Der Saalinnenraum erhielt in der Kombination Farbe und Material (Holz) eine eigene Identität. Über das neu angebaute Foyer wurde mit viel Glas die Verbindung zum vorgelagerten Grün hergestellt und mit dem Material Kupfer die Verwandlung von einer Sporthalle zur Stadthalle im Außenraum dokumentiert.

Carmen Mundorff
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