Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Karlsruhe 1995 - 2005"

Wohnhaus

Osterroder Straße 9
76139 Karlsruhe

Architekt:
Meixner Schlüter Wendt Claudia Meixner, Florian Schlüter, Martin Wendt Frankfurt am Main mit Walter Ziser, Karlsruhe
Bauherr:
Dr. Insa und Theo Schlüter, Karlsruhe
Begründung der Jury:
Der Kubus mit grauem Mantel und Einfräsungen in eine helle Kernmasse für Loggia, Terrasse und Eingangsbereich erzeugt eine spannende Raumsituation, die durch die Wechselwirkung mit dem Sonnenlicht noch gesteigert wird. Individuelle Anforderungen an das Wohnen und die Funktionen konnten in diesem Rahmen harmonisch eingebettet werden. Klare Konturen, die im Grundriss auch bei Abweichungen von der sonst vorhandenen Orthogonalität nicht verloren gehen, schaffen ein Wohnhaus besonderen Typs, in dem das Leben Freude macht.

Objektbeschreibung:

Die Aufgabe bestand in der Planung eines Wohnhauses für eine Familie mit vier Kindern in ausreichender Größe auf einem großzügigen Grundstück. Das Grundstück liegt in der "Waldstadt" in Karlsruhe - eine Wohnsiedlung aus den 1960iger Jahren, die vollständig in einen Kiefernwald integriert ist. Die direkte Umgebung ist geprägt von Kiefern, großen Grundstücken und heterogenen Einfamilienhäusern.

Das Konzept sieht eine "akzentuierte Beziehung" des bearbeiteten architektonischen Raumes/Masse (Wohnhaus) mit dem offenen, natürlichen Raum (Kiefern/Garten) vor. Vorbild ist die Beobachtung dieser "akzentuierten Beziehung" bei Steinbrüchen und sich "auflösenden Gebäuden". Entsprechend dieser selbstverständlichen Raumprozesse wird eine monolithische, architektonische Masse subtrahiert. Dabei entstehen offene Zwischenraumbereiche (Loggia/Terrasse und Eingangsbereich) - diese Zwischenraumbereiche setzen sich im Innenraum fort. Es entsteht ein wechselseitiger Raumfluss von außen und innen. Durch die Transformation eines alltäglichen Prinzips wird das Wechselspiel von Masse und Raum - insbesondere Raum als weggenommene Masse wahrnehmbar. Die merkwürdige Verschränkung des ursprünglich isolierten Objektes mit dem landschaftlichen Unraum wird spürbar.

Die tatsächliche Form des Gebäudes ist aus den individuellen Anforderungen und Zuordnung der Funktionsbereiche, aus der Konstruktion und aus der Belichtung entwickelt. Durch die Form des Gebäudes wie z.B. durch die Überdachungen der Loggienbereiche wird der Lichteinfall im Tages- und Jahresverlauf gesteuert. In den Übergangszeiten Herbst und Frühjahr mit niedrigen Sonnenständen scheint die Sonne in die Wohnbereiche. Im Sommer wird die Sonneneinwirkung durch die Baukörperstruktur von den Innenräumen ferngehalten - auf Sonnenschutz und Kühlung kann verzichtet werden.

Das Tragwerk ist als Mischkonstruktion aus Stahlbeton und Mauerwerk geplant und ausgeführt. Die Oberfläche ist mit einem Feinputz/Anstrich hergestellt. Alle Details an Anschlüssen wie Attikablechen, Fensterbänken, Fensterlaibungen und Türen sind als oberflächenbündige Details ausgeführt. Die Blendrahmen der Fenster sind "eingeputzt". Der Putz bietet die Möglichkeit eine homogene, fugenlose, abstrakte Oberfläche zu schaffen, die durch das Farbkonzept differenziert gestaltet werden kann. Das Prinzip der Subtraktion wird verdeutlicht durch den starken farblichen Kontrast einer dunklen Mantelfläche une einer hellen Kernmasse.

Fotograf:
Christoph Kraneburg

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19.04.2011

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