Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Ravensburg 2003 - 2010"

Wohnhaus mit Büro

Vorsee 2
88284 Wolpertswende

Architekt:
Andreas Hack Aulendorf
Bauherr:
Sabine Hausmann, Wolpertswende
Begründung der Jury:
Das trapezförmige Grundstück wurde sehr durchdacht und raffiniert bebaut: Eine Rampe verbindet das an der Straße liegende "Büro"-Haus inklusive Garage geschickt mit dem "Wohn"-Haus, in dem man einen wunderbaren Ausblick auf die oberschwäbische Landschaft genießt. Dazwischen lädt ein schöner Innenhof zum Verweilen ein. Nur wenige Materialien prägen dieses Haus und geben ihm Ruhe und Gelassenheit. Ein qualitätvolles Wohnhaus, das zudem den Ortsrand harmonisch abrundet.

Objektbeschreibung:

eine erläuterung

ort eine baulücke zwischen strasse und freier landschaft am ortsausgang, blick auf vorsee, schreckensee und höchsten.
grundstück ausnehmend schön, trichterförmiger zuschnitt. es öffnet sich von der strasse im osten zur freien landschaft im westen und wird auf beiden längsseiten von zwei dicht bewachsenen grundstücken begrenzt. das grundstück fällt zur landschaft hin um 1,50 m ab.
position gebäude einem propfen ähnlich sitzt das gebäude auf dem grundstück. das bauwerk wurde so weit von der strasse richtung westen verschoben, bis die ostfassade breit genug war, um die garage und einen angemessenen zugangsbereich realisieren zu können. im westen reicht es bis zur baugrenze.
organisation das gebäude besteht aus drei teilen, einem "vorderhaus", einem "hinterhaus" und einer rampe, welche beide häuser verbindet. die drei baukörper sind um einen patio gruppiert. dieser innenhof ist das zentrale element des gebäudes und ermöglicht trotz schwierigem grundstückszuschnitt und umgebender bepflanzung eine angemessene belichtung. aufgrund der höhensituation sind vorder- und hinterhaus um ein halbes geschoss versetzt. dieser höhenunterschied wird durch die rampe überwunden.
gestalt gebäude die gebäudeform ist nicht beliebig, sie ist vielmehr folge des grundstückszuschnitts und der vorgegebenen baugrenze richtung westen sowie der topographischen situation.
nutzungsverteilung vorderhaus erdgeschoss: garage sowie eingangsbereich als zentraler verteiler des gesamten gebäudes. obergeschoss: bürobereich mit blick zum vorsee, in den innenhof und in die benachbarten baumkronen. untergeschoss: keller- und nebenräume, durch höhenversatz zu hof entstehen ungeahnte ausblicke durch den wohnbereich hindurch in die freie landschaft. rampe verbindung beider häuser, sanfte überwindung des höhenversatzes. verborgen hinter der begleitenden wandverkleidung befinden sich garderobe, wc, speisekammer und treppe ins og hinterhaus. hinterhaus erdgeschoss: durchgehende raumsequenz mit unterschiedlichen zonen für ess-, wohnbereich und küche. beide längsseiten, zur landschaft und zum innenhof hin, sind komplett verglast. je nach lichteinfall, witterung und jahreszeit bildet der wohnbereich einen eigenständigen teil zwischen den freiräumen, ist teil des einen oder anderen oder bildet eine verbindung zwischen beiden. eine treppe am ende des wohnbereichs stellt eine zweite verbindung zum obergeschoss dar. hier befinden sich die individualräume – kinderzimmer, schlafzimmer und bad, alle mit einer großartigen aussicht bis zum schreckensee und höchsten.
konstruktion das gesamte gebäude ist eine stahlbetonkonstruktion.
materialität innen der beton wurde zu großen teilen sichtbar belassen und bestimmt die atmosphäre der räume. fussböden aus stein bzw. zementärer spachtelung komplettieren diesen charakter. die türen sind aus schwarz gebeiztem holz, die einbaumöbel sind ebenso aus holz, hier jedoch nur versiegelt, um die warmen töne der holzarten zu belassen. eine ausnahme stellen die individualräume dar. diese sind komplett in weiss gehalten.
materialität aussen die fassaden zur strasse, nordseite und landschaft wurden mit holz verkleidet, um den baukörper in die landschaft mit ihren typischen holzbauten zu integrieren. kontrastierend hierzu wurde der innenhof abstrakt in weiss gehalten, um seine eigenständigkeit gegenüber der umgebung aufzuzeigen.
atmosphäre durch die organisation um den innenhof herum entstehen vielfältige blickbeziehungen zwischen den einzelnen gebäudeteilen, grenzen zwischen innen und aussen werden aufgehoben. der versatz der einzelnen baukörper verstärkt dies noch, es entsteht eine sehr dichte atmosphäre, aufgeladen durch das überraschungsmoment der natur. das haus ist den jahreszeiten und den wetterphänomenen extrem ausgesetzt und bindet diese in die architektur mit ein.
aussenanlagen das gebäude teilt das grundstück in ein "vor" und ein "hinter" dem haus. der hofbereich vor dem haus wird von einer bis zur strassenseite reichenden kiesfläche als nutzfläche bestimmt, ein direkt aus dem kies wachsender acer negundo soll zukünftig die fläche schirmartig definieren. der gartenbereich hinter dem haus, zur landschaft hin, besteht aus einer kiesfläche als terrasse und einer anschliessenden rasenfläche. der übergang zur angrenzenden weidefläche für kühe ist fliessend. die seitlichen durchgänge zwischen hof und garten wurden unterschiedlich gestaltet. hier wurden lediglich die kanten geschärft, atmosphären verdichtet und die übergänge zwischen den bereichen definiert. poesie entsteht durch kleine, gezielte eingriffe, die im laufe der jahreszeiten erscheinen und verschwinden. beispiel: entlang der südseite sind auf einer schnurgeraden linie von der strasse bis in die freie landschaft hinein mehrere hundert crocus albiflorus und colchicum automnale gepflanzt, welche im frühjahr und herbst ihre vergängliche wirkung entfalten. der innenhof wurde mit verschiedenen acer bepflanzt, diese definieren durch ihre position, ihre form und ihre wuchshöhe unterschiedliche bereiche innerhalb des raums. allen gemein ist, dass sie zu einer bestimmten jahreszeit eine rote färbung annehmen und so den eigenständigen charakter des patios gegenüber der umgebenden bepflanzung betonen.

Fotograf:
nam architekturfotografie | norman a. müller

Zurück zur Suchseite

19.04.2011

Ihre Ansprechpartner

Carmen Mundorff

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-140
Fax: 0711 / 2196-201
mundorff spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Jutta Ellwanger

Jutta Ellwanger
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-142
Fax: 0711 / 2196-201
ellwanger spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Dr. Marc Hirschfell

Dr. Marc Hirschfell
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-117
Fax: 0711 / 2196-201
hirschfell spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Alles zum Beispielhaften Bauen


Aktuelle Ergebnisse in Kurzform, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.

mehr

Vorschau 2012 für Beispielhaftes Bauen


Im Jahr 2012 finden wieder sechs Auszeichnungsverfahren in Baden-Württemberg statt.

mehr

IFBau Fortbildungsprogramm


Seminar-Suche

mehr

Auslobung Dr. Ursula Broermann-Preis 2012

Auslobung Dr. Ursula Broermann-Preis 2012

In diesem Jahr lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg und der Dachverband Integratives Planen und Bauen e.V. (DIPB) den Dr. Ursula ... mehr

Keine kurzlebigen Moden

Keine kurzlebigen Moden

Architekturinteressierte haben die Wahl zwischen 41 verschiedenen Touren im Land. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, raten wir zu ... mehr

Tag der Architektur

Tag der Architektur

Architektur hautnah erleben - das können  Architekturinteressierte bei kostenlosen und fachkundig ... mehr

Auslobung Beispielhaftes Bauen Bodenseekreis 2006-2012

Auslobung Beispielhaftes Bauen Bodenseekreis 2006-2012

Auf der Suche nach beispielhafter Alltagsarchitektur führt die Architektenkammer das Auszeichnungsverfahren Beispielhaftes Bauen zusammen ... mehr

Auslobung Beispielhaftes Bauen Landkreis Lörrach 2003-2012

Auslobung Beispielhaftes Bauen Landkreis Lörrach 2003-2012

Bis zum 25. Juni 2012 können Sie beim Auszeichnungsverfahren Beispielhaftes Bauen mitmachen und Ihre Arbeiten im ... mehr

sonstige Veranstaltungen

01.03.2012 - 20.05.2012 | München
John Pawson

02.03.2012 - 28.05.2012 | Ulm
Hans-Dieter Schaal: Denkgebäude (mit Mond)

03.03.2012 - 26.08.2012 | Riegel am Kaiserstuhl
Le Corbusier & André Evard. Vom Jugendstil zur Moderne