Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Karlsruhe 1995 - 2005"

Wohnhaus mit Einliegerwohnung


76227 Karlsruhe

Architekt:
Henning M. Baurmann Karlsruhe Landschaftsarchitektin: Katrin Lesser, Berlin Bauleitung: Eberhard Jungmann, Karlsruhe
Bauherr:
privat
Begründung der Jury:
Trotz seiner langgestreckten Form integriert sich das Zweifamilienhaus wie selbstverständlich in das stark durchgrünte Wohngebiet. Dies gelingt durch die Homogenität bei den Materialien und die klare Gliederung der Fassaden. Ohne aufdringlich zu wirken, wird so die großzügige Grundrissdisposition in ihrer Logik nach außen getragen. Diese vornehme Zurückhaltung setzt sich auch in der Gestaltung der Außenanlagen fort.

Objektbeschreibung:

Planung: 2002-2003
Realisierung: 2003-2004
Wohnfläche: 580 qm netto
Nutzfläche: 835 qm netto
Rauminhalt: 3.300 cbm brutto
Grundstück: 1.920 qm

Mitarbeit: Joachim Hakenjos, Alexander Huhle, Judith Lindenmann
Statik: Siegfried Lang, Landau
Haustechnik: SEF Ingenieure, Karlsruhe
Elektroplanung: HF-GmbH, Karlsruhe
Materialien: Torfbrandklinker, Eichenholz, Granit, Kalkputz


Das Wohnhaus für eine Familie mit integrierter Wohnung für die Eltern befindet sich auf einem Grundstück mit altem Baumbestand. Der Bauherr legte großen Wert auf eine zurückhaltend-moderne, klare Formensprache, großzügige, funktional optimierte Räume und eine enge Verzahnung von Innen- und Außenraum.

Das Äußere des langgestreckten, zweigeschossigen Baukörpers lässt nur wenige Rückschlüsse auf die innere Organisation zu. Ein großer Vorplatz schafft Distanz zur wenig befahrenen Straße, auch ohne Zaun und Abstandsgrün. Das Erdgeschoss öffnet sich durch einen Rücksprung im Baukörper, hinter dem Windfang, Garage und Fahrradraum liegen. Seitlich dieses Vorbereichs ist das Grundstück durch eine bereits vor dem Bau existente, partiell ergänzte Mauer gefasst. Der rechte, kürzere Teil des Riegels nimmt die Gästewohnung mit Schlafzimmer, Wohnküche und eigener Terrasse auf. Dieser Bereich des Hauses ist schwellenfrei ausgebildet.

Das Thema der Schwelle wird bei der Annäherung an den Bau exemplarisch durchgespielt. Der Besucher, der das Haus über die eichene, in das Holzfutteral des Rücksprungs eingelassene Haustür betritt, befindet sich nach kurzem Durchgang von Windfang mit Garderobe in einer großen, zweigeschossigen Halle, die als zentraler Verteiler dient. Licht erhält dieser Bereich indirekt über eine geschosshohe, undurchsichtige Verglasung, hinter der Dachoberlichter für Tageslicht und eingebaute Linienstrahler für Kunstlicht sorgen. Hinter der filigranen, aus der Wand kragenden Treppe ins Obergeschoss liegt die Küche, die sich auf einen dreiseitig verglasten, nach Süden offenen Hof orientiert. Ihr gegenüber ist ein großer Raum als Spielzimmer mit Gartenausgang und Sichtkontakt zu den Aufenthaltsräumen für die Kinder reserviert.

Dem Essbereich ist der nordwestliche Gartenteil mit einer teilüberdachten Terrasse zugeordnet, während der ebenfalls stark verglaste Wohnraum, nur durch einen Raumteiler vom Essplatz abgetrennt, sich ganz hangabwärts nach Norden öffnet. Beide Bereiche liegen eine Stufe tiefer als die zentrale Halle und sind von ihr durch ein Band aus eingestellten Eichenholzkuben getrennt, das den Bau in seiner gesamten Länge durchzieht und Einbauschränke, Nebenräume sowie eine zweite Treppe in den Kindertrakt aufnimmt.

Dieser nimmt die östliche Hälfte des Obergeschosses ein und weist vier Zimmer, einen großen Flurbereich zum Spielen und ein Bad auf. Nach Süden, zur Straße hin, ist sein Merkmal das bandartige Kastenfenster, das die Länge der Fassade noch unterstreicht. Der Elterntrakt mit Schlaf- und Arbeitszimmer, Ankleide und umfangreichem Sanitärbereich ist sehr introvertiert gehalten und öffnet sich nur auf eine hofartig gefasste, vollständig vor Einblicken geschützte Dachterrasse. Die Belichtung erfolgt hier fast ausschließlich über Oberlichtbänder.

Die technische Ausstattung des Gebäudes ist umfangreich und orientiert sich am technischen Standard unserer Zeit. Dazu gehören die komplette BUS-Steuerung der elektrischen Installationen, eine durchgehende Niedertemperatur-Fußbodenheizung, gespeist von einer Wärmepumpe mit Erdsonden, eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, Kühldecken in allen Aufenthaltsbereichen, ein Wellnessbereich mit Whirlpools und Dampfdusche und die regelungstechnische Steuerung aller Einzelbereiche via PC.

Bautechnisch handelt es sich bei dem Gebäude um einen Massivbau mit vorgehängter Fassade aus Torfbrandklinkern, Holz-Aluminiumfenstern und einem extensiv begrünten Flachdach. Der Ausbau erfolgte mit weitgehend naturbelassenen Materialien wie Kalkputz, Eichenholz, Natursteinböden aus Granit, Stabparkett und Linoleum.

Wie das Hausinnere, so gliedert sich auch der Garten in eindeutige Funktionsbereiche wie Kinderspielplatz, Boulespielfläche, Staudengarten und verschiedene Sitzplätze. Dabei führt die strenge Abgrenzung der mit Natursteinplatten belegten Terrassen die lineare Gestaltung des Hauskörpers nahtlos fort und unterstreicht die strenge Struktur des Ensembles.

Fotograf:
Stephan Baumann/bild_raum

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19.04.2011

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