Stand der Architektenkammer auf der Intergastra
Im Rahmen der 25. Internationalen Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie Intergastra stieß am 9. Februar in Stuttgart der Kongress „Architektur für Gäste“ auf großes Interesse. Wer auf Spektakuläres in der Trendforschung hoffte, musste sich von Prof. Dr. Martin Lohmann, dem Geschäftsführer des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung aus Kiel, eines Besseren belehren lassen: Mit ca. 65 Millionen Urlaubsreisen jährlich befindet sich die Nachfrage seit 15 Jahren auf konstant hohem Niveau mit wenig Aussicht auf nennenswerten Wachstum. Auch die Rangfolge der Ziele wird sich kaum verändern. Ein Drittel der Deutschen wird weiterhin die Mittelmeerländer bereisen und ein weiteres Drittel wird sich in deutschen Gefilden erholen. Alles bleibt so wie gehabt? Mitnichten. Die Veränderung der Trends findet im Kleinen statt, die Dynamik liegt nicht im Volumen, sondern in der Struktur. Beispielsweise sind die Senioren interessant. Nicht nur mit Blick auf die Alterspyramide, vielmehr wegen ihres sich ändernden Reiseverhaltens, anderer Zielpräferenzen und Urlaubsformen. Einzigartige Erlebnisse mit persönlicher Beteiligung sind zunehmend gefragt. Ein weiteres Augenmerk gilt dem sogenannten multioptionalen Kunden, der mit hoher Kompetenz seine Entscheidungen von Urlaub zu Urlaub neu trifft, flexibel ist und Flexibilität fordert.
Genau als ein solcher Reisender entfaltete der Schriftsteller Joseph von Westphalen einen Bilderbogen persönlicher Erfahrungen, in der die Architektur gleichverantwortlich neben den klassischen Kriterien im Tourismus – wie zum Beispiel Service-Qualität, Preis-/Leistungsverhältnis, Gastronomie – zu den mehr oder weniger gelungenen Hotelaufenthalten beitrug.
Im Gespräch zwischen dem Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg, Wolfgang Riehle, und dem Präsidenten des deutschen Hotellerie- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schmid, wurde deutlich, dass wer erfolgreich am Markt agieren möchte, an die idealen hotelinternen Abläufe, die sich in der Architektur widerspiegeln, denken muss. Design und Funktionalität seien dabei zwei Seiten der selben Medaille. An ein Konferenz- oder Wellnesshotel werden andere gestalterische und funktionale Ansprüche gestellt als an ein reines Bettenhotel. Wolfgang Riehle wies darauf hin, dass nicht nur für größere Unternehmen, sondern auch für das kleine Individualhotel das Corporate Design eine entscheidende Rolle beim Markterfolg spielt. Hoteliers haben die Chance mit ihrer Architektur die Bühne für persönliche Gästegeschichten bereitzustellen. Zum Beispiel mit Themenzimmern, Design- oder Romantikschwerpunkt. Die betriebswirtschaftliche Seite stellte Klaus Fidlschuster von HOTOUR Frankfurt vor, indem er über Zielgruppen, Standort-analyse, wirtschaftliche Kennzahlen sowie die wirtschaftlichen Grundlagen für die Entwicklung einer solchen Spezialimmobilie berichtete.
Clevere Konzepte
Dass in Zeiten knapper Kassen für clevere Konzepte auch Förderungs- und Finanzierungsmittel bereitstehen, erläuterte Rosali Gohl von der L-Bank in Stuttgart. So zum Beispiel die Starthilfe Baden-Württemberg, die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung und das Tourismusförderprogramm. Ansprechpartner für die gesamte Abwicklung seien die Hausbanken, die bei Themen von der Antragsstellung bis zum Verwendungsnachweis Hilfestellung leisteten.
Anhand von fünf beispielhaften Projekten wurde der Anteil besonders qualitätvoller Gestaltung für den wirtschaftlichen Erfolg eines Hotelkonzeptes aufgezeigt. „So wie es Koch und Pâtissier braucht, ist für eine erfolgversprechende Hotelgestaltung gleichermaßen Architekt wie Innenarchitekt nötig“, meint Franz-Xaver Leonhardt vom Hotel Krafft in Basel und berichtete über die Sanierung seines Hauses, bei der die identitätsstiftenden Besonderheiten der historischen Architektur gezielt herausgearbeitet wurden. Auch im Fall des Biohotels im Apfelgarten, Kranzberg-Hohenbercha, spielte die historische Substanz eine wichtige Rolle. Sie wurde mit der modernen Architektur eines Erweiterungsbaus kontrastiert, so dass ein spannungsvolles gestalterisches Ensemble entstand, das sowohl Romantiker als auch Designliebhaber anzieht.
Dass es sich lohnen kann selbst eine abgewirtschaftete Immobilie ohne historische Besonderheiten zu reaktivieren, zeigte das Beispiel aus Trossingen. Der Landgasthof Bären konnte dank einer umfassenden Neugestaltung zu frischem Glanz und einem verlässlichen Kundenstamm gelangen. Dass es nicht immer allein auf das Hotelgebäude selbst ankommt, wird am Hotel Bleibtreu in Berlin deutlich, bei dem der Garten zum Herzstück des Betriebskonzeptes wurde. Als Skulpturengarten umgestaltet konnten so zahlreiche neue Gäste gewonnen werden. „Smart und schick, lässig und leistbar“ lautet das Motto des Hotels Daniel in Graz. Da dieses Motto von Anfang an im Mittelpunkt des Hotelkonzepts stand, fand es Eingang bereits bei der Ausschreibung für einen Architektenwettbewerb. Damit wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass schon die Gestaltung eines solchen Hotels dieser Idee Vorschub gibt.
Eines wurde in allen Beiträgen deutlich: Der Erfolg beginnt mit der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem Hotelier und seinem Planer. Mit dem Messestand der Architektenkammer Baden-Württemberg und unserem Kongress hoffen wir bei der diesjährigen Intergastra wieder den Grundstein für zahlreiche Kooperationen dieser Art gelegt zu haben.
Ruth Rademacher

Ruth Schagemann
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