Grüne Fuge am Killesberg

Architektur
Die „Grüne Fuge“, konzipiert von der Arge Killesberg: Prof. Rainer Schmidt sowie Pfrommer + Roeder Landschaftarchitekten

Ein neuer Park für Stuttgart: Auf dem Stuttgarter Killesberg entsteht die „Grüne Fuge“, der größte und wichtigste neue Park der Stadt Stuttgart in den vergangenen 18 Jahren.

Durch die Verlegung der Messe Stuttgart außerhalb der Stadtgrenzen wurde das alte Messegelände auf dem Killesberg frei für eine neue städtebauliche Entwicklung. Bereits im Jahr 2004 hatte die Stadt Stuttgart hierfür einen städtebaulichen landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb ausgelobt, der vom Architekturbüro Pesch und Partner in Arbeitsgemeinschaft mit Landschaftsarchitekt Frank Lohrberg gewonnen wurde. Diese Planung stellt das Grundgerüst der heutigen planerischen Weiterentwicklung für das ca. 18 ha große Gelände des ehemaligen Messeareals Killesberg dar.

Die „Grüne Fuge“ setzt das „Grüne U“ fort, das sich vom Stadtzentrum als zusammenhängende Parklandschaft vom Schlosspark bis zum Höhenpark Killesberg entwickelt. Die neue Konzeption bindet die städtische Parklandschaft an die freie Landschaft der Feuerbacher Heide, des Kräherwaldes und des Feuerbacher Tals an.

Die an die Parkränder angrenzenden Bebauungsstandorte wurden in weiteren Wettbewerbsverfahren städtebaulich und architektonisch konkretisiert und planerisch weiterentwickelt. Bereits realisiert wurde die Seniorenanlage Augustinum vom Architekturbüro Wulf & Partner in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekt Hubert Möhrle. Weitere bauliche Entwicklungen sind das Forum K auf dem Gelände der alten Messehallen 6-9. Gewinner des Wettbewerbs waren das Architekturbüro Ackermann & Raff mit Landschaftsarchitekt Jörg Stötzer. Realisiert wird das Projekt vom Investor Franz Fürst, der einen weiteren Investorenwettbewerb gewann und die geplanten Gebäude mit verschiedenen renommierten Architekturbüros plant. Gegenüber der Straße am Kochenhof realisiert ebenfalls der Investor Franz Fürst das „Scenario“, ein Gebäude für Mode, Design und Nutzungen für die benachbarte Kunstakademie. Gewonnen hat den Wettbewerb für die damalige Modemeile das Architekturbüro Barkow Leibinger. Westlich der „Grünen Fuge“ entsteht das Wohngebiet W1, die hier durchgeführten Wettbewerbsverfahren wurden vom Architekturbüro Auer + Weber gewonnen.

Für die Planung der knapp 10 ha großen neuen Parkfläche der „Grünen Fuge“ beauftragte die Stadt Stuttgart 2008 die ARGE Killesberg, diese besteht aus den Landschaftsarchitekten Prof. Rainer Schmidt aus München und Pfrommer + Roeder aus Stuttgart. Die ARGE wurde über ein europaweites VOF Verfahren mit den Planungsleistungen beauftragt.

Das von den Landschaftsarchitekten entwickelte Parkkonzept versteht sich als eine gestalterische Verbindung zweier Themen, die den Killesberg prägen: Weiche, naturnahe Landschaften und menschengeprägte Steinbrüche als harte Topografie. Mit dem Konzept „Verbindende Einheit – Topographie zwischen Park und Felsen“, entsteht eine Landschaft, die eine eigene Geschichte erzählt.

Die gestalterische Erscheinung der neuen Parklandschaft wird geprägt von ca. ein Meter hohen „Wiesenkissen“, die mit einem System aus Wegen durchzogen werden. Es entstehen dadurch Blickachsen in den Park und in die umgebende Landschaft und Bebauung. Das anfallende Oberflächenwasser aus der Bebauung wird in einer Zisterne gesammelt und über ein Regenwassermanagement in den naturnahen See am Fuß der „Grünen Fuge“ geleitet und so die Nachhaltigkeit der neuen Parkentwicklung gestärkt.

Die „Grüne Fuge“ auf dem Killesberg vollendet nun die große Stuttgarter Parklandschaft, die bereits 1939 mit der Entstehung des Höhenparks Killesberg im Rahmen der Reichsgartenschau von Hermann Mattern ihren Ursprung nahm. Ihre letzte große Ergänzung und Erweiterung erfuhr sie mit der Realisierung des „Grünen U“ im Rahmen der IGA im Jahr 1993, geplant vom Büro Luz aus Stuttgart, die nun schon 18 Jahre zurückliegt. Die Fertigstellung des Parks ist für das Frühjahr 2012 geplant.

Zu diesem Thema findet auch ein Landschafts- Architektur-Quartett statt.
Zur Diskussion stehen u. a. folgende Themenbereiche:

  • Welche Rolle spielt der landschaftsarchitektonische Teil der neuen Stadtentwicklung auf dem ehemaligen Messestandort des Killesbergs?
  • Welche Bedeutung hat die Vernetzung der Freiräume in der Stadtlandschaft für die Qualität der Stadt?
  • Welcher Nutzungsanspruch besteht heute an Freiräume in der Stadt am Beispiel der „Grünen Fuge“?
  • Welche Bedeutung haben öffentliche Freiräume auf das Verhalten von Investoren?
  • Welche Bedeutung hat das Projekt „Grüne Fuge“ für das Image der Stadt Stuttgart?

DER KILLESBERG – Ein Volkspark und seine Geschichte

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Michael Glück / 22.03.2012

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Ruth Schagemann

Ruth Schagemann
Architektur und Medien
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