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Viele Absolventen finden keine Stelle, die ihrer Ausbildung entspricht. "Statt der erhofften kreativen und umfassenden Tätigkeit bieten sich ihnen oftmals nur einfachere, zuarbeitende Teilaufgaben beispielsweise im Bauunterhalt oder in der Wohnungsverwaltung", so Prof. Sebastian Zoeppritz, Vizepräsident der Architektenkammer Baden-Württemberg. Geschult im Umgang mit komplexen Aufgaben, der Abstimmung im Team und der Moderation von Entscheidungsprozessen erlangen manche aber auch den Posten eines Oberbürgermeisters. Oder sie bieten ihre Fähigkeiten im Ausland an. So gibt es derzeit beispielsweise in England, Frankreich, Irland oder der Schweiz immer wieder Chancen für deutsche Architekten. Zoeppritz’ Prognose: "Nur mit überdurchschnittlicher Begabung und ebensolchem Engagement werden sich Architekten künftig noch in ihrem erlernten Beruf verwirklichen können." Einen Grund für die angespannte Lage sieht die Architektenkammer in dem drastischen Rückgang von Bauaufgaben: Nur weniges wird noch neu gebaut, vieles ist bereits vorhanden oder die fehlenden Mittel setzen - ungeachtet des Bedarfs - enge Grenzen. So ist das realisierte Volumen beim Wohn- und Nichtwohnbau in Baden-Württemberg von 1994 bis 2004 um 35 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe hat sich um 52 Prozent reduziert. Bei den Architektenwettbewerben ist ein Rückgang um 31 Prozent zu verzeichnen. Verschärft wird diese Entwicklung noch durch die anwachsende Gruppe derer, die sich um die verbleibenden Aufgaben bemühen. So hat sich in dem besagten Zeitraum die Zahl der baden-württembergischen Architektinnen und Architekten um über 20 Prozent erhöht. Die Ursache für diesen Zuwachs liegt zum einen in der hohen Absolventenzahl - in den letzten neun Jahren durchschnittlich jeweils 830 allein an den baden-württembergischen Hochschulen -, zum anderen in der geringen Zahl derer, die aus dem Beruf ausscheiden. So ist die Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen, die demnächst aus dem Berufsleben ausscheiden, mit ca. 285 Architekten pro Jahrgang sehr viel schwächer besetzt als die nachfolgende Altersgruppe der 30- bis 35-Jährigen, die mit jeweils ca. 1.000 Architekten vertreten sind. Hinzu kommt, dass viele Architekten über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten. Was die Politik mit Blick auf die Rentenfinanzen von der Allgemeinheit zur Thematik Verlängerung der Lebensarbeitszeit für die Zukunft fordert, ist für viele freiberuflich tätige Architektinnen und Architekten heute schon Realität. Dahingestellt bleibt, ob aus Lust an der Arbeit oder schlichter wirtschaftlicher Notwendigkeit. Die künftigen Perspektiven versprechen auch keine Entspannung. Allein durch die Altersstruktur wird die Zahl der Studienberechtigten in den nächsten 10 Jahren um weitere 10 bis 12 Prozent steigen. Und im Jahr 2012, wenn der letzte Regelzug des 13-jährigen Gymnasiums parallel zum neuen 12-jährigen endet, wird die doppelte Anzahl von Abiturienten an die Hochschulen strömen. Vor diesem Hintergrund sind Politik und Hochschulen aufgerufen, sich über eine angemessenere Zahl von Studienplätzen Gedanken zu machen. Die Studenten wiederum sollten sich frühzeitig über ihre Chancen im Berufsleben informieren und ihre Ausbildung entsprechend organisieren. Zoeppritz: "Die Umstellung der Studiengänge bietet die Möglichkeit, sich im Anschluss an den Bachelorabschluss für einen Masterstudiengang einzuschreiben, der gleichermaßen der eigenen Begabung wie den Anforderungen des Marktes entspricht." Rückfragen bitte an Carmen Mundorff, Pressesprecherin der Architektenkammer Baden-Württemberg, Telefon: 0711/2196-140. |



