Nach der Begrüßung durch den ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, zogen Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, und Oda Scheibelhuber vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung eine erste Bilanz über Aufgaben und Ziele. Wo steht die Stiftung heute, was hat sie erreicht? Scheibelhuber stellte fest, dass es in Deutschland gute institutionelle Voraussetzungen für Baukultur und auch viele Baukultur-Aktivisten gäbe. Sie sieht Baukultur als ein Politikfeld (Politiker waren aber beim Konvent nicht vertreten) und als ein Indikator für Lebensqualität, der Bund fungiere dabei als Taktgeber für das Qualifizierungsbestreben. Zum Thema des Konvents „Statt Verkehr Stadt“ sagte Scheibelhuber, dass Mobilität eine hohes gesellschaftliches (Freiheits-) Gut sei und dass die Veranstaltung ein weiteres Etappenziel der Stiftung markieren werde. Dazu sei aber weitere Qualifizierung erforderlich. Zudem müssten gute Beispiele als Vorbilder vermitteln und verallgemeinern. Für sie beginne Baukultur in den Köpfen, doch sie entstehe nicht im Selbstlauf: „Gute Gestaltung braucht ihren Platz und erfordert Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen.“ Auch brauche es eine Beteiligungskultur, denn nur Akzeptanz garantiere Erfolg. Scheibelhubers Credo laute: „Baukultur einfach anfangen.“
Braum begrüßte die in den Konvent Berufenen (für die Architektenkammer Baden-Württemberg Präsident Wolfgang Riehle, Jan van der Velden Volkmann, der krankheitsbedingt leider nicht teilnehmen konnte, und Carmen Mundorff) als Korrespondenten für Baukultur. Berufener zu sein, sei eine Anerkennung und eine Verpflichtung zugleich. Drei wichtige Themen standen in Hamburg auf der Tagesordnung: Wahlen für die Gremien, die Verabschiedung des Hamburger Appells sowie die Auflösung eines Dilemmas: In Deutschland werden mit großem Anspruch Fahrzeuge gestaltet, aber bei der Verkehrsplanung und Verkehrsbaukultur bestehe ein erheblicher Nachholbedarf. Es fehle an ganzheitlichen Ansätzen der Planung, einer kreativen Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger sowie an Möglichkeiten für Bürger, in Entscheidungsprozesse frühzeitig eingebunden zu werden. Obwohl alle Berufenen im Vorfeld Gelegenheit hatten, ihre Kommentare und Änderungswünsche kundzutun, wurde an dem vorbereiteten, neun Punkte umfassenden Hamburger Appell am Ende der Veranstaltung nochmals kräftig gefeilt, bevor er dann letztlich verabschiedet wurde (s. Anlage) – vermutlich ohne große Beachtung in der Öffentlichkeit und der Politik zu erlangen.
Als Impulsredner waren Wolf Lotter, Redakteur des Wirtschaftsmagazins Brand eins, sowie der Architekt und Städtebauer Kees Christiaanse engagiert worden. Während Christiaanse in seinem Vortrag keine markanten Akzente setzte, außer an thematische passende Aktionen der sogenannten Provos in den 1960er Jahren zu erinnern, rüttelte Lotter mit seinem Beitrag an den Grundfesten: Was können wir? Was wollen wir? Was bringt es? – Mit diesen Fragestellungen lasse sich seiner Meinung nach Zukunft gestalten. Zum Thema Mobilität direkt sagte er, dass entscheidende Korrekturen in der Arbeitswelt erforderlich seien, um in der Mobilität mehr Qualität zu erreichen. Neben Energie sei Lärm wohl das größte Problem der Stadt. Sein Fazit: „Es braucht ein verantwortliches sowohl – als auch.“
Nach den Wahlen, die für Bundeskammerpräsident Sigurd Trommer ein Mandat im Stiftungsrat brachte und für die hessische Kammerpräsident Barbara Ettinger-Brinckmann und Joachim Brenncke, Präsident der Kammer Mecklenburg-Vorpommern, im Beirat, wurden in drei Foren die zukunftsfähige Gestaltung von Verkehrsplätzen, Straßenräumen und Verkehrstrassen erörtert. Alles in allem brachte der Konvent wenig neue Erkenntnisse abgesehen von der Neuigkeit, dass Michael Braum aufgrund divergierender Auffassungen im Stiftungsrat für eine zweite Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur nicht mehr zur Verfügung stehe. Diese Botschaft wurde von der Presse knapp aufgegriffen, nicht aber der Hamburger Appell – schade, dass einer Personalie mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als unserer gebauten Umwelt. Die erste Forderung des Hamburger Appells, den Verkehr in den Städten angemessen zu entschleunigen, war am Plenartag bereits durch die Forderung der SPD Bundestagsfraktion nach einem Tempolimit in der Presse. Der Appell für mehr Baukultur in der städtischen Verkehrsinfrastruktur muss nun auf anderen Wegen an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung herangetragen werden.
Die Dokumentation zum Konvent der Baukultur 2012 finden Sie hier, den Hamburger Appell hier.

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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