Impulse für die Politik

Berufspolitik

Hearing zur geplanten Fusion von EnEG/EnEV und EEWärmeG

Intensiv und vielfältig war die Diskussion am 28. Juni im Haus der Architekten in Stuttgart. Rund 40 Expertinnen und Expertenaus Architektur- und Ingenieurwesen folgten der Einladung der Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zum EnEV-Hearing, um der Politik wichtige Anregungen zur Umstrukturierung der Energiegesetzgebung mit auf den Weg zugeben. Die Bundesregierung plant, mit Beginn des Jahres 2017 das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und die Energieeinsparverordnung (EnEV) mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammenzulegen, um die EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie zu erfüllen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Markus Müller, Präsident der AKBW, die geplante Änderung der Gesetzgebung als "erstaunlich und erfreulich", betonte aber, dass die Architektenschaft mit ihren Anregungen nun Weichen stellen müsse, damit diese Umstrukturierung sinnvoll gestaltet wird. In kurzen Impulsvorträgen gaben fünf Referenten zunächst einen Überblick und führten in die Thematik ein.

Alexander Rudolphi, Präsidentder DGNB, plädierte für die Betrachtung eines Gebäudesals System und hinsichtlich seines Lebenszyklus sowie, darauf aufbauend, für eine Gesamtökobilanzierung (Energie-Input und-Output).

Alexander Rudolphi, Präsident DGNB
Klaus Wehrle, AKBW-Vorstandmitglied und Mitglied der Strategiegruppe Klima, Energie, Nachhaltigkeit

Ähnlich schilderte auch Klaus Wehrle, Vorstandsmitglied der AKBW und Mitglied der Strategiegruppe Klima-Energie-Nachhaltigkeit, die Ergebnisse der Strategiegruppenarbeit und forderte ein Gesamtbilanzierungsverfahren, das auch die "graue Energie" sowie realistische Bedarfsannahmen berücksichtigt. Die Nachweisführung sei zudem verständlich und innovationsoffen zu gestalten. Gleichzeitig müsse aber auch die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen gegeben sein.

Thomas Gillich aus Karlsruhe, Deutschlands nachhaltigster Stadt 2015, vom Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft, Bereich Energiemanagement, stellte die kommunale Strategie zum Klimaschutz vor und mahnte zur Suffizienz: Weniger ist manchmal mehr.

Professor Hansruedi Preisig, Architekt aus Zürich, sensibilisierte mit seinem Vortrag noch einmal dafür, dass genau jetzt etwas getan werden muss. Denn: "Die heutigen Gebäude müssen die Ziele 2050 erfüllen – sie müssen also ihrer Zeit voraus sein." Er präsentierte das Schweizer Leitbild des SIA-Effizienzpfads Energie (SIA 2040) für eine Gesellschaft, die sich an einem Energieverbrauch von 2000 Watt pro Kopf orientiert. Er hielt ebenfalls dazu an, "größer" zu denken und auch Mobilitätskonzepte mit einzubeziehen, die den Energieverbrauch des Einzelnen reduzieren können – beispielsweise durch Nutzung des ÖPNVs statt des Autos.

Prof. Hansruedi Preisig, Architekt SIA, Zürich
Prof. Matthias Rudolph, Transsolar, Stuttgart

Der einzige Maschinenbauingenieur unter den Referenten, Professor Matthias Rudolph von Transsolar in Stuttgart, kritisierte schließlich, dass die derzeitige EnEV noch zu vielen Innovationen den Weg versperre. Diese seien oft nur durch Ausnahmeregelungen möglich. Die Regelungen müssten deshalb klarer strukturiert und einfacher zu handhaben sein.

Auch in der anschließenden Diskussion herrschte Konsens darüber, dass die EnEV weniger konkrete Maßnahmen als vielmehr Leitplanken zum Erreichen von Klimaschutzzielen vorgeben sollte – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Ertüchtigung von Bestandsbauten beim Klimaschutz eine ganz bedeutende Rolle spielt. In diesem Sinne plädierten viele Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer für praxisgerechte Nachweisbedingungen sowie eine Vereinfachung der Gesetzgebung, die nur so zum handhabbaren Planungswerkzeug werden könne. Das Ziel müsse zudem sein: weg von der Energiespar- hin zur Klimaschutzpolitik.

Die Ergebnisse des Hearings haben die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen in einem gemeinsamen Papier zusammengefasst. Die zehn Punkte zur Fusion von EnEG/EnEV und EEWärmeG dienen als Grundlage für die weitere Positionierung der AKBW und der DGNB.

Maren Kletzin / 28.07.2016

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