Platin für die Nachhaltigkeit

Berufspolitik
Die Experten im Gespräch (v.l.): Dr. Bernhard Frohn, Andrea Georgi-Tomas, Amelie Lorch

Die Nachfrage nach Zertifizierungs-Systemen ist nachweislich gestiegen, denn die Gesetzeslage steuert hin zu Nullenergiehäusern. Umso erfreulicher, dass die DGNB nun ein deutsches Gütesiegel der Nachhaltigkeit auf den Markt gebracht hat, neben den führenden Zertifizierungssystemen LEED (international) und BREEAM (GB), die sich bereits etabliert haben.

 

Die Commercial City Hamburg und ihre DGNB-Gold-Zertifizierung

„So sehr wir unsere Nationalgalerie auch lieben“, setzte Andrea Georgi-Tomas von eeconcept in ihre Moderation ein, „bei einem Energieverbrauch von einer Kleinstadt ist solch ein Gebäude nicht mehr zu rechtfertigen. Unseren geliebten International-Style werden wir uns in nächster Zukunft nicht mehr leisten können.“ Tatsächlich werden sich die EU-Richtlinienfür Energieeffizienz 2018 bereits für öffentliche und 2020 dann auch für private Bauherren noch einmal straffen. Somit hat die Veranstaltung im Mai im Haus der Architekten in Stuttgart „Zukunft Architektur: nachhaltig entscheiden“ den Puls der Zeit getroffen, denn mit großer Spannung erwartete die zahlreiche Zuhörerschaft Erfahrungsberichte der Vortragenden Amelie Lorch und Dr. Bernhard Frohn zur Commercial City Hamburg und ihrer DGNB Gold-Zertifizierung.

Nachhaltiges Planen sei zwar schon immer Thema in der Architektur, so Frau Georgi-Tomas. Bereits im Manifest für Architekten hätten sie sich diese Aufgabe selbst gestellt und 2009 als „Vernunft für die Welt“ deklariert. Jedoch sind die technischen Lösungen für ein solches ideelles Ziel nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Planungsbeteiligten und mit viel Kommunikationswillen zu meistern. Dabei reicht es nicht aus, nur ein „green building“ zu bauen, vielmehr muss es „sustainable“sein. Der Unterschied liegt im Detail, denn im zweiten Fall werden soziale und wirtschaftliche Bedingungen mit einbezogen, somit ist ein nachhaltiges Gebäude wesentlich mehr als nur ökologisch. Das erste vollständige Zertifizierungssystem Deutschlands über die DGNB kann entweder Gold, Silber oder Bronze vergeben, welche mit verschiedenen Anforderungen verbunden sind. Um Gold zu erreichen, muss ein Gebäude zu 80 Prozent nachhaltig sein.

Die Commercial City Hamburg ist ein Projekt,welches sich mit seiner DGNB-Gold-Zertifizierung, die explizit von der Hafencity Hamburg verlangt war, auch zum Pilotprojekt für die DGNB entwickelt hat. Das Thema der Nachhaltigkeit wurde klassisch auf das drei-Säulen-Modell Ökologie, Ökonomie und Soziales gestützt. Dabei wurden zahlreiche Themenfelder,wie Recyclebarkeit von Materialien über Barrierefreiheit bis hin zur Flächeneffizienz miteinbezogen. Auch die gestalterische Qualität wurde marginal mit bewertet. „Nicht genug“, meinte Gregori-Thomas und regte ein Upgrade zur DGNB-Platin-Zertifizierung an, in welcher auch die Architekturqualität als vierte Säule ergänzt werden könne.

Commercial City Hamburg

So einige Aha-Effekte erzielte Dr. Bernhard Frohn in einer sehr anschaulichen Zusammenstellung der Ausbeute unserer Energiequellen. Nicht die Art des Stromes, beispielsweise ausschließlich Ökostrom, könne uns zu mehr Nachhaltigkeit verhelfen, sondern die intelligente Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Quellen. Unser einziger Weg führe in die Effizienz, so Dr. Frohn.
Wieder wird eindeutig klar, dass bei dem Thema der Nachhaltigkeit nichts so einfach ist, wie es vermeintlich scheint.

Wenn vorangegangene Themen nur zustimmendes Nicken als Reaktion hervorbrachten, so wurde nun die Zuhörerschaft bei der Frage nach zusätzlichen Planungskosten hellhörig, denn eine solch aufwendige Planung koste doch nachweislich mehr Geld und dies müsse man bei den Bauherren rechtfertigen können. Beruhigende Worte fand dazu Amelie Lorch,denn wirklich teurer werde die Planung nur dann, wenn das Thema der Nachhaltigkeit erst spät mit einfließe. Nachhaltigkeit in der Planung und im Bau setze dementsprechend auch ein verankertes Bewusstsein dafür voraus, so Dr. Bernhard Frohn, und somit werde der Energiedesigner zum Moderator.

Solcherlei Sorgen sind jedoch nur teils berechtigt, denn im Bereich der Verbraucher hat sich bereits eine passende Zielgruppe etabliert, die LOHAS (Lifestile of Health and Sustainability).Sie machen nach Statistiken von Online-Marktforschungs-Instituten bereits 19,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus – Tendenz steigend. Somit kann man frohen Mutes auf zukünftige Entwicklungen der Nachhaltigkeit blicken.

Eine Weile muss man sich wohl noch gedulden. Im Augenblick ist es nur sinnvoll ab einer Bruttogeschossfläche von 5.000 m² von Zertifizierung zu sprechen. Mit Spannung darf man hierbei die Entwicklung einer Light -Version für kleinere Bauten erwarten, wie sie auch in der letzten Diskussionsrunde angeregt wurde.

Silvia Di Gaetano / 21.09.2011

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