Vorausgegangen war der Bericht der Brundtland-Kommission, in dem bezogen auf das Weltklima und die Ressourcen der Erde auf einen dringenden Handlungsbedarf der internationalen Völkergemeinschaft hingewiesen worden war. Um den Forderungen und Vorschlägen Taten folgen zu lassen, mussten jedoch internationale Verträge geschlossen werden. Die UNO wählte als Instrument hierfür die Umweltkonferenz, an der 10.000 Delegierte aus 178 Staaten teilnahmen. „Ziel war es, die Weichen für eine weltweite, nachhaltige Entwicklung zu stellen. Dabei waren insbesondere die Abhängigkeit des Menschen von seiner Umwelt und die Rückkoppelung weltweiter Umweltveränderungen auf sein Verhalten bzw. seine Handlungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.“1 Neben der Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung, in der man sich auf 27 Grundsätze einigte, kamen vor zwanzig Jahren fünf Dokumente in Rio zustande: zum Klimaschutz, zur Biodiversität, zum Wald, zur Bekämpfung der Wüstenbildung und die Agenda 21. Folgekonferenzen fanden 1997 in New York und 2002 in Johannesburg statt. Zu Rio +20 trifft man sich nun vom 20. bis 22. Juni wieder in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro.
Die UN-Konferenz 1992 in Rio brachte es mit sich, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ eine Renaissance erlebte. Er entstand vor knapp 300 Jahren in der Forstwirtschaft: Denn schon im Mittelalter wurden in vielen Regionen Europas, zum Beispiel in solchen mit einer ausgeprägten Bergbautradition, mehr Bäume gefällt als nachwachsen konnten, was schon früh die Begrenztheit des Rohstoffes Holz verdeutlichte. Aus diesem Kontext heraus entwickelte sich die Forstwirtschaft, der Gedanke der Nachhaltigkeit kam in Forstordnungen zum Ausdruck. Das Wort selbst tauchte erstmals1713 auf: Vor dem Hintergrund einer zunehmenden überregionalen Holznot prägte der kursächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz den Begriff der Nachhaltigkeit.
Zahlreiche Kommunen initiierten, unterstützt von viel bürgerschaftlichem Engagement, eine lokale Agenda 21. Noch bevor 2002 eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie von der Bundesregierung beschlossen wurde, hatte das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen im Jahr 2001 federführend für die Anwendung bei Baumaßnahmen des Bundes einen „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“2 erstellt. Dieser wurde in den Jahren 2010 und 2011 überarbeitet und erweitert.
Die Architektenkammer widmet sich intensiv der Thematik des nachhaltigen Bauens. Bereits beim Tag der Architektur 2011 lag der Fokus darauf und fand bei Teilnehmern und Journalisten große Resonanz. Auch der diesjährige Aktionstag, der am 23. Juni und damit direkt nach der Rio +20-Konferenz stattfindet, steht unter dem Motto „nachhaltiges Bauen“. 40 Kammergruppen zeigen wie Gebäude gleichzeitig schön und funktional, ökonomisch vernünftig und ökologisch sinnvoll sein können. Nachhaltiges Bauen ist nichts Neues, denn schon nach Vitruv, Architekt und Ingenieur zu Zeiten von Caesar und Augustus, ruhte die Architektur auf drei Prinzipien: Stabilität (firmitas), Nützlichkeit (utilitas) und Anmut (venustas). Heute, das Bauen ist komplexer geworden, beruft man sich auf sechs Prinzipien bzw. Qualitäten im Bereich von Ökologie, Ökonomie, soziokulturellen und funktionalen Aspekten, Technik, Planungs- und Bauabläufen sowie Standorten. Die verschiedenen Kriterien werden in unserer neuen Ausstellung „Nachhaltiges Bauen – was steckt dahinter?“ erläutert. Dort ist auch zu sehen, dass sehr viele Gebäude die diversen Facetten des nachhaltigen Bauens bereits in sich vereinen.
Die Landesregierung Baden-Württemberg hatte im April Nachhaltigkeitstage initiiert, der 4. Juni wurde als Deutscher Aktionstag Nachhaltigkeit ausgerufen – unser Aktionstag „Nachhaltiges Bauen“ ist der Tag der Architektur am 23. Juni!3
Die Ausstellung „Nachhaltiges Bauen – was steckt dahinter?“ ist noch bis 28. Mai im Treffpunkt Baden-Württemberg auf der Landesgartenschau in Nagold zu sehen und im Anschluss vom 19. Juni bis zum 6. Juli im Haus der Architekten in Stuttgart. Danach kann sie auf Wanderschaft gehen, Interessierte wenden sich bitte in der Landesgeschäftsstelle an Jochen Stoiber (Telefon 0711/2196-148 oder stoiber@akbw.de).

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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