Gehaltsumfrage 2015

Berufspolitik

Die aktuelle Gehaltsumfrage hat im Ergebnis mit einer durchschnittlichen jährlichen Gehaltssteigerung von 2 % ein erfreuliches Ergebnis geliefert. Bei genauer Betrachtung ergeben sich im Detail jedoch durchaus gewichtige Unterschiede.

Als Dienstleistung für ihre Mitglieder führt die Architektenkammer Baden-Württemberg seit Jahren regelmäßig Umfragen und Strukturuntersuchungen zu betriebswirtschaftlichen Aspekten des Bürobetriebs durch. Den Angestellten liefert dabei insbesondere die "Gehaltsumfrage" wichtige Anhaltspunkte und Orientierungshilfen, um angemessene Vertragsbedingungen zu vereinbaren. 2015 wurden dafür im Mai und Juni die abhängig beschäftigten Kammermitglieder zu den Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit und zu ihren Gehältern im Jahr 2014 befragt. Die Untersuchung erfolgte online bundesweit gleichzeitig für alle Architektenkammern, so dass auch Vergleiche der Ergebnisse über die einzelnen Bundesländer hinweg möglich sind.

In der AKBW waren 10.992 Mitglieder zur Befragung eingeladen. 2.411 Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen füllten den Fragebogen im Internet aus, was einer Rücklaufquote von 22 Prozent entspricht. Diese erlaubt repräsentative Aussagen und liegt leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 20 Prozent. Befragt wurden alle nichtselbständigen Mitglieder, die Daten sind daher gegebenenfalls differenziert ausgewertet nach Angestellten der Architektur- und Planungsbüros, Angestellten in der gewerblichen Wirtschaft und den im öffentlichen Dienst Beschäftigten. Die Verteilung auf die verschiedenen Arbeitgeber zeigt mit 64 Prozent freie Architektur- und Planungsbüros, 17 Prozent gewerbliche Unternehmen und 19 Prozent öffentlicher Dienst das übliche, so auch aus den Voruntersuchungen bekannte Bild. Im Bundesdurchschnitt ist jedoch der Anteil der freien Architektur- und Planungsbüros als Arbeitgeber mit dort nur 56 Prozent signifikant geringer, in Hessen, Rheinland- Pfalz oder Nordrhein-Westfalen liegt er mit 44 Prozent bzw. 45 Prozent noch deutlich darunter.

Jahresgehälter im Vergleich
Das Gesamt-Brutto-Jahresgehalt aller in Vollzeit tätigen Angestellten in Baden- Württemberg lag für das Untersuchungsjahr 2014 im arithmetischen Mittel bei ca. 52.500 Euro und damit fast 2.000 Euro über dem Wert der Voruntersuchung für 2012. Dies entspricht einer jährlichen Steigerung von ca. 2 Prozent. Differenziert nach Art des Arbeitgebers zeigt sich, dass Angestellte in Architektur- und Planungsbüros mit ca. 45.500 Euro signifikant weniger verdienen als die Angestellten im öffentlichen Dienst (58.500 Euro) bzw. in der gewerblichen Wirtschaft (71.000 Euro). Die Gehaltsentwicklung war in den Architekturbüros mit nur 1 Prozent Steigerung jährlich auch deutlich verhaltener. Damit hat sich das Gehaltsgefälle für die verschiedenen Arbeitgeber noch verstärkt: In der gewerblichen Wirtschaft verdienen Angestellte gut 50 Prozent mehr als in freien Architektur- und Planungsbüros. Auch im Ländervergleich zeigt sich ein deutliches Gehaltsgefälle. Die höchsten Gehälter ergeben sich für Hessen, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, am wenigsten verdienen erwartungsgemäß die Angestellten in den neuen Bundesländern. Baden-Württemberg liegt im Ländervergleich etwas unter dem Bundesdurchschnitt an achter Stelle. Im Mittel verdient ein Angestellter in einem Architektur- und Planungsbüro in Hessen über ein Viertel mehr als in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen.

Einflussgrößen auf die Gehälter
Das Gehalt ist abhängig sowohl von zunehmender Berufserfahrung als auch der Art der Tätigkeit bzw. ausgeübten Verantwortung. Angestellte mit hoher beruflicher Eigenverantwortung (selbstständiges Ausführen von Tätigkeiten / leitende Funktion) verdienen im Mittel das 1,3-fache der weisungsgebundenen Angestellten und Angestellte, die mehr als 20 Jahre im Beruf sind, das 1,7-fache ihrer Kollegen mit maximal fünf Jahren Berufserfahrung. Im Durchschnitt waren die Befragten 14 Jahre seit Abschluss ihrer Hochschulausbildung beruflich tätig. Dies ist im Bundesvergleich zusammen mit Bayern nach Hamburg der geringste Wert und liegt unter dem Bundesdurchschnitt mit 16 Jahren; drei der neuen Bundesländer sowie Hessen liegen hier mit 18 Jahren an der Spitze. Eine weitere wesentliche Rolle für die Höhe des Gehalts spielt die Größe des arbeitgebenden Büros. In einem Architekturbüro mit mehr als 50 Mitarbeitern liegt der Verdienst durchschnittlich 30 Prozent höher als in kleinen Büros mit weniger als 5 Mitarbeitern. Dies gilt gleichermaßen für Baden-Württemberg wie für den Bundesdurchschnitt und dürfte ein klares Indiz für die bessere Wirtschaftlichkeit größerer Bürostrukturen sein.

Noch keine Geschlechtergleichheit
Frauen verdienten auch 2014 signifikant weniger als Männer: Im Durchschnitt erhalten weibliche Angestellte nur 77 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Das arithmetische Mittel über alle Arbeitgeber, Tätigkeitsarten und Berufsjahre für das Bruttojahresgehalt der befragten Frauen in Baden Württemberg liegt bei 44.100 Euro, die männlichen Angestellten verdienen im Schnitt 57.000 Euro. Dieses Gefälle ist bei Arbeitgebern der gewerblichen Wirtschaft am stärksten ausgeprägt und im Übrigen auch bundesweit bzw. in allen erfassten Bundesländern festzustellen. Mit der Altersstruktur der männlichen und weiblichen Befragten und einer daraus resultierenden unterschiedlich langen
Berufserfahrung ist die Differenz nicht allein zu erklären. Auch bei gleicher Dauer der beruflichen Tätigkeit liegt das Gehalt männlicher Beschäftigter in den Architektur- und Planungsbüros je nach Altersklasse (bis 5, 6-10, 11-20 über 20) zwischen 5 Prozent und 25 Prozent höher als das der Frauen. Auch auf die Tatsache, dass Frauen deutlich häufiger weisungsgebunden tätig sind als Männer, kann die unterschiedliche Höhe der Gehälter nicht allein zurückgeführt werden: nach Anleitung tätige weibliche Angestellte verdienen rund 7 Prozent weniger als ihre vergleichbaren männlichen Kollegen, Frauen mit selbständiger Tätigkeit bzw. leitender Funktion sogar rund 17 Prozent weniger als Männer.

Überstunden und flexible Arbeitszeiten
Bei der wöchentlichen Arbeitszeit, Erbringung und Zahl von Überstunden und Zahl der Urlaubstage lassen sich zwischen der aktuellen Umfrage und der Voruntersuchung keine signifikanten Unterschiede feststellen. Die derzeitige Konjunkturlage wirkt sich somit nicht negativ auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten aus. Die 40-Stundenwoche ist die Regel, auch wenn 9 von 10 Angestellten Überstunden, und zwar knapp 6 pro Woche leisten. Die Überstunden werden allerdings nur bei zwei Drittel der Beschäftigten ganz oder zumindest teilweise wieder abgegolten, in der Regel durch Freizeitausgleich. Lediglich 5 Prozent der Befragten gaben an, dass Überstunden ausgezahlt werden. 28 Tage Erholungsurlaub sind der Durchschnitt für alle Beschäftigten. Weder zum Bundesdurchschnitt noch im direkten Ländervergleich gibt es bei diesen Parametern nennenswerte Differenzen – diesbezüglich sind die Arbeitsbedingungen tatsächlich sehr einheitlich.

Bei der aktuellen Umfrage interessierte die Kammern auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und inwieweit seitens der Arbeitgeber dafür fördernde Angebote gemacht werden. Unter anderem wurde nach Modellen zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung gefragt. Immerhin zwei Drittel der Beschäftigten könnten Gleitzeitregelungen und noch die Hälfte Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen. Während die Größe des arbeitgebenden Büros eine vergleichsweise geringere Rolle spielt, sind die Unterschiede nach der Art des Arbeitgebers deutlich auffälliger. Für 9 von 10 Beschäftigten im öffentlichen Dienst stehen Gleitzeitmodelle zur Verfügung, jedoch nur für 59 Prozent der Angestellten in Architekturbüros. Teilzeitangebote sind in der gewerblichen Wirtschaft mit nur 44 Prozent am seltensten. Dort spielt jedoch das Homeoffice mit 39 Prozent eine durchaus wesentliche Rolle, wohingegen in Architekturbüros und im öffentlichen Dienst nur jeder Fünfte dafür ein Angebot hat. Jahresarbeitszeitkonten oder ein (gehaltfreies) Sabbatjahr haben mit durchschnittlich 11 Prozent bzw. 7 Prozent noch kaum Relevanz. Angebotene Gleitzeitregelungen werden auch überwiegend genutzt – durchschnittlich von 87 Prozent – wohingegen tatsächlich bisher nur 41 Prozent die Möglichkeit einer angebotenen Teiltzeitvereinbarung ergriffen haben. Im aktuellen Berichtsjahr befand sich nur jeder fünfte Befragte in einer Teilzeitanstellung. Zeigen sich über die Arbeitgeber hinweg dabei kaum Unterschiede, ist das Geschlecht wesentlich relevanter: während 95 Prozent der Männer Vollzeit arbeiten, ist dies nur bei knapp zwei Drittel der Frauen (64 Prozent) der Fall.

Befragung auch bei AiP/SiP
In Baden-Württemberg waren auch die Architekten und Stadtplaner im Praktikum befragt worden, für die eine separate Auswertung erfolgte. Mit 316 von 350 antwortenden AiP/SiP waren 90 Prozent bei Architektur- und Planungsbüros beschäftigt, repräsentative Aussagen zu den Arbeitsbedingungen von AiP/SiP in der gewerblichen Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst sind daher nicht möglich. Erfreulich erscheint die Gehaltsentwicklung bei den AiP/SiP: In der Umfrage stieg das durchschnittliche Bruttojahresgehalt von 30.973 Euro im Jahr 2012 auf 35.813 Euro im aktuellen Berichtsjahr. Diese Entwicklung ist nicht mit typischen jährlichen Gehaltssteigerungen – in einer Höhe von fast 8 Prozent – erklärbar. Auch angesichts des in der Umfrage erstmals so abgefragten Einstiegsgehaltes bei Aufnahme der beruflichen Tätigkeit besteht hier weiterer Klärungsbedarf. Jenes liegt nur bei rund28.000 Euro – und zwar so sowohl gemäß den Antworten der aktuellen AiP/SiP als auch der bereits bis zu fünf Jahren beruflich Tätigen, in Baden-Württemberg und im Bundesdurchschnitt, ermittelt. Der Arbeitskreis AiP/SiP will unabhängig von der vorliegenden Gehaltsumfrage bis zur Landesvertreterversammlung Ende November eine Umfrage unter den derzeitigen Architekten und Stadtplanern im
Praktikum durchführen.

Umfangreiche Auswertung
Die vollständigen Ergebnisse bzw. Auswertungen der Umfrage sind als Bericht des
durchführenden Institut HommerichForschung, Bergisch Gladbach bei der Landesgeschäftsstelle
und im Internet in der Datenbank Broschüren/Merkblätter abrufbar:
Strukturanalyse 2015 Gehälter AKBW / Bericht

Bericht nur für die befragten Architekten und Stadtplaner im Praktikum
Strukturanalyse 2015 Gehälter AKBW / Auswertung AiP-SiP

Dort sowie bei der Bundesarchitektenkammer BAK finden Sie auch die bundesweiten Ergebnisse mit Vergleichszahlen der 16 Bundesländer:
Strukturanalyse 2015 Gehälter Bundesergebnis / Bericht

Jochen Stoiber / 01.11.2015

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Umfangreiche Auswertung

Die vollständigen Ergebnisse bzw. Auswertungen der Umfrage sind als Bericht des durchführenden Institut HommerichForschung, Bergisch Gladbach bei der Landesgeschäftsstelle und im Internet in der Datenbank Broschüren/Merkblätter abrufbar:
Strukturanalyse 2015 Gehälter AKBW / Bericht

Bericht nur für die befragten Architekten und Stadtplaner im Praktikum
Strukturanalyse 2015 Gehälter AKBW / Auswertung AiP-SiP

Dort sowie bei der Bundesarchitektenkammer BAK finden Sie auch die bundesweiten Ergebnisse mit Vergleichszahlen der 16 Bundesländer:
Strukturanalyse 2015 Gehälter Bundesergebnis / Bericht

Gehälter


Das Gehalt von Mitarbeitern in Architekturbüros ist frei aushandelbar. Orientierungshilfe können hierzu Merkblätter wie die Gehaltsumfrage der Architektenkammer oder die ab 1.1.2014 gültigen Gehaltsempfehlungen des ADAI bieten

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