Denkmalschutzpreis 2010

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Eines der prämierten Objekte: die Tabakscheune in Neibsheim, Architekt: Florian Blümig, Foto: Florian Schuh

Große Vielfalt und innovative Konzepte

Der Gebäudebestand ist ein Spiegel der Gesellschaft,der Lebensgewohnheiten, des Zusammen- und Arbeitslebens. Er ist geprägt von regionaler Materialwahl und Formensprache, von Wirtschaftszweigen und industrieller Entwicklung. Bestandsgebäude bieten ein großes Potential und spannende Bauaufgaben, besonders auch wenn heutzutage neue Nutzungen in alten Gemäuern stattfinden.

Private Bauherren erkennen häufig die Qualitätvon historisch wertvollen denkmalgeschützten Gebäuden und engagieren sich ideell und finanziell für die alte Bausubstanz. Vor diesem Hintergrund lobten der Schwäbische Heimatbund und der Landesverein Badische Heimat mit der Unterstützung der Wüstenrot Stiftung den 31. Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg aus. Mit diesem Preis werden private Denkmaleigentümer für beispielhafte denkmalpflegerische Leistungen gewürdigt, die sie für Erhaltung und Pflege ihres Eigentums erbracht haben. Insgesamt wurden 66 Bewerbungen eingereicht. 13 Objekte kamen in die engere Wahl und wurden vor Ort besichtigt. Fünf Bauherren konnten sich bei der Preisverleihung Mitte März in Friedrichshafen jeweils über einen Geldpreis von 5000 Euro sowie eine Bronzeplakette freuen.

Alle fünf ausgezeichneten Objekten hatten vor ihrer Sanierung ein ähnliches Schicksal: marode und unansehnlich geworden musste zunächst eine neue Nutzung für die Gebäude gefunden werden.
Am Beispiel der prämierten ehemaligen Tabakscheune (Baujahr 1940/41) in Bretten-Neibsheim schien das Schicksal sogar schon besiegelt: Der Abbruch des inzwischen am Dach und an der Fassade baufälligen Gebäudes war beschlossen, das Denkmalamt hatte sich wegen Unzumutbarkeiten von dem Objekt verabschiedet und die Abbrucharbeiten ausgeschrieben. Früher diente das Gebäude dem Trocknen der Tabakblätter. Dafür fädelte man die Frischblätter traditionell mit Abstand auf Schnüre und hängte diese zwischen Holzbalken. Die erforderliche gute Durchlüftung war durch die luft- und lichtdurchlässige Lamellenstruktur in der Holzfassade erreicht. Da 1967 der Tabakanbau im Dorf eingestellt wurde, fand sich nur schwer eine andere Nutzung für die luftdurchströmte Scheune.

Vor dem Abbruch bewahrt und zu neuem Leben erweckt vom Architekten Florian Blümig: die Tabakscheune in Bretten-Neibsheim

Es ist einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass der Architekt Florian Blümig das Gebäude bei einer Radtour entdeckte, sich dafür begeisterte und den Abbruch durch den Erwerb 2005 verhindern konnte. Mit einem intelligenten „Haus im Haus-Konzept“, blieb die für diesen Bautyp charakteristische offene Bauweise der Gebäudehülle weitestgehend erhalten und die Scheune erstrahlt nun nach außen denkmalgerecht erneuert. Die innere neu errichtete Gebäudewand erfüllt die heutigen Energiestandards und lässt modernes Wohnen in einem originellen Ambiente zu.

Bei den weiteren Siegern handelt es sich um

  • das Alte Schloss in Ingelfingen (Baujahr1515/1632): Das historische Gebäude wurde durch das Engagement der Interessensgemeinschaft
    Sanierung historischer Bauten teilweise in Eigenleistung restauriert –
    heute sind nun Wohnungen und Künstlerateliers untergebracht;
  • das Fabrikgebäude der Firma Hohner in Trossingen: 1912 erbaut, wurden hier einst Musikinstrumente hergestellt. Heute dient das Ensemble einer gemischten Nutzung aus Stadtbücherei und Musikschule, Gastronomie mit angeschlossenem Hotel, Arztpraxen und Büros, sowie Eigentums- und Mietwohnungen. Zusammen mit dem Architekturbüro Leo Braun aus Konstanz wurde das innovative Konzept entwickelt;
  • den alten Franz-Seppe-Hof aus dem Jahr 1749 in Sankt Blasien-Menzenschwand: Dieser Schwarzwälder Eindachhof dient
    heute nicht mehr der Landwirtschaft, sondern als Zweitwohnsitz für Schwarzwaldliebhaber. Stefan Blum, ein als Bauforscher tätiger Architekt aus St. Peter, hat bei der Sanierung des über 250 Jahre alten Gebäudes alternative Baustoffe wie Pflanzenfasermatten und Lehmputz eingesetzt;
  • das Landhaus Wagner in Friedrichshafen-Spaltenstein. Die ehemalige Villa des Markdorfer Industriellen aus der Mitte der 1960er Jahre wird heute nach der Sanierung als Sitz der Josef-Wagner-Stiftung für Konferenzen und Firmenpräsentationen genutzt. Die Architekten Christa Kelbing und Frank Hilbert aus Überlingen haben mit viel Feingefühl die Originalsubstanz im Wesentlichen erhalten.

 

Ausführliche Informationen über die prämierten Objekte erhalten Sie unter
www.schwaebischer-heimatbund.de

Weitere Informationen zu den Preisträgern der vergangenen Jahre lesen Sie hier

Martina Kirsch

 

 

09.08.2011

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