Die Zahlen über die wirtschaftliche Situation schlecht verdienender Architekten erschrecken. Die Gerüchte zu möglichen Entwicklungen der Honorarordnung sind unerfreulich. Noch mehr muss uns aber die Unbedarftheit derjenigen Kollegen irritieren, die bezüglich ihres Arbeitseinsatzes immer noch nicht rechnen mögen.
Es sei jedem unbenommen, individuell für sich über die angestrebte Relation von Arbeitseinsatz und Vergütung zu entscheiden. Natürlich muss man nicht in erster Linie nach einem guten finanziellen Auskommen streben, Prioritäten können selbstverständlich auch in der befriedigenden Bearbeitungstiefe, in der Wahl interessanter, aber schlecht bezahlter Projektarten oder Leistungungsphasen liegen. Auch die Spekulation ist zulässig, dass sich extremer Einsatz - ohne ausreichende Vergütung - in den ersten Berufsjahren in späterer Zeit einmal auszahlen soll.
Aber all dies möge bitte bewusst geschehen. Beim Start in eine Freiberuflichkeit muss klar sein, welche Kosten auf einen zukommen werden, es muss klar sein, wieviel Umsatz zu einem angestrebten Gewinn führen können und welcher Gewinn angestrebt werden muss, um das Existenzminimum zu finanzieren - oder den notwendigen Beitrag zum Familieneinkommen zu erzielen.
Und schließlich ist es angesichts der Marktbedingungen für die meisten Architekten unverzichtbar, sich Gedanken über Leistungen zu machen, die über die Grundleistungen der HOAI hinausgehen. Seien es besondere Leistungen nach HOAI, seien es Leistungen, die in der HOAI gar nicht beschrieben sind. Architektinnen und Architekten müssen findig werden in der Generierung von Aufgaben und in der Einwerbung von Vergütungen dafür. Dazu müssen sie Arbeitsaufwände abschätzen können, in Zeit und in Geld.
Warum kümmern sich viele nicht? Informationen werden geboten, Artikelreihen im DAB gab es schon, Seminare beim IFBau, Bücher...
Der Landesvorstand der Architektenkammer Baden-Württemberg hat eine Projektgruppe Honorarkalkulation/Bürokostenplanung bestellt, die seit einem Jahr in der Besetzung Beck, Grossmann, Neddermann, Pfrommer, Reinhardt, Selinger, Trendelenburg, Walk und Zoeppritz arbeitet.
Als Ergebnis starten wir eine Artikelserie, bewusst einfach und knapp, wir bieten simple Rechenwege und Mustervorgehensweisen im Internet, wir machen neue Seminare beim IFBau - und hoffen dringend, dass wir Architektinnen und Architekten erreichen können, denen diese Art des Umgangs mit Zahlen bisher aus Scheu, Aversion oder Schwellenangst verschlossen war.

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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Ruth Schagemann
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Jochen Stoiber
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