Zum Tod von Peter Conradi

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Beim Sommerlichen Empfang der Architektenkammer Baden-Württemberg am 8. Juli 2015: Peter Conradi im Gespräch mit Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (l.); Fotograf Felix Kästle

Die baden-württembergische Architektenschaft trauert um einen großen Repräsentanten ihres Berufsstandes.

"Architektur, Gesellschaft und Politik sind untrennbar miteinander verbunden - mit diesem Credo hat Peter Conradi bundesweit die politische wie architektonische Debatte geprägt", würdigt Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, die Lebensleistung seines am 11. März verstorbenen Kollegen. "Wir verlieren mit ihm einen politisch denkenden Architekten, einen architekturengagierten Politiker und einen ebenso leidenschaftlich wie sozial agierenden Menschen."

Als Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Stuttgart übernahm Conradi in den 70er-Jahren die Rolle des "Bauherrn" der baden-württembergischen Landesbibliothek. In den 80er-Jahren hat er als Bundestagsabgeordneter gemeinsam mit der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth den Bau des neuen Plenarsaales in Bonn maßgeblich begleitet und mit ihr und dem ebenfalls aus Stuttgart stammenden Architekten Günther Behnisch den Begriff von der "Demokratie als Bauherr" geprägt. Leidenschaftlich kämpfte er in den 90-Jahren für einen gemeinsamen Umzug von Bundestag und Bundesregierung nach Berlin.

"Peter Conradi hat sich für eine gleichermaßen selbstbewusste wie menschenfreundliche Architektur eingesetzt und dies immer mit dem Engagement für unser Gemeinwohl verbunden", hält Müller fest. Auch als Präsident der Bundesarchitektenkammer von 1999 bis 2004 habe er diesen Weg konsequent fortgesetzt: In dem Gremium schärfte Conradi die Sensibilität dafür, dass sich die Rahmenbedingungen für Architektur nur im engen Schulterschluss mit der Politik verändern und verbessern lassen.

Peter Conradi war ein streitbarer Demokrat. Sein Engagement als Gegner von Stuttgart 21 soll deshalb nicht unerwähnt bleiben. "Die von Conradi eingeforderten Werte soziale Gerechtigkeit, Glaubwürdigkeit, Solidarität, Verantwortung und Vertrauen benötigen wir in der Politik wie in der Architektur heute mehr denn je", resümiert Markus Müller.