Plan B_11 Fisch sucht Fahrrad

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Das grafische Protokoll des Tages von Marie Hübner

Büro 4.0: attraktiv, begehrt, erfolgreich

Nach ihrer Begrüßung des Plenums blickte Carmen Mundorff zurück auf zehn Jahre Plan B und stellte fest, wie stark sich die Inhalte doch verändert haben. Sprach man 2006 über notwendige Jobs, die es für die große Anzahl von ArchitektInnen nicht gab, und über notwendige Akquisestrategien, so hat sich die Lage innerhalb dieser Dekade komplett gewandelt. Aufträge gibt es zur Genüge, die Büroinhaber sind händeringend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und wie können die Guten ans Büro gebunden werden? Will man diese nicht nur gewinnen, sondern auch halten, muss das „Gesamtpaket“ im Büro stimmen – da zählt nicht nur eine ansprechende Entlohnung.

Person VOR Qualifikation

Plan B widmete sich auch in diesem Jahr den aktuellen Herausforderungen. Es gab nicht nur Vorträge, sondern rege Mitarbeit war gefragt, die am Ende wertvolle Ansätze für die Teilnehmer boten. Matthias Bankwitz, freier Architekt und geschäftsführender Gesellschafter, wurde als erster Impulsgeber zu Wort gebeten. Er betonte eingangs, dass er Anregungen geben und zeigen möchte, warum „sein Weg“ so gut in seinem Büro funktioniert. Bankwitz berichtete von der Wandlung seines Drei-Mann-Büros innerhalb der letzten knapp 20 Jahre zum heutigen 50-Personen-Unternehmen und seiner Strategieplanung, die als eine seiner festen Planungsinstrumente installiert wurde. Anhand seiner „Nachhaltigkeitsschnecke“, die als Büroleitfaden dient, erläuterte Matthias Bankwitz sein ganzheitliches Konzept der Büroentwicklung. Der engagierte Unternehmer hat diesen Leitfaden in sechs Stufen unterteilt. In der ersten sind die Unternehmenswerte wie Maßnahmen und Umgangsweisen mit den Mitarbeitern beschrieben. Hierzu gehören ein bestimmtes Maß an Vertrauen und Freiheit, die er ihnen entgegenbringt. Klar ist: Verantwortung muss übernommen und auch festgelegt werden. Es gibt eine ganzheitliche Vision, die vermittelt und gelebt wird. Mit Begeisterung soll die Mannschaft an die Arbeit gehen. Kontinuierlich wird an Verbesserungen gefeilt, die MitarbeiterInnen sind zur Entwicklung von Ideen angehalten. Gefeiert wird ab einer bestimmten Anzahl umgesetzter Ideen. Noch viele Details folgen, die das Plenum begeistern und erstaunen. Die weiteren Stufen setzen sich aus dem nachhaltigen Bürogebäude, dem nachhaltigen Einkauf und Reinigung, nachhaltige Arbeitsplätze, entsprechende Planung und Verwendung von Produkten in den Ausschreibungen und der Lehre bzw. Verbreitung dieser nachhaltigen Themen zusammen. Begeistert beschrieb Matthias Bankwitz sein Büro als Mannschaft, er versteht die Mitarbeiter als Mitspieler. Transparenz und Kommunikation in alle Richtungen sind grundlegende Faktoren, die zum Erfolg beitragen. In den folgenden Werkstattrunden wurde zu den Themenfeldern Work-Life-Balance, Top Job / begehrter Arbeitgeber und Bürokultur diskutiert und es fand ein eifriger Austausch statt. 

In den Werkstattrunden wurde nicht nur diskutiert sondern auch dokumentiert

Im zweiten Impuls ging Hans-Jörg Niemeck aus seiner Perspektive als geschäftsführender Direktor der Inros Lackner SE mit 500 MitarbeiterInnen (Ingenieure und Architekten) auf Kernpunkte der eigenen Unternehmensstrategie ein. Neben ähnlichen Ansätzen wie im Büro Bankwitz Architekten beschrieb er das selbstentwickelte Unternehmensalphabet, in dem unter anderem Grundregeln zur Kommunikation, Mitarbeiterförderung, Qualitätssicherung, Vertrauen und Verlässlichkeit verankert sind. Auch bei Inros Lackner wurde die Relevanz zufriedener, aktiver Mitarbeiter längst erkannt. Hier hat die Wertschätzung der MitarbeiterInnen einen extrem hohen Stellenwert. Spezialisierung, fachliche bzw. persönliche Entwicklung und transparente Zieldefinitionen sind zukunftweisend und bieten Sicherheit. Auch in diesem Fall bekommen die MitarbeiterInnen entsprechend ihrer Position ein hohes Maß an Projektverantwortung und Handlungsfreiheit übertragen, mit der Folge, dass ein ebenso großes Maß an Identifikation und Motivation mit dem Projekt entwickelt wird. Inros Lackner stellt sich einer öffentlichen Bewertungsplattform im Internet und kann anhand der Ergebnisse reagieren und Optimierungsmöglichkeiten entwickeln. Auch hier ist die Botschaft eindeutig: kritisches Hinterfragen der eigenen Prozesse, eine Strategieentwicklung und Agieren auf Augenhöhe sind Werkzeuge um sich zukunftsorientiert auszurichten. 

Es wurde deutlich: entscheidend ist nicht, ob das eigene Team fünf, fünfzig oder fünfhundert Mitspieler umfasst; es zählt nicht nur eine attraktive Entlohnung, sondern die Anpassung an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der MitarbeiterInnen, wie beispielsweise flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle, das Übertragen von Verantwortlichkeiten; Transparenz in der Kommunikation, Motivation und Wertschätzung spielen tragende Rollen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben. Natürlich sind die Facetten vielseitig und die Modelle müssen passen, doch gibt es Stellschrauben, an denen in jedem Büro gedreht werden kann. 

In der zweiten Werkstattrunde wurde deutlich, wie wertvoll der gemeinsame Austausch ist. Auch übergeordnete Fragestellungen wurden formuliert. Ein Schwerpunkt lag darin, wie neue Mitarbeiter gefunden werden können. Eine Kernaussage war: Person VOR Qualifikation. Motivierte Leute, die sich mit der Aufgabe und dem Unternehmen / Büro identifizieren, können sich sehr kompetent in eine Vielzahl von Aufgabenstellungen einarbeiten und erfolgreich bewältigen. 

Armin Trost in Aktion

In einem Auswertungsgespräch wurden die Schwerpunkte der einzelnen Werkstattrunden zusammengetragen. Einige grundsätzliche Kernpunkte können herausgefiltert werden, denn sie beeinflussen alle drei Werkstatt-Themen: klare, transparente Kommunikation in alle Richtungen, Identifikation durch Verantwortung, Flexibilität in der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung, eine spür- und lebbare Unternehmenskultur und eindeutige Strukturen schaffen. Natürlich gibt es kein „Patentrezept“ für jedermann, denn auf die individuellen Bedürfnisse und Situationen muss eingegangen werden. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sich auch für fachfremde Bewerber zu öffnen. Bürokultur muss gelebt werden und das funktioniert nur durch klare Führung, Kommunikation und Arbeiten auf Augenhöhe.

Abschließend traf Prof Dr. Armin Trost den Nerv der Zeit mit einem spritzigen Vortrag zum notwendigen Umdenken in der Personalgewinnung. Sehr eindrücklich machte er klar, dass zu Zeiten des Fachkräftemangels ein Umdenken notwendig ist. Allein mit einer passenden Stellenanzeige, die auf anderer Weise potentielle MitarbeiterInnen anspricht, beginnt der erste Schritt in Richtung Veränderung. Ebenso könne sich ein Arbeitgeber darauf einstellen, dass die Bewerbungskultur eine andere wird. Der Anspruch und die Wahrnehmung der einzelnen Positionen in Unternehmen stecken im Änderungsprozess. Es gilt, Bedingungen zu schaffen, in denen sich MitarbeiterInnen kreativ, effektiv und gewinnbringend einsetzen können. 

Voller Motivation und spannender Anregungen ging der Nachmittag zu Ende und bot für alle Teilnehmer Ansatzstellen zum Anknüpfen. Auch für die AKBW erschließen sich Aufgabenfelder, denen sie sich widmen wird, um zeitgemäß und zukunftsorientiert auf die Bedürfnisse der Mitglieder reagieren zu können. Die Vorträge stehen auf unserer Homepage zum Download bereit unter www.akbw.de > Service > für Planerinnen und Planer > Büroberatung > Plan B. Darüber hinaus finden Sie dort auch wunderbar grafisch dokumentiert das Protokollplakat zu den Vorträgen und zu den Werkstattrunden. Die Zeichnerin Marie Hübner hat den Nachmittag sehr plakativ festgehalten – als Gedächtnisstütze und Anregung für die weitere Arbeit.

Grafik - Protokolle: Gesamt; Werkstattrunde Top Job, Werkstattrunde Bürokultur, Werkstattrunde Work-Life-Balance

Anja Chwastek / 01.12.2016

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Aufgrund der Relevanz und auch Brisanz für den Berufsstand zur Thematik standen 2014 bei der Veranstaltung Plan B_9 die Schwerpunkte Weiterführung oder Übergabe eines Planungsbüros mit samt dem vorhandenen Wissen im Mittelpunkt.

 

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