Erste Chancen genutzt

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Fotograf: Lukas Bunte

Gute Noten, überzeugende Entwürfe, mehrere Praktika, möglichst im Ausland absolviert, hervorragende CAD- und Visualisierungs-Kenntnisse und nebenbei schon erste selbst realisierte Projekte – die Anforderungen an Architekturabsolventen sind groß und die Unsicherheiten bei ihnen auch.

Die Plattform „Chancen“ vom IFBau konnte, nach dem Erfolg vor einem Jahr, erneut über 100 angehenden Architekten Mut machen. „Entdecken, was in mir steckt“ diente als Titel für die Neuauflage und gleichzeitig als roter Faden, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog. In den vier Vorträgen und zwei Interviewrunden gaben die Referenten nicht nur zahlreiche Tipps und Einblicke in unterschiedlichste Karrierewege, sondern verkündeten auch immer wieder eine Botschaft: Jeder muss für sich erkennen, an welcher Tätigkeit er Spaß hat. Nur dann kann und wird der Absolvent auch beruflich erfolgreich sein.

Diese Erfahrung machten auch Michael Meyer und Sebastian Jud, zwei junge Architekten im Praktikum vom renderstüble in Stuttgart. Sie spürten schon während des Studiums ihre Begeisterung bei Visualisierungsaufgaben und arbeiteten sich immer weiter in die Programme ein. Nach einiger Zeit konnten sie die ersten Architekturbüros von der Wirkung ihrer Darstellungen überzeugen und bekamen Aufträge. „Dafür haben wir unser Studium deutlich verlängern müssen“, gibt Meyer zu. Und Jud ergänzt: „Heute merken wir, dass uns die Zeit oft während der Arbeit fehlt, neue Tools anzueignen. Wenn man im Studium also die Chance dazu hat, sollte man sie nutzen.“

Auch Zlatko Antolovic, der seit fünf Jahren mit PArtner Alexander Wendlik sein eigenes Büro COASToffice architecture in Stuttgart betreibt, hat verschiedene berufliche Möglichkeiten gesucht, gefunden und dabei entdeckt, was wirklich in ihm steckt. Seine Festanstellung bei GRAFT in Los Angeles gab er wieder auf, um sich in Deutschland selbstständig zu machen. Die Büro-Erfahrung im Ausland hat ihm bei dieser Entscheidung sehr geholfen. „Wer viel ausprobiert, und das in ganz unterschiedlich großen Projekten, der kann sich auch selbstkritisch fragen: Was kann ich und was kann ich nicht? Danach fällt die Orientierung deutlich leichter“, sagt Antolovic.

Dass er mittlerweile weiß, was er will und sich zudem viel zutraut, konnten die Besucher live bei „Chancen 2011“ erleben. Als Referent Christian Novobilsky, bei der BMW Group zuständig für sämtliche Bauprojekte, dem Nachwuchs anbot, doch den direkten Kontakt zu ihm im Rahmen der Veranstaltung zu nutzen, sprang Antolovic sofort auf und überreichte seine Visitenkarte.  

Auch die anderen drei Vortragenden konnten überzeugen. Viele der jungen Besucher scharten sich um sie, in der Pause und am Ende beim „Networking im Foyer“. Tina Ostertag, selbstständiger Coach aus Stuttgart, gab erste Tipps zur Berufsorientierung. Professor Lars Uwe Bleher aus Frankfurt am Main erklärte dem Nachwuchs, dass sich jeder junge Architekt, trotz der vielen Einflüsse gerade von Dozenten in der Hochschule, freischwimmen muss: „Wichtig ist, den Hebel umzulegen und zu sagen: ‚Jetzt bin ich mal dran’.“ Und Verena Klar aus Tübingen, die sich unter anderem auf die Energieberatung spezialisiert hat, erläuterte, dass der Bedarf an Experten auf diesem Gebiet weiterhin steigt.

Gute Tipps gaben auch Stefanie Larson, freie Beraterin aus Stuttgart, und Axel Walk, freier Architekt aus Reutlingen, in der zweiten Interviewrunde. Moderator Nils Hille aus Wuppertal nutzte den Kontrast ihrer Berufswege, die durch Interdisziplinarität und klassischer Büroarbeit geprägt sind, um ihre unterschiedlichen Erfolgsrezepte zu erfragen. Larson sprach sich für den Blick über die eigenen Berufsgrenzen aus und sieht große Chancen in der Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. Walk, der seit Ende des Studiums im klassischen Architekturbüro seines Vaters arbeitet, betonte, bei allen Möglichkeiten nicht zu vergessen, dass es weiterhin diesen traditionellen Erfolgs-Weg gibt: „Immer mehr Architekturbüros suchen, zum Teil schon ziemlich verzweifelt, wieder nach neuem Nachwuchs.“ Auch das ist eine Chance 2011.

Nils Hille

Die Tipps der Referenten für Absolventen zum Download

21.03.2012

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