Ein Blick in die Zukunft ist immer auch ein Blick ins Ungewisse, für die Orientierung und die darauffolgende Ausrichtung einer Berufskammer ist dieser Ausblick aber unerlässlich. "Zukunftsdenken" braucht Offenheit gegenüber neuen Ansichten und ein Bewusstsein für Veränderung. Alles ist im Fluss, alles ändert sich – dieses Prinzip gilt auch für die Planung und Erstellung von Gebäuden und deren Umfeld. Eine Gruppe von Architekten und Stadtplanern hat sich unter dem Dach der Architektenkammer Baden-Württemberg an eine Prognose möglicher Entwicklungen gewagt und – nach der Lektüre entsprechender Publikationen und dem Austausch der verschiedenen Sichtweisen auf die Zukunft unseres Berufsstandes – ein gemeinsames Konzept erarbeitet.
Der konkrete Arbeitsprozess verlief nicht immer geradlinig, da es durchaus auch kontroverse Ansichten gab. Das ist nicht verwunderlich, denn jedes Mitglied der Projektgruppe betrachtet die Zukunft von seinem Standpunkt und mit seinen persönlichen Erfahrungen. Während der Ausarbeitung der Ergebnisse stellte man sich bisweilen auch die selbstkritische Frage, ob aufgrund der vorhandenen Strukturen einer Berufskammer von Individualisten mit vielen unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Interessenvertretungen ein solcher gemeinsamer Blick in die Zukunft überhaupt gelingen kann. Eine Kammer als Institution des öffentlichen Rechts ist eben auch eine verwaltende Organisation. Der Gestaltungswille oder auch die Änderungsbereitschaft, die mit dem Beschreiten neuer Wege einhergehen, stoßen da schnell an regulative Grenzen. Unterstützt durch Präsident Wolfgang Riehle, der nach Vorlage der Einzelstatements die Moderation der Projektgruppe übernahm, und hauptamtlich begleitet von Carmen Mundorff entstand ein Zukunftspapier, in dem die Verfasser einen Blick auf eine künftige Entwicklung wagen, ohne jedoch eine dogmatische Haltung einzunehmen.
Selbstverständlich ist sich die Projektgruppe bewusst, dass die Szenarien nicht den Anspruch auf eine vollständige und dann auch zutreffende Entwicklung erheben können – das wäre an-maßend. Vielmehr möchte man Kolleginnen und Kollegen animieren, sich über das eigene zu-künftige Schaffen Gedanken zu machen. Ziel ist es auch, mit diesem Zukunftspapier eine berufsständische Diskussion über die künftige Arbeit von Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplanern sowie deren Randbedingungen anzustoßen. Außerdem soll es jungen Menschen, die unseren Beruf ergreifen wollen, als Orientierungshilfe dienen.
"Prognosen sind schwierig, vor allen Dingen dann, wenn sie die Zukunft betreffen" – so lautet ein beliebtes Bonmot, das Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben wird. Die Verfasser sind deshalb der Meinung, dass ein solcher Diskussionsprozess nie abgeschlossen ist und nur eine Momentaufnahme der Projektion auf zukünftige Jahre sein kann. Aus diesem Grund wäre es interessant, die vorliegenden Ergebnisse auch in den nächsten Jahren im Blick zu behalten, sie weiterzuentwickeln und fortzuschreiben.
Dr. Alexander Beck, Jens Fuhrmann, Markus Hammes, Gabriele Hübner, Julia Klumpp, Ksenija Kreutz-Schiele, Mark Phillips, Klaus Wehrle

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
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