Unterrichtsprojekte ausprobiert

Architektur

Vermittlungsformate für den Themenbereich Klima, Energie und Nachhaltigkeit standen im Zentrum der Architektur macht Schule-Veranstaltung 2017. 

Konkrete Projekte für den Unterricht zu entwickeln, ist ein vielfach geäußerter Vorschlag von Seiten der Architekturvermittler. Entsprechend hatte das diesjährige Netzwerktreffen den Titel "Energie zum Anfassen". Zur Auswahl standen drei Workshops aus den Bereichen Gebäudeanalyse, Stadterkundung und Gestalten.

Katharina Matzig stellte das Programm "Klimadetektive" der Bayerischen Architektenkammer vor. Dabei erforschen Schüler und Schülerinnen gemeinsam mit Architekten und Energieberatern ihr Schulgebäude: Sie nehmen Licht, Luft, Wärme, Material und Konstruktion unter die Lupe und lernen Fachbegriffe kennen. 

Die Teilnehmenden des Workshops gaben begeistertes Feedback: Die Themen seien breit gefächert, Begriffe wurden in die Tiefe entwickelt und Zusammenhänge begreifbar aufbereitet. Besonderes Lob bekamen auch die Fragebögen und Arbeitsblätter. Ein Lehrer aus dem Workshop bescheinigte ihnen, dass "sie im Unterricht wirklich einsetzbar sind." Kostenlos herunterladen lassen sich die Materialien unter www.byak.de/veranstaltungen/architektur-fuer-kinder-und-jugendliche/klimadetektive.html.

Team von Stadtlücken e.V. Valerie Rehle, Sarah Ann Sutter, Carolin Lahode und Sebastian Klawiter

Nachhaltige Fortbewegung durch urbane Strukturen setzte das Team von dem in Stuttgart bekannten Verein "Stadtlücken"praktisch um: Zu Fuß erwanderte die Gruppe den Kontrast von Frischluftschneise am Bopserpark bis hin zur Abgashölle am Charlottenplatz.

Vorgeschaltet war dem Ganzen ein personifizierter Wahrnehmungsfilter: Die Teilnehmenden hatte den Auftrag, ihre Eindrücke individuell unter einem bestimmten Erfahrungshorizont- beispielsweise Wohlbefinden, Angst, Rivalität oder Kommunikation - fotografisch zu dokumentieren. Die anschließende Auswertungsrunde zeigte, wie praktikabel diese Methode des "dérive" ist und welch unterschiedlicher Blickwinkel es für ein komplexes Bild von Stadt bedarf. Dieser "kommunikative walk" sei eine "sehr gute Herangehensweise", bestätigte ein Teilnehmer, auch lasse sie sich für nahezu jedes Alter einsetzen.

Äußerst kommunikativ ging es auch im Workshop "Energieeffizienz ins Modell gebracht" zu. Architekten und Lehrer diskutierten, welche Materialien sich für welche Darstellungen eignen, wie die Beschaffenheit von Oberflächen wiederzugeben ist, welche Dimensionalität der Aufgabe am besten entspricht und vor allem: wie sich überhaupt der energetische Aspekt in einem Modell veranschaulichen lässt.

Gelobt wurde der interdisziplinäre Austausch. Worauf man alles achten müsse, sei ihr als Kunsterzieherin erst im Gespräch mit dem Architekten klar geworden, bekannte eine Teilnehmerin. Workshopleiter Robert Thomsen konnte aus seiner praktischen Erfahrung als Lehrer und Architekt interessante Anregungen für die Umsetzung einbringen. Und in der Tat standen am Abend zwei - in aller Einfachheit - durchaus überzeugende Modelle auf dem Tisch.

Nachwirkungen von Sturmtief Xavier? Der Zugfahrplan war am 10. Oktober noch so weit aus der Bahn, dass der Keynote-Speaker nicht rechtzeitig aus Hannover anreisen konnte. Aber zumindest auf digitalem Weg hat es Prof. Dr. Jürgen Manemanns Vortrag bis nach Stuttgart geschafft. In seinem Beitrag fragt der Leiter des Instituts für Philosophie Hannover, zu dessen Schwerpunktthemen die Umweltphilosophie gehört: "Warum handeln wir angesichts des Klimawandels nicht so, wie wir handeln sollten?" und antwortet: "Weil Zukunftssinn in unserer Gesellschaft austrocknet, und mit dem Austrocknen von Zukunftssinn geht eine Abnahme von Zukunftsfähigkeit einher. Insbesondere junge Menschen leiden heutzutage an einer Zukunftsunfähigkeit." In seiner Abhandlung geht er auf Katastrophen-Blindheit und die sinnlichen Grundlagen der Moral ein, auf Angst, Resilienz und die kranke Gesellschaft - der Vortrag steht hier zum Download zur Verfügung. 

Grußwort und Fazit: Präsident Markus Müller (l.) verwies auf das Bestreben der Architektenkammer, ein kritisches Bewusstsein für baukulturelle Themen bei Jung und Alt zu schärfen. Ulrich Schwille, Mitglied des Landesvorstands der AKBW und dort für „Architektur macht Schule“ zuständig, fasste die Ergebnisse der abschließenden Diskussion zusammen.

Dass viele der Anwesenden bereits zum wiederholten Male an der jährlichen Netzwerkveranstaltung teilnahmen, ist ein gutes Zeichen für die Verstetigung der Initiative. Einige von ihnen schauen bereits auf umfangreiche Erfahrungen bei der Architekturvermittlung an Kinder und Jugendliche zurück. Darüber hinaus bekräftigten andere ihre Absicht, sich noch intensiver in diesem Bereich engagieren zu wollen.

Programmflyer zum Download

Handouts der Workshopleiter:

  1. Energieeffizienz ins Modell gebracht
  2. Klimadetektive: ein Schul-Projekttag zu Energieeffizienz und Klimaschutz
  3. Nachhaltige Fortbewegung durch urbane Strukturen – ein Selbstläufer
Claudia Knodel / 23.10.2017

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