Vereintes Wissen aus Architektur und Pädagogik

Architektur
In Tuttlingen erforschte die Gruppe drei Stadthäuser. Foto: Christoph Geisel

Erfolgreiches Fortbildungsprojekt von Regierungspräsidien und Kammer

Architektur ist bei Schülern ein beliebtes Thema. Damit Lehrerinnen und Lehrer für dessen Vermittlung besser gewappnet sind, haben Vertreter von Architektenkammer und den vier Regierungspräsidien ein gemeinsames Fortbildungsprojekt ins Leben gerufen. Für beide Seiten war dabei maßgeblich, Architektur und Baukultur in ihrer Komplexität anschaulich zu machen und deren Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen herauszuarbeiten. Dafür geeignete Methoden und Zugänge zu finden, machte einen wichtigen Teil der Fortbildung aus. Lehrerinnen und Lehrer sollten ein tragfähiges Gerüst für die Unterrichtsgestaltung in verschiedenen Schularten und Klassenstufen bekommen.

Entlang von Leitfäden beantworteten die Teilnehmenden Fragen zur Architektur der Autobahnkapelle St. Gallus in Leutkirch. Foto: Markus Lägeler

Vier Referententeams erarbeiteten für insgesamt zwölf Orte, drei pro Kammerbezirk, exemplarische Architekturerkundungen nach einem gemeinsamen Schema: subjektiv geprägte Besichtigung ohne weitere Anleitung – systematische Erforschung entlang von Leitfragen – Zusammentragen der Ergebnisse – Reflexion – Erarbeiten von Methoden für die Umsetzung im Unterricht.

In den ausgewählten Bauten erforschten die Teilnehmenden den Einfall von Licht, die Dämmung von Holzbalken, die Wirkung des Raums oder die Wegführung. Dabei bedienten sie sich ganz unterschiedlicher Werkzeuge wie Zeichenblock und Stift, Fotoapparate oder über Pläne gespannte Fäden. Kontroversen gab es zum Teil, ob gestalterische Elemente als gelungen oder missraten einzustufen seien. Mithilfe passender Dokumentationsmethoden ließ sich hier eine gewisse objektivierende Distanz herstellen.

Bei allen Fortbildungen waren die Feedbacks positiv. Besonders geschätzt wurde die Anleitung durch den Experten, durch die Architektin bzw. den Architekten. Hierdurch habe sich den Teilnehmenden das Gebäude erst richtig erschlossen, wozu auch eine gewisse Sprachbefähigung gehörte, um die eigenen Gefühle bei der Architekturbetrachtung in Worte fassen zu können. Die Atmosphäre war locker, aber zielgerichtet. Ideen wurden im Austausch entwickelt.

Die positive Bilanz strahlt über die reinen Ergebnisse als Fortbildung hinaus: An dem Projekt hat sich einmal mehr erwiesen, wie befruchtend die beiden Berufsstände – Architekten und Pädagogen – miteinander arbeiten können. Denn jedes Referententeam setzte sich aus einem Mitglied der Architektenkammer sowie aus einer Fachberaterin bzw. einem Fachberater Bildende Kunst zusammen.

Die Beteiligten sind sich einig, dass eine Fortführung des Kooperationsprojektes wünschenswert ist. Statt "Architektur sehen" könnte die nächste Fortbildungsstaffel "Architektur machen" heißen. Dabei soll das Prozesshafte der Architekturentstehung in den Vordergrund rücken: Entscheidungsabläufe bezüglich Raum, Material und Form, Ideenfindung, Variantenerarbeitung und -entwicklung.

Unklarheit herrscht momentan, wie sich die von der Landesregierung für 2019 angekündigten Umstrukturierungsmaßnahmen im Bildungsbereich auf die Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit von Regierungspräsidien und Architektenkammer auswirken wird. Denn künftig soll ein "Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung" auch die Zuständigkeiten für die Fortbildung bündeln. Es gibt aber zuversichtliche Stimmen, dass eine Neuauflage des Kooperationsprojektes wieder grünes Licht bekommt.

Das Wohn- und Geschäftshaus Edition Panorama (prämiert beim Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen"; Architekten: Beat Consoni Architekt BSA SIA, St. Gallen/Schweiz) stand in Mannheim im Zentrum des Fortbildungstags. Foto: Gudrun T. de Maddalena
Claudia Knodel / 01.06.2018