Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Karlsruhe-Land 2006 - 2013"

Bachöffnung Lindenhardterwegbach, Hochwasserschutz- und Gestaltungsmaßnahmen

Neuwiesenstraße
76316 Malsch

Architekten
pp a|s Pesch Partner Architekten Stadtplaner BDA|SRL, Stuttgart
Bauherr
Gemeinde Malsch, vertreten durch Bürgermeister Elmar Himmel
Fertigstellung
2011

Begründung der Jury
Die Öffnung des über Jahrzehnte verdolten Bachlaufs in Malsch verbindet in gelungener Weise technisch erforderliche Maßnahmen für den Hochwasserschutz mit einer gestalterisch wünschenswerten Aufwertung des öffentlichen Raums in der Ortsmitte. Trotz restriktiver Anforderungen aus Hochwasserschutz und Verkehrsführung wurden in dem äußerst beengten Stadtraum die Gestaltungsmöglichkeiten für attraktive Aufenthaltsflächen optimal ausgeschöpft und sorgfältig detailliert. Großzügige Zugänge und Ruhebereiche machen den Gewässerlauf erlebbar und schaffen eine identitätsstiftende neue grüne Mitte – diese neue Aufenthalts- und Gestaltungsqualität lässt Impulse für das angrenzende Quartier erwarten. Mit einer Weiterführung der Bachöffnung könnte die Ortsmitte sogar zu ihrem historisch vom Wasserlauf geprägten Charakter zurückfinden.

Objektbeschreibung

Anlass und Problemstellung
In der neu zu gestaltenden Ortsmitte Malsch besitzt der Hochwasserschutz eine besondere Bedeutung. Als notwendige Fortführung der bereits hergestellten Schutzmaßnahmen im Außenbereich war die Beseitigung der vorhandenen Verdolung des Lindenhardterwegbaches zwischen der Neuwiesenstraße und der Adlerkreuzung von essenzieller Bedeutung. In diesem Zusammenhang bot sich die Chance, das Erscheinungsbild des öffentlichen Raums – das in weiten Bereichen den Ansprüchen einer attraktiven Ortsmitte nicht mehr gerecht wurde – deutlich aufzuwerten. Auf der Grundlage einer Städtebaulichen Rahmenplanung, welche durch erkennbare städtebauliche Defizite schon durch das Landessanierungsprogramm gefördert wurde, konnten die Voruntersuchungen aufbauend erfolgen und das Areal als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden.

Zielsetzung und Konzept des 1. Bauabschnitts

  • Sicherung des Hochwasserschutzes: Die technisch notwendigen Schutzmaßnahmen werden mit den Anforderungen einer hochwertigen Gestaltung des öffentlich Raums synchronisiert.
  • Inszenierung "Wasser im Ort": Aufenthalts-, Spiel- und Erholungsmöglichkeiten am Wasser eröffnen neue Potenziale für Freizeit und Kultur in der Ortsmitte.
  • Qualitätsoffensive Öffentlicher Raum: In Verbindung mit einem Gestaltungskatalog prägt das Gestaltungskonzept den unverwechselbaren Charakter der "Neuen Mitte Malsch" über die Bachöffnung hinaus.
  • Neuordnung des Verkehrs: Durch die Neuordnung des fließenden und vor allem des ruhenden Verkehrs werden die Freiraumqualitäten des wiedergeöffneten Bachlaufs zur Geltung gebracht.

Maßnahmen, Umsetzungsstrategien und Ergebnis im gegenwärtiger Stand
Mit der Öffnung des Lindenhardterwegbaches auf einer Länge von 120 m ist das Element Wasser im Ortsbild wieder verankert und erlebbar. Zur Ableitung des Hochwasserabflusses verfügt der offene Bachlauf über eine Regelbreite von 8 m. Eingefasst wird der Bach mit Winkel–Betonmauern, die als Stützelement gegenüber den Verkehrsflächen dienen. Die Innenseite der Bachmauern ist mit ortstypischen Natursteinen verkleidet.

Als zentrales Gestaltungselement begleitet eine Baumreihe aus vier Baumgruppen den geöffneten Bach. Sie gliedern den Straßenraum in unterschiedliche kleine Plätze mit Sitz- und Spielangeboten und erlauben einen ungehinderten Blick auf die neu gestaltete Wasserfläche. Großformatige Steinpflaster betonen den hohen Aufenthaltswert dieser Flächen und heben sie deutlich von den anderen Verkehrsflächen ab.

Eine großzügige Treppe im Bereich der Bäckerei ermöglicht den direkten Zugang zum Bach. In der rund 11 m breiten Treppenanlage laden Sitzstufen zum Verweilen ein. Eine zweite schmalere Treppe führt im nördlichen Bereich zur Bachsohle. Innerhalb des offenen Bachlaufes verbindet ein Schotterrasenweg entlang der Neuwiesenstraße die Treppenanlagen.

Das Bachbett des geöffneten Lindenhardterwegbaches wird nach ökologischen Gesichtspunkten naturnah gestaltet und weitestgehend der natürlichen Sukzession überlassen. In dem mäandrierenden Mittelwasserbett haben sich schon aufgrund von schmaleren und breiteren Bereichen flachere und tiefere Wasserzonen eingestellt. Standortgerechte Stauden (Sumpfdotterblume, Mädesüß, Sumpfiris, Blutweiderich) und Gräser (Riesen-Segge, Rohrglanzgras) wurden in unterschiedlich blühenden Zonen angepflanzt. Neben den Pflanzungen wirkt punktueller Steinwurf der Sohlerosion entgegen. Die offene Wasserfläche kommt der heimischen Vogel- und Kleinlebewesenwelt in und am Bach zugute.

Hochwasserschutz
Der abflusswirksame Querschnitt lässt eine schadlose Wasserableitung von mindestens 16 m³/s (vormals lediglich 3 m³/s), die einem 50-jährlichen Hochwasserereignis entspricht, zu. Auf Baum- und Strauchbewuchs innerhalb des offenen Gewässers wurde verzichtet, um im Hochwasserfall die Abflussleistung nicht zu reduzieren. Das Hochwasserereignis am 31. Mai und 01. Juni 2013 konnte im Vergleich zu den ähnlich großen Ereignissen aus 2000 und 2002 ohne größere Schäden bewältigt werden. Ein 2. Bauabschnitt Richtung Süden sollte perspektivisch den Hochwasserschutz weiter vervollständigen und das jetzige Sanierungsgebiet an das Vormalige aus den 1980er Jahren anschließen. Nur bei einer Fortführung der begonnenen Maßnahme kann das Hochwasserrisiko auch bei stärkeren und länger andauernden Regenereignissen durch die Hilfskräfte minimiert werden.

Fotos
Julia Kalmer
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