Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

Forschungsgebäude für einen 7-Tesla-Hochfeldtomographen

Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg

Architekten
Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR Projektpartner Hanno Chef Hendriks Stuttgart
Bauherr
Deutsches Krebsforschungszentrum , Abt. Technische Infrastruktur, Heidelberg
Fertigstellung
2008

Begründung der Jury
Hier bestand keinerlei Möglichkeit, die Funktion des Gebäudes – im Sinne von „form-follows-function“ – in der Bauform oder der Fassadengestaltung widerzuspiegeln. Trotzdem ist es gelungen, durch die Verkleidung des schlichten Kubus mit Metalllamellen sowie durch Breite, Abstand und Stellung der Lamellen ungewöhnlich vielfältige und reizvolle Lichteffekte hervorzurufen, die dem Gebäude bei aller Zurückhaltung eine herausgehobene Stellung innerhalb des Ensembles der umgebenden Großbauten sichern.

Objektbeschreibung

Auf dem Gelände des Universitätsklinikums in Heidelberg wurde ein Neubau errichtet, der ausschließlich dazu dient, Untersuchungen mit dem 7-Tesla-Hochfeldtomographen durchzuführen.

Das Gebäude liegt losgelöst von der Umgebungsbebauung auf einem freien Grundstück des Universitätsgeländes. Der Neubau enthält neben dem Aufstellungsraum Flächen für die Steuerungs- und Raumlufttechnik sowie Vorbereitungs- und Auswertungsräume.

Eine magnetische Feldstärke von 7 Tesla entspricht in etwa dem 150.000-fachen der Stärke des Erdmagnetfeldes. Dieses starke Magnetfeld wird durch 250 Tonnen Stahl abgeschirmt. Um Störungen der Forschungsarbeiten der nördlich liegenden physikalischen Institute durch das Magnetfeld zu minimieren, musste der Neubau in einem möglichst großen Abstand zu den Instituten errichtet werden und wurde damit in die unmittelbare Nähe der "Harald zur Hausen"-Laboratorien gerückt. Im Bereich der sogenannten Herzschrittmacherlinie wurde das Gelände abgesenkt. Der Sicherheitsbereich wurde durch ein Geländer markiert.

Das Bild von Eisenspänen, die sich über einem Magneten entsprechend der Feldlinien aufspreizen, war das Motiv für die Fassade. Die Metalllamellen, die mit Abstand vor die ansonsten homogene, schwarze Hülle montiert wurden, spreizen sich auf. Dadurch ergeben sich je nach Blickwinkel unterschiedlich Ansichten und Einblicke.

Innen ist das Gebäude trotz des geschlossenen Eindrucks sehr hell. Aus der Notwendigkeit, zwischen dem Geräteraum und den ständigen Arbeitsplätzen den in den Arbeitsschutzbestimmungen vorgeschriebenen Abstand zu schaffen, wurde eine Eingangs- und Treppenhalle errichtet. Gleichzeitig wurde damit Raum für Aufenthalt und Kommunikation sowie für Ausstellungen und Vorträge geschaffen. Durch die transparente Trennwand, bestehend aus wechselweise angeordneten Paneelen und Glasschiebetüren, wurden die Vorbereitungs- und Auswertungsräume optisch mit der Halle verbunden.

Der Innenausbau wurde formal reduziert, die Details zurückhaltend gestaltet. Im Inneren bestimmen Sichtbetondecken, weiße Fronten und Wandflächen, ein hellgrauer Bodenbelag, Edelstahl für Geländer und Beschläge den Raumeindruck. Die Trennwand zum Gerätebereich wurde aus akustischen Gründen als Absorber ausgebildet.

Der wichtigste Ansatz zur Nachhaltigkeit ist konzeptioneller Natur: die auf Flexibilität ausgerichtete Grundkonzeption erlaubt in hohem Maße eine Umnutzung des Gebäudes. Die Flexibilität wird bedingt durch das Konstruktions- und Ausbauraster, die flächendeckende Absenkung der Bodenplatte, die Bauweise der inneren und äußeren Wände bis hin zur Möglichkeit, die Innenstützen innerhalb gewisser Grenzen zu verschieben.

Projektdaten
Planungsbeginn: Januar 2006
Baubeginn: August 2007
Fertigstellung: Juli 2008
Bruttogrundfläche: 1.317 m²
Bruttorauminhalt: 6.096 m³
Baukosten: 4,5 Mio. Euro

Fotos
Zooey Braun

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