Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

HITS-Heidelberger Institut für theoretische Studien

Schloss-Wolfsbrunnenweg 35
69118 Heidelberg

Architekten
Bernhardt + Partner Darmstadt Projektleiter: Kai Lange
Bauherr
HITS gemeinnützige GmbH, Heidelberg
Fertigstellung
2010

Begründung der Jury
Das Gebäudeensemble überzeugt durch die klare Trennung der sensibel restaurierten und sinnvoll neugenutzten, denkmalgeschützten Villa von dem bewusst zeitgemäßen Rückbau des ehemaligen Anbaus für die notwendigen ergänzenden Räume. Die Wahl des Materials für die Fassade mag als Referenz an den Aspekt der Langlebigkeit von Architektur verstanden werden, für den auch die Qualität der Villa steht. Ohne in Konkurrenz zur Sonderstellung der Villa zu treten, ist die Komprimierung des Umbaus auf einen klaren Kubus selbstbewusst gestaltet und damit beispielhaft – auch für bauliche Ergänzungen, die notwendig sein können, um Denkmale wirtschaftlich weiter zu nutzen.

Objektbeschreibung

Mitarbeiter: Robert Kreische (Ausführungsplanung), Jens Huwe (Innenausstattung), Anja Hennig (Bestandserfassung), Rainer Schneider (Bauleitung)
Projektsteuerer: Schumann Projektsteuerung Darmstadt
BGF: 5.557 m²
HNF: 2.957 m², NF: 3.440 m²
BRI: 20.267 m³

Durch den umfassenden Umbau eines ehemaligen Schulungszentrums der Eurescom und die Sanierung einer historischen Villa im Schloss-Wolfsbrunnen-Weg in Heidelberg, entstanden in der Zeit von Januar 2008 bis März 2010 die neuen Räumlichkeiten für das Heidelberger Institut für theoretische Studien – HITS, der neustrukturierten, wissenschaftlichen Forschungseinrichtung der Klaus Tschira Stiftung.

Wer den ursprünglichen Bau kannte, kann sich kaum vorstellen, dass es sich dabei immer noch um den alten Gebäudekern handelt, so verändert präsentieren sich die jetzt Licht durchfluteten Räumlichkeiten, in denen 150 hochwertige Arbeitsplätze und eines der modernsten Rechenzentren in Heidelberg ihren Platz fanden.

Auch der Denkmalschutz freut sich über die Veränderungen. Die 1923 gebaute Villa wurde wieder architektonisch freigestellt und denkmalgerecht saniert.

Durch den Rückbau der vorhandenen, in ihrer Form-, Material- und Farbwahl sehr inhomogen wirkenden Gebäudeteile des 1994 angebauten Schulungszentrums und die Komprimierung des Umbaus auf einen klaren Kubus entstand ein neuer, spannender Kontext zwischen Villa und neuem Gebäude. Die sanierte Villa hat wieder Raum zum Atmen und wirkt, trotz Ihrer geringeren Baumasse dominant. Der mit Torfbrandklinkern verkleidete und mit einem begrünten Dachgarten aufgewertete Neubau nimmt sich dagegen zurück und fügt sich nun harmonisch in die Parklandschaft ein.

Die restaurierte und zum Teil nach altem Vorbild wiederhergestellte Gartenanlage auf dem 3,5 Hektar großen Grundstück gliedert sich in das Ensemble der historischen Gärten an den bürgerlichen Villen östlich des Heidelberger Schlosses ein und bildet einen fließenden Übergang zum Park der Villa Bosch und dem naturnahen Waldgelände hinab ins Neckartal.

Auch energetisch erfüllt das Bauvorhaben allerhöchste Ansprüche an zeitgemäße Gebäude. So sucht man im Institutsgebäude Heizkörper vergeblich, da dieses über Flächenheiz- und Kühlsysteme mittels einer Geothermieanlage geheizt und gekühlt wird. Dabei wird der Erde im Winter Wärme entnommen, die dieser im Sommer wieder zurückgegeben wird. 170 m tief waren die insgesamt 40 Bohrungen der Erdsonden. 15.000 m Rohrleitungen wurden dafür in der Erde verlegt. Eine geregelte Lüftungsanlage versorgt die Arbeitsplätze mit frischer, vortemperierter Außenluft und trägt durch die Vermeidung von Wärmeverlusten durch die Fensterlüftung im Winter wesentlich zum Niedrigenergiehausstandard des Gebäudes bei.

Fotos
Karl Huber Fotodesign
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