Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Karlsruhe-Land 2006 - 2013"

Institut für Technische Physik, Ersatzbau 410 am Karlsruher Institut für Technologie, Campus Nord

Hermannn-von-Helmholtz-Platz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen

Architekten
Behnisch Architekten, Stuttgart
Bauherr
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Technische Physik (ITEP), vertreten durch Prof. Dr.-Ing. Mathias Noe, Institutsleiter, Eggenstein-Leopoldshafen
Fertigstellung
2011

Begründung der Jury
Die schwierige Aufgabe, zwischen zwei bestehende und in die Jahre gekommene Seitenflügel einen neuen Baukörper einzufügen, ist perfekt gelungen. Die klar strukturierte, ruhige Fassade nimmt die Sprache des Bestandes auf und vermittelt die zeitlose Qualität, ohne zu dominieren. Durch großzügige Öffnungen der Fassade ergibt sich ein starker Bezug zwischen Innenraum und Außenbereich, insbesondere zum parkartigen Innenhof, zu dem das Gebäude geschickt dreigeschossig gestaltet wurde und der nun endlich auch als erweiterte Aufenthaltsfläche genutzt werden kann. Damit wird eine sehr ansprechende und positive Atmosphäre der Kommunikationszonen und Arbeitsplätze
erreicht. Der Innenbereich des Gebäudes beeindruckt durch eine imposante optische Transparenz und durch die nach Aspekten der Nachhaltigkeit ausgewählten Materialien – beispielgebend für einen öffentlichen Bau!

Objektbeschreibung

Studie: 2007
Planung und Fertigstellung: 2009-2011
BGF: 1.950 m²
BRI: 6.850 m³

Aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen sowie wachsendem Flächenbedarf des Instituts für Technische Physik (ITEP) am KIT, dem Karlsruher Institut für Technologie, wurde das eingeschossige Gebäude 410 durch einen dreigeschossigen Bau an gleicher Stelle ersetzt. Die beiden angrenzenden Gebäude 418 im Norden und 416 im Süden wurden wie zuvor auf zwei Ebenen innenräumlich verbunden.

Das Institut für Technische Physik versteht sich als nationales und internationales Kompetenzzentrum für Fusions-, Supraleitungs- und Kryotechnologie. Zur Bearbeitung der komplexen und zumeist multidisziplinären Aufgaben stehen sehr große, einzigartige Versuchsanlagen, Labore und die entsprechenden technische Infrastruktur zur Verfügung.

Man betritt das Gebäude über eine Rampe von der Blankenlocher Straße her, die durch einen Windfang in einem dreigeschossigen Foyer mündet. Diese Eingangshalle stellt gleichzeitig eine neue Verbindung zum Innenhof her und definiert die neue "Adresse" für das gesamte Institut. Direkt an das Foyer schließen zwei Büroebenen an. Im Gartengeschoss öffnet sich die Ostseite mit ihren Werkstätten zum terrassierten Innenhof hin. Im rückwärtigen Bereich befinden sich Sanitär-, Technik- und Archivräume sowie ein Zugang zum Fluchttreppenhaus

Der bis dahin ungenutzte Innenhof wird somit zum grünen Herzstück eines aufgewerteten Arbeitsumfeldes. Gemeinschaftsflächen wie Teeküche, Pausenbereiche und Besprechungsräume öffnen sich zum Innenhof und laden zum Verweilen im Außenbereich ein. Das Gebäude bildet für die Angestellten des Instituts und ihren Besuchern ein Umfeld, das eine fächerübergreifende Kommunikation fördert.

Das architektonische Konzept des Innenraums offenbart durch Glastrennwände und großzügige Fenster optisch offene Gruppen- bzw. Zellenbüros. An gemeinsamen Treffpunkten mit hoher Aufenthaltsqualität wird ein ungezwungener Austausch ermöglicht. Gleichzeitig bleibt die Privatsphäre des Einzelnen gewahrt und bietet somit jedem Mitarbeiter des ITEP einen passenden und angemessenen Arbeitsplatz.

Die beiden Fassaden sind als Lochfassaden mit großformatigen Fensterelementen ausgebildet. Gemeinschaftsbereiche wie Foyer und Teeküche zeichnen sich in der Außenhaut ab.
Die Außenwände der Büroräume bestehen aus tragenden Stahlbetonstützen mit dazwischen liegenden Brüstungsfenstern. Die geschlossenen Flächen sind außen mit der konstruktiv notwendigen Wärmedämmung sowie mit einer Bekleidung aus Klinkerriemchen versehen. Im Innenbereich sind die Betonoberflächen mit davor hängendem Heizkörper und Kabelkanal sichtbar. Sämtliche tragenden Innenwände zeigen ihre unbehandelte Betonoberfläche mit sichtbarer Installation, um dem angestrebten Laborcharakter gerecht zu werden. Einen interessanten Gegensatz dazu bilden filigrane Ganzglasflurtrennwände und hochwertige Schreinereinbauten sowie glatte Trockenbauwände zwischen den Büroräumen. Raumtrennwände im Gartengeschoss sind der Nutzung der Werkstätten entsprechend als Sichtmauerwerk aus Kalksandstein ausgeführt. Die zum größten Teil verglasten Flurtrennwände bilden eine optische Beziehung zwischen den Räumen und sorgen für eine natürliche Belichtung der Flurbereiche.

Der Innenhof wurde durch wenige gärtnerische Eingriffe nutzbar gemacht und zu einem Aufenthaltsort für Mitarbeiter umgestaltet. Im Bereich des Foyers gibt es sowohl im Erdgeschoss als auch in Ebene -1 Ausgänge in den Innenhof. Sie erschließen mehrere Terrassen, die auf unterschiedlichen Niveaus im modellierten Böschungshang liegen und von Sitzstufen eingefasst sind.

Fotos
Frank Ockert
externe Verbindung (maps.google.com), Datenschutzhinweis akzeptiert
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