Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Tübingen 2011 - 2017"

Johanneum Tübingen; Kirchliche Ausbildungsstätte, Unterricht, Wohnen, Kapelle, Verwaltung

Brunsstraße 19
72074 Tübingen

Architekten
Patzner Architekten, Günter Patzner, Stuttgart mit Kiel und Klinge Architekten, Stuttgart; Projektleitung: Olaf Kiel, Bettina Klinge
Bauherr
Diözese Rottenburg-Stuttgart, vertreten durch Generalvikar Dr. Clemens Stroppel, Rottenburg a. N.
Fertigstellung
2012

Begründung der Jury
Das Ensemble beeindruckt in seinem Zusammenspiel von Alt und Neu. In Form, Material und Position überzeugen die neuen Baukörper in ihrem Umfeld. Besonders hervorzuheben ist die Kapelle. In der Außenfassade wird ein Kreuz sichtbar, das durch hervorstehende Backsteine gestaltet ist. Das Innere der Kapelle zeichnet sich durch harmonische Abstimmung von Material und Licht aus. Der Altarbereich erhält durch das Oberlicht ein besonderes Gewicht und eine besondere Anmut.

Objektbeschreibung

Wettbewerb: 2009

Das Besondere am Johanneum in Tübingen liegt in der Kombination einer bauhistorisch hochwertigen Villa des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der noch in großen Teilen erhaltenen zugehörigen Parkanlage und den drei zeitgenössischen Neubauten, die seit 2012 das Kulturdenkmal respektvoll ergänzen. Das Anwesen beherbergt seit über 80 Jahren Ausbildungseinrichtungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Mit der anstehenden Sanierung des Bestandes entschied man, einen zweckgebundenen Anbau aus den fünfziger Jahren, der dem Typus der frei stehenden Villa entgegenstand und eine schlechte Bausubstanz aufwies, zur Disposition zu stellen. Im Rahmen eines Realisierungswettbewerbes im Jahre 2009 unter Einbindung und Beteiligung der Denkmalpflege des Landes und Vertretern der Stadt Tübingen wurde der Entwurf von Günther Patzner, Bettina Klinge und Olaf Kiel mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Ensemble
Zwei Baukörper und eine Kapelle ergänzen den schützenswerten Bestand des Johanneums und erzeugen gemeinsam ein Ensemble aus Alt und Neu für die verschiedenen Nutzungen der Bildungseinrichtung. Die historische Villa wurde, dem bautypischen Charakter entsprechend, durch den Abbruch eines winkelförmigen Anbaus wieder freigestellt und möglichst nah an den ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Die drei neuen, nördlich liegenden Gebäude sind in ihrer Körnung und Maßstäblichkeit so dimensioniert, dass sie den Bestand nicht dominieren und sich gut in den städtebaulichen Kontext eingliedern.

Gruppierung
Alle Baukörper gruppieren sich um einen neu geschaffenen Platz, der die Nutzungen miteinander verknüpft. Zu Fuß gelangt man über den historischen Park der Villa zur Einrichtung, während die notwendigen Stellplätze in der Tiefgarage über die rückwärtige Straße erschlossen werden. Der obere Neubau neben der Villa beherbergt Wohnungen und Gemeinschaftsräume für 18 Studierende, im unteren Gebäude befinden sich die Unterrichtsräume und ein Mehrzwecksaal mit Gemeinschaftsküche. Zwischen ihnen liegt die kleine Kapelle, die für die tägliche Andacht ebenso am Platz der Gemeinschaft liegt. Die denkmalgeschützte Villa nimmt die Verwaltung und weitere Wohnungen auf.

Gestaltung
Zum vielfältigen Spiel der Formen an der historischen Villa sind die neuen Baukörper zurückhaltend ausgebildet. Changierender Backstein und variierende Fensterelemente gliedern die Fassaden gleichmäßig auf allen Seiten. Die mehrschichtigen Fensterelemente setzen sich aus großen Verglasungen und Lüftungsflügeln hinter perforierten Betonelementen zusammen. Beim Wohngebäude bilden sie auch die Brüstungen für eingezogene private Freibereiche in den Obergeschossen aus. Die vertieften Eingänge mit Wandverkleidungen aus Eichenholz orientieren sich jeweils zum verbindenden Platz. Vertikale Lichtgaden gliedern die Kapelle an den seitlichen Fassaden und lassen diffuses Tageslicht einfallen. Im Altarbereich unterstreicht ein langes Oberlicht die östliche Orientierung und erzeugt einen besonderen Lichteinfall.

Nachhaltigkeit
Das neue Wohngebäude wurde als KfW-Effizienzhaus 70 nach der damals gültigen EnEV umgesetzt. Alt- und Neubauten werden gemeinsam von einer Holzpelletanlage mit Wärme versorgt. Eine Zisterne sorgt für die Nutzung von gesammeltem Regenwasser bei der Gartenpflege. Die Materialwahl im Roh- und Ausbau erfolgte neben den gestalterischen und funktionalen Aspekten auch bezogen auf die langfristige Nutzungsdauer und die Fähigkeit gut zu altern.
Neben den energetischen Aspekten waren es vor allem soziokulturelle Qualitäten des Konzepts, die allen Beteiligten am Projekt sehr wichtig waren. Durch die Neuordnung der Nutzungen wurde nicht nur eine funktionale Entlastung und Rückführung von räumlichen Zusammenhängen im historischen Bestand möglich, sondern auch eine langfristige Perspektive für die flexible Nutzung der einzelnen Gebäudekörper geschaffen. Die Freiräume schaffen Orte der Begegnung für Besucher und Nutzer. Alle Neubauten sind vollständig barrierefrei nutzbar, an der denkmalgeschützten Villa konnte im Bereich des wiedehergestellten Eingangs ein Aufzug integriert werden, ohne die Bausubstanz zu beeinträchtigen. Die hochwertige detailgetreue Sanierung der historischen Villa ermöglichte die Zuteilung von Mitteln aus dem Denkmalförderprogramm des Landes.

Fotos
Stefan Hohloch Fotografie

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