Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg

Architekten
BEHNISCH ARCHITEKTEN Stefan Behnisch, David Cook, Martin Haas Stuttgart Projektleiter: Andreas Hardegger Landschaftsarchitekt: Andreas Peyker
Bauherr
Deutsche Krebshilfe e.V., Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, Bonn
Fertigstellung
2010

Begründung der Jury
Beispielhaft ist hier die Aufgabe gelöst, hohe Funktionalität, interdisziplinären Austausch und zeitgemäße Architektur zu verbinden. Das Gebäude fügt sich mit seinem Sockel aus unterschiedlich grünen Glasflächen und aufliegendem Baukörper aus akzentuierten Putzflächen trotz seiner Größe wie selbstverständlich in den Campus ein, einladend und freundlich. Das lichtdurchflutete Foyer wirkt durch seine vielen, sinnfälligen Blickbeziehungen auf Treppen, Galerien und Oberlichter wie eine Raumskulptur. Wie ein Nest aus breiten Metallbändern sitzt der „Raum der Stille“ im Luftraum. Die Galerien und Podeste weiten sich in loser Raumfolge zu schönen Aufenthaltsbereichen und animieren zum Verweilen und Entdecken. Sensibel und feinsinnig aufeinander abgestimmt sowie sorgfältig detailliert sind die Materialien. Das NCT ist ein hervorragendes Beispiel für einen Ort, an dem Patienten, Ärzte, Wissenschaftler zusammentreffen.

Objektbeschreibung

Der Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) sollte eine offene, freundliche und einladende Atmosphäre für Patientinnen und Patienten, Angehörige, Besucherinnen und Besucher, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen, ein Haus ohne typische Krankenhausatmosphäre, das trotzdem beste Versorgungsmöglichkeiten für die Patienten und ideale Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten bietet. Von der Anordnung der Räume, den Materialien, bis zu den Details ist alles so gestaltet, dass Zuversicht und Vertrauen geschaffen werden.

Der Neubau des NCT in Heidelberg unterstützt den interdisziplinären Gedanken und den Modellcharakter der Einrichtung auch mit der Architektur. Mit seinem zentralen, Licht durchfluteten Atrium, das sich über vier Geschosse erstreckt, entstand hier ein Ort, der die Begegnung zwischen Ärzten und Wissenschaftlern, Patienten und Besuchern fördert.
In seinem östlichen Teil nimmt der Neubau die orthogonale Struktur und die geschlossene Ordnung der angrenzenden Kopfklinik des Universitätsklinikums Heidelberg auf. Hier sind in einem dreigeschossigen Bauteil die Laborbereiche angeordnet. Im westlichen Teil entwickelt sich der Baukörper freier und wendet sich vermittelnd zur Kinderklinik hin, dem leichten Bogen der Straße folgend und von der rein orthogonalen Struktur der Umgebung abweichend.
Darüber liegt ein zweigeschossiges, frei ausgeformtes Volumen, das nach Norden über den Haupteingang und nach Westen auskragt und den Baukörper fasst. Hier befinden sich die Bereiche Beratung und Tumorkonferenzen, sowie die Büros für Forscher und Mediziner.
Die skulpturale Form des Neubaus verleiht der besonderen Bedeutung des NCT Ausdruck und schafft eine eigene Identität auf dem Campus, auch in der formalen Erscheinung.

Für die Patienten wurde ein großzügiger, freundlicher Empfangsbereich gestaltet, von dem aus sie zu den Leitstellen der vier ambulanten Module in den Ebenen 00 und 01 geleitet werden. Geschützte Wartebereiche sind mit Blick in die Landschaft angeordnet. Die Untersuchungs- und Behandlungsräume liegen entlang der Fassaden. Oberlichter in den Flurtrennwänden führen Tageslicht in die Erschließungsbereiche. An die ambulanten Module in Ebene 00 und in Ebene 01 ist jeweils eine Tagesklinik für die chemotherapeutische Behandlung mit separatem Wartebereich und Leitstelle angeschlossen. Die Behandlungen finden in offenen, loungeähnlich gestalteten Räumen statt, in denen durch halbhohe Schrankmöbel und Trennwände kleine Sitzgruppen von je drei bis fünf Liegesesseln geschaffen wurden. Die Bereiche sind hell, freundlich und persönlich gehalten.
Die Fassaden sind hier großzügig verglast, so dass die Patienten freien Ausblick in "ihren" Garten haben. Eine vorgelagerte Terrasse kann auch während der chemotherapeutischen Behandlung genutzt werden. In der Ebene 01 ist der Tagesklinik zusätzlich eine Balkonfläche vorgelagert, um auch hier die Verbindung ins Freie zu erhalten. In Ebene 02 befinden sich zentral am Atrium gelegen der Patientenbereich mit Beratungsräumen, einem Mehrzwecksaal und einem Gymnastikraum.

Die Laborflächen des onkologischen Forschungsbereiches erstrecken sich im östlichen Teil des Hauses über drei Geschosse und weisen eine klare funktionale Organisation auf. Parallel zur östlichen Fassade ist eine Dokumentationszone mit jeweils sechs Schreibarbeitsplätzen pro Modul angeordnet. Dahinter staffeln sich zum Gebäudeinneren hin die Trockenarbeitsplätze, gefolgt von den Nassarbeitsplätzen und einer Dunkelzone mit Kühl- und Abstellräumen.

Die Räume für die Tumorkonferenz wurden zentral neben dem Mehrzwecksaal und dem Gymnastikraum angeordnet. Im westlichen Teil der Ebenen 02 und 03 befinden sich die Büros Medizin/Forschung, in Ebene 03 angrenzend an diese das Direktorium.

Patienten, Besucher und Mitarbeiter betreten das Gebäude vom nördlich gelegenen Vorplatz aus. Das zentrale Atrium, das sich über alle vier oberirdischen Geschosse erstreckt, ist als Herzstück des Hauses Ort der Begegnung zwischen Besuchern und Nutzern und bietet eine erste Orientierung über die verschiedenen Einrichtungen im NCT. Freie, einläufige Treppen in individuellen räumlichen Situationen führen die Besucher von Ebene zu Ebene.

Eine Reihe von besonderen Orten lagert sich an das Atrium an: An zentraler Stelle im Erdgeschoss ist der Empfang angeordnet. Die Cafeteria befindet sich vom Eingangsbereich aus gut sichtbar in Ebene 01 direkt am Atrium und hält Getränke und einfache Gerichte bereit. Der in sich geschlossene, introvertiert gestaltete "Raum der Stille" als ein besonderer Ort der Ruhe und Besinnung liegt gut sicht- und erreichbar in Ebene 02.
Die farbliche Ausgestaltung der öffentlichen Bereiche, der Verkehrszonen, bildet mit dem Leitsystem eine Einheit und unterstützt nicht nur die Orientierung, sondern soll auch den architektonischen und räumlichen Charakter des Baus stärken.

Das Grundstück wird über eine nordöstlich liegende Zufahrt vom "Neuenheimer Feld" aus erschlossen. Die Freianlagen gliedern sich in drei Bereiche unterschiedlichen Charakters: einen offenen, großzügigen Eingangsbereich, die räumlich gefassten, eher intimen Gartenräume im Bereich der Tagesklinik sowie die funktional bestimmte Parkierungsfläche. Langgestreckte, in unterschiedlicher Höhe gehaltene Heckenkörper durchziehen den Außenbereich und schaffen eine ruhige und räumlich differenzierte Atmosphäre. Die formale Sprache der Außengestaltung unterstützt dabei die architektonische Sprache des Baukörpers und schafft einen besonderen Ort auf dem Campus.

Als unterirdische Verbindung zwischen Kopfklinik/Heidelberger Ionen-Therapiezentrum und Kinder-/Frauen- Hautklinik wird in der Ebene 99 angrenzend zum Tiefhof der Patientengang fortgeführt. Auch dieser ist farblich besonders bearbeitet, um die Orientierung zu erleichtern und die Zugehörigkeit dieses Bereiches zum NCT zu betonen.

Stuttgart, Oktober 2010

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg getragen von:
Deutsches Krebsforschungszentrum, Universitätsklinikum Heidelberg, Thoraxklinik-Heidelberg, Deutsche Krebshilfe

Nutzfläche: 5.565 m²
Bruttogeschossfläche: (BGF): 13.120 m²
Bruttorauminhalt (BRI): 55.875 m³
Gesamtkosten: 29.000.000 € brutto

Wettbewerb: Februar 2005
Planungsbeginn:Februar 2007
Baubeginn: Mai 2008
Richtfest: 13. März 2009
Fertigstellung/Übergabe an die Nutzer: August 2010
Festakt zur Fertigstellung: 2. November 2010

Nutzer: NCT Heidelberg, www.nct-heidelberg.de
Grundstückseigentümer: Vermögen und Bau Baden-Württemberg/Universitätsbauamt Heidelberg, www.uba-heidelberg.de
Bauherrenvertretung, Projektsteuerung, SiGeKo: B.I.S GmbH Beratende Ingenieure Schaaf, München, www.bis-network.de
Tragwerk: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart, www.pfefferkorn-ingenieure.de
Technische Gebäudeausrüstung: ZWP Ingenieur-AG, Dresden, www.zwp.de
Laborplanung, Medizintechnik: woernerundpartner planungsgesellschaftmbh, Frankfurt/Dresden, www.woernerundpartner.de
Bauphysik: ITA INGENIEURGESELLSCHAFT FÜR TECHNISCHE AKUSTIK WEIMAR MBH, Weimar, www.ita.de
Objektüberwachung, Ausschreibung: bauleitende ingenieure porstein gmbh, Dresden, www.pro-leitung.de

Fotos
Adam Mork Architecturalfotography

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