Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

Nördliches Neckarufer - Böschung bei der Alten Brücke

Neuenheimer Landstraße , Neckarufer
69120 Heidelberg

Architekten
BAUER. LANDSCHAFTSARCHITEKTEN Willi Hildebrandt, Karlsruhe Projektleiterin: Gabriele Rimbach-Ganter
Bauherr
Stadt Heidelberg, Landschafts- und Forstamt
Fertigstellung
2009

Begründung der Jury
Das nördliche Neckarufer hat trotz der einzigartigen Lage mit unverstelltem Blick auf die Heidelberger Stadtsilhouette und das Schloss lange Zeit nur sehr begrenzte Aufenthaltsqualitäten besessen. Durch die Einfügung flacher Sitzgelegenheiten in die Böschung ist es mit einfachen Mitteln gelungen, an diesem besonderen Ort angemessene und trotzdem jedes Pathos vermeidende Verweilmöglichkeiten zu schaffen.

Objektbeschreibung

Böschung bei der Alten Brücke

Mitten in der Stadt gelegen, mit einem grandiosen Blick auf das Schloss und die Altstadt, befand sich dieser Uferabschnitt in einem Dornröschenschlaf. Der alte Leinpfad, durch Jogger und Hundebesitzer frequentiert, wurde durch Ablagerung von angeschwemmtem Boden und durch pflanzliche Überwucherungen immer schmaler. Vereinzelte verwitterte Holzbänke, am Böschungsfuß angeordnet, gepaart mit unansehnlichen Papierkörben wirkten auf Spaziergänger nicht gerade einladend, zumal Aussicht lediglich auf die sich ausbreitende Ufervegetation geboten war.
Die Böschung selbst war zur Heimat von Kaninchen geworden, die fleißig die Wiese beackerten und ihre Höhlen gruben. Ein grob geschotterter Weg, der von der oberen Promenade an den Uferweg anknüpfte, stellte zumindest eine gangbare Verbindung her, allerdings wies die Oberfläche deutliche Spuren von Erosion auf, verursacht durch Regengüsse und Hochwasser.

Alle diese beschriebenen Faktoren verschleierten die Qualität des Ortes, hier galt es anzusetzen, zu verändern und zu verbessern.

Landschaftspflegerische Maßnahmen
Als erste Maßnahme, den baulichen Eingriffen vorausgehend, wurde die Auslichtung der Ufervegetation in Angriff genommen. Wildwuchs wurde entfernt, die üppigen Uferweiden auf den Stock gesetzt, Gehölze aufgeastet. Das Ergebnis war erfreulich: das Wasser war wieder Bestandteil des Raumes und begleitendes Element des Treidelpfades

Bauliche Maßnahmen
Um eine Abflachung der Böschung zu ermöglichen, wurde die Sandsteinmauer der Promenade verlängert, die Höhe der Mauer reduziert, die Oberkante liegt etwas über Wegeniveau. Die neue Mauer leitet von der Promenade in den verbreiterten und nun mit Sandsteinpflaster befestigten Weg, der in leichtem Bogen, der vorhandenen Topografie folgend, an den Leinpfad anknüpft.
Die neue Mauer zeigt gegenüber dem Gelände eine Höhe von 90 cm, dadurch konnte die Böschungskrone in der Höhe entsprechend gesenkt werden, der Neigungswinkel der Fläche reduziert werden. Die Böschung selbst wurde mit einer einheitlichen Neigung gleichmäßig profiliert. Im Zuge der Herstellung des Rohplanums wurde ein Hasengitterdraht eingebracht und mit Oberboden überschüttet. Diese einfache Maßnahme hat bei den Kaninchen bis heute Wirkung gezeigt.

In die Böschungsfläche wurden schlichte, gesägte Sandsteinblöcke mit einer einheitlichen Breite von 70 cm in unterschiedlichen Längen eingebaut. Sie folgen einer klaren linearen Gestaltungsstruktur, sind Teil einer geordneten Landschaft. Die Blöcke sind in Mörtel auf frosttiefe Fundamente gesetzt, eine auf der Hangseite eingelegte Drainage verhindert Staunässe und eine evt. Aufweichung des Bodens. Ein Pflasterband aus Sandstein dient als Mähkante. Den Böschungsfuß begleitet eine beinahe durchgehende Sandsteinmauer gleicher Qualität. Sie hat Sitzhöhe und eine Tiefe von 40 cm. Der alte Weg wurde gesäubert, von angeschwemmten Sedimenten befreit und in Teilen ausgebessert, d.h. gravierende Unebenheiten wurden beseitigt.

Die gewählten Materialien entsprechen dem Bestand und fügen sich selbstverständlich in die historische Umgebung.
Das Ergebnis dieser unaufgeregten Gestaltung spricht für sich.
Bei schönem Wetter ist die Fläche belebt, alle Sitzblöcke sind belegt, man ist gemeinsam für sich und genießt den wunderschönen Blick auf die Stadt Heidelberg und den Neckar.

Ihre Ansprechpartnerinnen

Carmen Mundorff

Carmen Mundorff
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-140
Fax: 0711 / 2196-201
carmen.mundorff spamgeschützt @ spamgeschützt akbw.de

Jutta Ellwanger

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Maren Kletzin

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Architektur und Medien
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