Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Schwäbisch Hall 2007 - 2013"

Rathauserweiterung Crailsheim

Marktplatz 1
74564 Crailsheim

Architekten
ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart, verantwortliche Partner Michael Wenderoth, Frank Maier, Stuttgart; Projektleiter: Harald Hühnerbein
Bauherr
Stadt Crailsheim, vertreten durch das Baudezernat Baubürgermeister Herbert Holl
Fertigstellung
2012

Begründung der Jury
Die Erweiterung besticht durch seine Schlichtheit bei klarer Struktur und Linienführung. Der trotz seiner Masse zurückgenommene und bescheiden wirkende Bau in exponier-ter Citylage besitzt eine zeitlose Aktualität, von der vorstellbar ist, dass sie die Zeitläufe ohne Schaden überdauert und auch in 50 Jahren noch als „modern“ gilt. Die Verwendung des Muschelkalks greift mustergültig die Außenwirkung der Rathausbebauung auf und verweist auf seine Wurzeln in der Region. Das gegenüber dem Vorgängerbau weiter in den Straßenraum ausgreifende Objekt schafft eine wünschenswerte Platzsituation. Im Inneren überzeugt der Neubau durch rationale Funktionalität.

Objektbeschreibung

Städtebau
Die Lage des neuen Baukörpers nutzt die Integration in den bestehenden Arkadenbau. Es ergibt sich ein Vorbereich (Vorplatz) zur Karlstraße für die frei aufgestellte Bushaltestelle. Der räumliche Versatz zur Bebauung Karlstraße 6 bildet einen angemessenen Übergang zur Ratsgasse. Im Westen bildet der Neubau eine Flucht mit dem Hauptbau des Rathauses. Der Marktplatz erhält so seine wichtige räumliche Fassung im Norden.

Raumprogramm/Funktionen
Das gesamte Raumprogramm, im wesentlichen Büroräume, ist auf viier Geschosse verteilt. Das Gebäude ist als kompakte Zwei-Bund-Anlage mit einem Ausbauraster von 1,375 m konzipiert. Konstruktions- und Ausbauraster ermöglichen einen flexiblen Grundriss.
Zentrale Erschließungsbereiche an Treppe und Aufzug binden die Rathauserweiterung in jedem Geschoss an den Bestand an. Diese Bereiche nehmen die unterschiedlichen Wege und Flurbeziehungen auf und dienen als Orientierungspunkt, Verteiler- und kommunikative Wartezone.
Aufgrund der Topographie ergibt sich eine zweigeschossige Gewerbenutzung zur Lange Straße, die diese wichtige stadträumliche Ecke und den Marktplatz belebt. Eine Hausmeisterwohnung befindet sich als Maisonettewohnung im 3. Obergeschoss und Dachgeschoss. Im Unter- und Dachgeschoss befinden sich Archivflächen sowie Heizung und Lüftungsanlage.

Gestaltung
Der Neubau präsentiert sich ausgewogen, schlicht und elegant, so dass er die Einzigartigkeit des Rathausensembles unterstreicht.
Die Maßstäblichkeit des Neubaus - speziell Trauf- und Firsthöhe - nehmen Bezug zum Rathaus und zur Umgebungsbebauung. Durch die strukturierte Fensterrasterung, die sich bis in das Dachgeschoss hineinzieht, erhalten der Marktplatz und die Karlstraße eine dominierende Raumkante, die das Gebäude als besonderen städtischen Baustein ausweisen.
Die Vor- und Rücksprünge der Bürofenster reagieren auf die Kleinmaßstäblichkeit und Profilierungen der umgebenden bzw. historischen Fassaden. Der jeweils hälftig außenliegende Sonnenschutz aus Lamellenraffstores erzeugt ein lebendiges, wechselndes Erscheinungsbild.
Die Verwendung des Crailsheimer Muschelkalk als Fassadenmaterial ist naheliegend, wird er doch nur wenige Kilometer entfernt abgebaut und trägt den Namen der Stadt. Zudem ist auch schon der Rathaushauptbau und der verbindende Arkadenbau mit Crailsheimer Muschelkalk verkleidet, so dass das Ensemble auch durch die Materialität zur Einheit wird. Unterschiedliche Schichthöhen und Formate, eine Differenzierung der horizontalen und vertikalen Fugen erzeugen "Lebendigkeit" im Detail; der helle, calcitgelbe Stein mit geschliffener C60 Oberfläche hat eine angenehme, weiche Haptik.
Die Dacheindeckung aus hellen Ziegelplatten unterstützt zusammen mit der Natursteinausbildung an Traufe und Ortgang die monolithische Erscheinung des Baukörpers.

Wirtschaftlichkeit
Die einfache und kompakte Gebäudegeometrie bewirkt ein optimales A/V-Verhältnis von 0,24; zudem:

  • durchgängige Lastabtragung mit günstigen Spannweiten
  • klare Grundrissgliederung und -zonierung
  • ein vertikales Erschließungselement
  • hochwertig gedämmte Gebäudehülle
  • Wärmerückgewinnung
  • angemessener Verglasungsanteil
  • langlebige, pflegeleichte Natursteinfassade

Nutzungsfläche 2300 m², Baukosten 5,3 Mio. €

Fotos
Schwarz Fotodesign

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