Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

Rohrbach Markt, Neugestaltung des Stadtteilzentrums - am südlichen Stadteingang von Heidelberg

Karlsruherstraße/Römerstraße/ Rathausstraße/H.-Fuchsstraße
69126 Heidelberg

Architekten
ap88 architekten partnerschaft bellm.löffel.lubs.trager Heidelberg
Bauherr
Stadt Heidelberg, Tiefbauamt, Projektleiter: Karlheinz Kissel, , Heidelberger Straßen- und Bergbahn GmbH
Fertigstellung
2009

Begründung der Jury
Mit wenigen einfachen Mitteln wurde aus einem vom Verkehr geprägten Straßenraum ein einladender städtischer Platz geschaffen. Die neu gepflanzten Platanen werden mit den Jahren ein verbindendes grünes Dach über den Platz und die Fahrbahnen hinweg spannen und den Außenraum so markieren, dass artifizielle Blumenarrangements und Pflanzkübel überflüssig werden. Robuste, schlichte Sitzbänke laden zum Verweilen ein und strukturieren gut die Freiflächen und Aufenthaltszonen. Es entstand ein hohes Maß an Aufenthaltsqualität und damit ein neuer Treffpunkt in der Nachbarschaft. Auch nachts ist der Platz durch eine akzentuierte Beleuchtung über Lichtstehlen räumlich gefasst und erlebbar. Das Natursteinpflaster aus Recyclingmaterial fügt sich in seiner Vielfarbigkeit und Materialität hervorragend ein und zeigt einen beispielhaften Umgang mit befestigten Flächen.

Objektbeschreibung

Im Süden von Heidelberg befindet sich an der Hangkante zum Kleinen Odenwald der Stadtteil Rohrbach. Dieser wird durch die B3 in zwei Teile geteilt. Über 20.000 Autos am Tag unterstreichen diese Trennlinie. Das Stadtteilzentrum befindet sich am Rohrbach Markt mit den meisten Einzelhandelsgeschäften. Hier treffen sich sternförmig sechs Straßenzüge, alle Straßenbahn- und Buslinien, wichtige Fahrradwege- und Fußwegeverbindungen.

Die Aufgabe der Neugestaltung bestand darin, neben der Schaffung eines südlichen Ortseingangs der Stadt Heidelberg einen funktionierenden und attraktiven Verkehrs- und Stadtteilplatz zu erschaffen. Dieser soll die nach wie vor unveränderte Anzahl täglich passierender PKWs und LKWs in sich aufnehmen. Zudem soll ein Raum gebildet werden, der die trennende Wirkung der Straßen auflöst und dem Ort eine urbane, einheitliche Prägung gibt. Über mehrere Jahrzehnte wurde Rohrbach Markt vernachlässigt. Es war trotz einiger Grünbeete aus den 1950er Jahren ein "Unort" entstanden: immer mehr Funktionen und längere Straßenbahnhaltestellen wurden auf der Fläche implementiert, was nach und nach zum Kollaps führte.

Zusätzlich stellten die Straßenbahnhaltestellen ein unüberwindliches Hindernis beim Queren dar. Diese verlegte man zunächst in den nördlich gelegenen Bereich der Karlsruherstraße, die mit weiteren 200 m ebenfalls neu gestaltet wurde. Die eigentliche Platzfläche war nun frei für eine Neuordnung.

Ein Dach aus im französischen Kastenschnitt gehaltenen Platanen soll die beiden Seiten von Rohrnbach verbinden, in dem sie den Platz überspannen. Da im Untergrund an Leitungen, Kanälen und an Oberleitungen zum Beispiel für die Straßenbahn in den letzten fünf Jahrzehnten nicht gespart wurde, deren Verlauf radial bis chaotisch anmutet und eine gänzliche Neuschaffung dieser technischen Einrichtunge nicht zur Debatte stand, wurde nach einem tragfähigen formalen, als auch technisch umsetzbaren Konzept gesucht.

Wie fallen gelassenes Konfetti sollen alle Elemente vermeintlich zufällig "ihren Platz" auf der amorphen, kartoffelförmigen Fläche finden. Neben den Bäumen folgen auch die Lichtstelen diesem Muster. Andere Einbauten sind bewusst knapp gehalten. Die zur Verfügung stehende Fläche soll frei für alle Bewegungsrichtungen aller Verkehrsteilnehmer gestützt werden. Durch das Freiräumen und reduzierte Neubesetzen werden die Häuser als Raumkanten wieder wirksam. Schöne Fassaden werden zur weiteren Stärkung nachts in ein Streiflicht gesetzt.

Ein weiteres tragendes Thema bei der Neugestaltung der Stadtteilmitte nahm die Wiederverwendung des am Ort bekannten alten Steinpflasters ein, das im Segmentbogenmuster verlegt wurde. Die Karlsruherstraße war über Jahrzehnte durch dieses Pflaster geprägt. Zur dauerhaft stabilen Verlegung musste das alte Pflaster in seinem verlegten Bogenmuster vor dessen Abbau "abgepausst" werden. Die Steingröße bestimmt das Bogenmaß und damit die letztendliche Geometrie der Neuverlegung. Das Dioritmaterial des alten Straßenbelags wurde mit schwarzem Basaltpflaster, das zur gleichen Zeit an anderer Stelle in Heidelberg durch eine Baumaßnahme gewonnen werden konnte, zusammengeführt. Das ermöglichte es, die notwendige Gesamtmenge zu erhalten und bereicherte die Fläche mit einem "Salz und Pfeffer"-Muster.

Das alte Steinpflaster prägt heute ungerichtet den Platz in ähnlichem "Konfettiduktus" und spannt damit eine großzügige, weite Fläche auf. Die Wiederverwendung ist neben dem Bekenntnis des für den Ort über Jahrzehnte wichtig gewordenen Materials eine vorbildliche Umsetzung im Sinnde der Nachhaltigkeit beim Bauen.

Fotos
ap88

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