Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Schwäbisch Hall 2007 - 2013"

Umbau und Anbau Jugendfreizeitheim Ebersberger Sägmühle - Freizeit- und Seminarhaus der Stadt Fellbach

Ebersberger Sägmühle 1
74420 Oberrot

Architekten
hms architekten, architektur.baumanagement, Anita Hidvégi, Alexander Mayer-Steudte, Ludwigsburg
Bauherr
Stadt Fellbach
Fertigstellung
2013

Begründung der Jury
Der mit Schindeln aus kanadischem Zedernholz verwirklichte Baukörper fügt sich selbstverständlich, aber auch selbstbwusst in das Ensemble in idyllischer Landschaft ein. Skulpturale Fensterelemente gliedern geschickt die Fassaden. Die Innenräume bestechen durch eine gekonnte Mischung aus roh belassenen Materialien (Beton/Stahl) und feinem Ausbau mit hochwertigen Details. Dies und der sparsame Einsatz von Farben zeigen, wie Bauen für Kinder und Jugendliche auch aussehen und gelingen kann.

Objektbeschreibung

Wo Stadtkindern die Natur begegnet!
Wer seine Wanderung in Oberrot im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald in Nord-Westliche Richtung startet, sieht nach kurzer Zeit, wie sich von weither sichtbar der markante Neubau der Ebersberger Sägmühle vor der Kulisse des dunklen Waldes erhebt. Der Öko-Bauernhof ist die Außenstelle des Fellbacher Jugendhauses und zugleich das Freizeit- und Seminarhaus der Stadt Fellbach.
Als sich abzeichnete, dass das bestehende Gebäude einen Anbau braucht, um mehr zeitgemäße Übernachtungsplätze zu bieten, war der Wunsch groß, dieses idyllisch gelegene Ensemble zu behalten und weiter zu entwickeln. Der auffälligste Aspekt der heutigen Lösung ist sicherlich die organisch-dynamische Außenhülle des Erweiterungsbaus. Durch die markanten, dreidimensional geformten Fensterlaibungen erscheint das Gebäude sehr feingliedrig. Man könnte fast auf die Idee kommen, es wäre noch im Wachsen begriffen. Die Fassade – mit rund 35.000 einzelnen Holzschindeln beschlagen – fügt sich wunderbar in den Geruch des nahen Waldes. Ganz allmählich wird sich das helle Braun der Schindeln in ein strahlendes Silbergrau verwandeln. Seine Farbnuancen an den unterschiedlich intensiv bewitterten Stellen verstärken dabei die räumliche Wirkung des Baukörpers.

Die Hanglage hat sich insofern als Vorteil erwiesen, als dass es zwei "Hauptebenen" gibt. Die Eingangssituation von der Straße her führt im Erdgeschoss auf eine Wiese. Das zumindest ist der erste Eindruck, wenn man auf dem grasgrünen Kautschukboden steht. Diese als Veranstaltungs- und Seminarraum nutzbare Fläche mündet talseitig in eine große Terrasse. Ein Stockwerk tiefer ist die große Mitmach-Küche ebenso untergebracht wie der Speisesaal. Durch große Schiebetüren gibt es auch hier die Verbindung ins Freie: Pferdestall, Scheune, Kräutergarten und viel Spielfläche. In den oberen Stockwerken finden sich die Schlafräume. Modern aber schlicht gehalten dominieren hier der helle Boden und die weiß gestrichenen Wände und Decken im Zusammenspiel mit kräftigen Farbflächen. Die massiven, roh belassenen Stahlbrüstungen der Treppe und Deckendurchblicke geben die notwendige Sicherheit. Der "Lichtkamin" sorgt nicht nur für zusätzliches Tageslicht in den unteren Stockwerken, die Jugendlichen nutzen ihn auch gerne als Flurfunk, um sich in eine der "Kuschelhöhlen" zu verabreden. Ein gruppendynamischer Prozessbeschleuniger in seiner einfachsten Form!

Einweihung 8./9.06.2013

Fotos
hms architekten; Manfred Storck (Treppenhaus)

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