Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Heidelberg 2003 - 2010"

Universität Heidelberg, Neubau BioQuant - Quantitative Analyse molekularer und zellulärer Biosysteme

Im Neuenheimer Feld 267
69120 Heidelberg

Architekten
Staab Architekten GmbH Berlin
Bauherr
Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg Universitätsbauamt Heidelberg
Fertigstellung
2007

Begründung der Jury
Nur aufgrund fachübergreifender Forschungsvorhaben kann die Zusammenarbeit fortschrittlicher biowissenschaftlicher Forschungsbereiche gedeihen. Die Kommunikation zwischen diesen verschiedenen Bereichen verlangt offene Räume, die hier beispielhaft geschaffen wurden. Die klare Architektur mit einladenden Aufenthaltsräumen, freien Sichtachsen von Innen nach Außen sowie einem schönen Treppenbau und die wohlüberlegte Integration von Bäumen, Gartenräumen und weiten Flurräumen begünstigen positiv das Miteinander und den Austausch.

Objektbeschreibung

Einer der atmosphärisch angenehmsten Bereiche auf dem Campus der Universität Heidelberg ist die Parklandschaft zwischen den Instituten für Geologie und Mineralogie, dem Hörsaalgebäude der Chemie und dem Standort für den Neubau BioQuant. Die Qualität dieses Bereiches wird entscheidend erzeugt von vertikalen Baukörpern in Verbindung mit ausladenden eingeschossigen Bauten, welche die räumliche Dominanz der Bäume und des Grünraumes bestehen lassen. Die Übernahme dieses Prinzips der Kombination von vertikalem und horizontalem Gebäude für das BioQuant-Institut erfolgte also aus dem Kontext der benachbarten Bauten, aber auch aus den funktionalen Anforderungen des Raumprogramms.

Die explizit geforderten öffentlichen Räume für Fortbildung und Kommunikation sind in dem erdgeschossigen Baukörper untergebracht. Mit seinen integrierten Gartenräumen und erweiterten Flurbereichen bietet dieser eine angenehme Arbeitsstimmung und genügend Orte für informelle Kommunikation.
Kommunikation und Funktionalität - diese von Beginn an formulierte Zielvorstellung - war der Leitfaden des Entwurfs, der sich auch in dem architektonischen Konzept des Hochhauses, dem Institutsbaukörper, wieder findet. So wird die fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen biowissenschaftlichem Forschungsbereich und den Bereichen des wissenschaftlichen Rechnens in Gestalt eines zentralen Erschließungs- und Kommunikationsbereich architektonisch übersetzt. Zwei Häuser, ein Laborgebäude und ein Bürogebäude, sind zueinander gestellt und über einen gemeinsamen Erschließungs- und Kommunikationsbereich miteinander verbunden. Jeder Benutzer dieses Hauses kommt so an den zum Teil offenen, zum Teil auch abtrennbaren Kommunikationsbereichen des Hauses vorbei. Dieser über die Geschosse verbundene Raum ist das räumliche Zentrum des gesamten Institutsbereichs und mündet in einem Konferenzraum mit Aussichtsterrasse und Blick über den Campus.

Das Konzept, sämtliche Kommunikationsorte und die zentrale Erschließung in einen räumlich erlebbaren Zusammenhang zu bringen, wird durch die gewählte Materialisierung unterstützt. Als skulpturaler Sichtbetonraum führt dieser öffentliche Bereich des Hauses vom Eingang bis auf die Aussichtsterrasse im 7. Obergeschoss. Über ein zweites Material, das der rötlichen Holzeinbauten, wird eine differenzierte Maßstäblichkeit und eine atmosphärische Differenz für die Besprechungsbereiche erreicht. Im Untergeschoss ist der Bereich der Großgeräte untergebracht, dessen ständige Arbeitsplätze über den abgesenkten Hofbereich natürlich belichtet werden.

Die einfache konstruktive Struktur der Institutsbaukörper ermöglicht eine flexible Raumorganisation. Durch flexible Raumtrennwände kann der Grundriss problemlos an sich verändernde Anforderungen angepasst werden. Auch die vorgeschlagene technische Versorgung in den Laborbereichen ermöglicht eine leichte Veränderbarkeit der technischen Einrichtungen; mit leicht erhöhten Installationsaufwand wäre auch eine Flexibilität in der Raumaufteilung bis hin zu Großraumlabors möglich.

Die Fassade des Institutsgebäudes basiert auf dem Konzept, Fassadenbekleidung und Sonnenschutz als Teile einer gemeinsamen Hülle zu begreifen. Um den Sonnenschutz auch in großer Höhe und bei stärkeren Windböen zu garantieren, werden die Fenster über eine starre horizontal drehbare Metalllamelle verschattet. Über eine zentrale Steuerung werden die Lamellen je nach Sonnenstand geschlossen, um die Aufheizung des hochinstallierten Gebäudes zu minimieren – bei Bedarf kann auch individuell gesteuert werden. Schmale horizontale Fensterbänder, die mit hochwertigem Sonnenschutzglas versehen sind, ermöglichen den ungestörten Ausblick von dem Arbeitsplatz. Dort wo der Kommunikations- und Erschließungsbereich im Innern an die Fassade stößt, erhält dieser große Öffnungen, die von Sichtbetonflächen gerahmt sind, die mit den inneren Sichtbetonwänden korrespondieren.

Fotos
Werner Huthmacher
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