Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Esslingen 2006 - 2012"

Wohnbebauung Westend im Scharnhauser Park

Nelly-Sachs-Straße 29-39, Theodor-Rothschild-Straße 112-118
73760 Ostfildern

Architekten
AgRB Partnerschaftsgesellschaft, Frank Roser Landschaftsarchitekt SRL, Florian Braun Architekt BDA, Ostfildern
Bauherr
HKPE Hofkammer Projektentwicklung GmbH,, Achim Geisbauer,, DIH Deutsche Wohnwerte GmbH + Co.KG,, Ostfildern
Fertigstellung
2012

Begründung der Jury
Eine offen gestaltete Wohnbebauung in Ortsrandlage bindet sich trotz einer hohen baulichen Dichte sehr gut in die umliegende Landschaft ein. Die Anwohner haben durch die Anordnung der Baukörper ein hohes Maß an Lebensqualität und Privatsphäre. Durch die unterschiedlich gestalteten Gebäudeeingänge und die hochwertige Materialität mit Basaltpflaster entsteht eine grüne Lunge, Kinder sind frei in ihrem Spiel. Unterschiedliche Hofbereiche lassen eine vielfältige Nutzung zu. Eine Individualität wird durch jeweils eigene Gebäudeeingänge hergestellt. Die gekonnt unregelmäßig befensterten Fassaden stahlen eine eigene Ordnung aber auch Leichtigkeit aus.

Objektbeschreibung

Mitarbeit: Christoph Perl, Claudia Hudjetz, Christiane Krötsch

Städtebau

In westlicher Randlage des Scharnhauser Parks in Ostfildern bilden zehn Einzelbaukörper eine verdichtete Wohnbebauung mit 104 Wohneinheiten. Die Baustruktur aus versetzt angeordneten und gegeneinander verdrehten Baukörpern vermittelt zwischen der Blockrandbebauung benachbarter Baufelder und der angrenzenden offenen Wiesenlandschaft. Mit straßenseitig präzisen Gebäudefluchten und auf einem geneigten, dem Hangverlauf folgenden Grundstückssockel positioniert sind die Gebäude als stadträumliche Einheit gut lesbar. Trotz einer vergleichsweise hohen baulichen Dichte (GFZ 1,49) entstehen vielfältig gestaffelte Blickbeziehungen und ein weiter Raumeindruck. Die unterschiedlich dimensionierte Hofräume und die Gebäudestellung ‚auf Lücke‘ reduzieren die nachbarschaftlichen Einblicke auf ein Minimum. Die offene Haltung der Wohnbebauung zur Straße sowie die Bildung klarer Einzelbaukörper gewährleisten eine gute Adressbildung.

Freiräume

Die Wege zu den Hauseingängen verweben sich zu einem Netz, das differenziert auf die unterschiedlichen räumlichen Situationen reagiert und unterschiedliche Freiraumtypen ermöglicht. Entlang der Wegeflächen aus Basaltpflaster laufen durch die gesamte Anlage lange Aufkantungen aus monolithischen Muschelkalkblöcken. Ihr gleichmäßiger Höhenverlauf unterstützt den Eindruck, dass diese Bänder die gesamte Anlage – trotz ihrer räumlichen Vielfalt – beruhigen und ‚zusammenbinden‘. Jedem Hauseingang ist eine kleine Aufweitung und ein individuell bepflanztes Hochbeet zugeordnet, so entsteht für jedes Haus ein eigener, unterscheidbarer Eingangsbereich. Zwischen den Häusern entstehen zwei Hofsituationen. Der größere Hof zeigt sich als Sonnenhof mit Spielangeboten und einer lichten Bepflanzung aus federblättrigen Schnurbäumen, die breiten Pflasterfugen werden hier bald einen grünen Schimmer erzeugen. Der anschließende kleinere Hof ist dicht mit mehrstämmigen Birken bepflanzt, ein kleiner Quellstein wird die ruhige Atmosphäre betonen.

Am Westrand inszeniert ein kleines Belvedere die Aussichtssituation am Stadtrand. Die Erdgeschossgärten sind von den Gemeinschaftsflächen durch hüfthohe Buchenhecken abgetrennt. Sie definieren Privatsphäre und beruhigen den Gesamteindruck, ohne die Gestaltungsfreiheit der Bewohner zu sehr einzuschränken. Die Gartenflächen liegen hinter den Aufkantungen etwa 30 cm höher, die abschirmende Wirkung der Hecken wird so unterstützt. Weite Teile der Freianlagen sind mit Tiefgaragen unterbaut, wobei die Natursteinaufkantungen eine großflächige Intensivbegrünung ermöglichen. Die natürliche Entlüftung wurde möglichst unauffällig integriert und Fluchtwege über die Wohnhaustreppenhäuser geführt.

Gebäude

Die zurückhaltende Gestaltung der Volumen prägt die Erscheinung der Wohnbebauung. Eine freie Anordnung der Öffnungen auf den Fassaden homogenisiert die Außenwirkung der unterschiedlichen Gebäudetypen und bindet das Gesamtareal gestalterisch zusammen. Auf die verschiedenen Grundrissorganisationen und Himmelsrichtungen reagieren die Fassaden mit unterschiedlichen Verdichtungen der einheitlichen Fensterformate. Der Verzicht auf extrovertierte individuelle Freibereiche wie auskragende Balkone liegt in der hohen Dichte begründet. Jede Wohnung verfügt über eine großzügige, schwellenlos erschlossene Loggia.

Der Hauseingang wird durch ein breites Türelement unter einem markanten Betonvordach betont und über eine einfache Treppen-/Rampenanlage barrierefrei erschlossen. Im Gebäudeinnern bilden sich im Erdgeschoss großzügige Eingangsbereiche mit Sitzgelegeheiten und ausreichend Platz für Kinderwagen. Alle Treppenhäuser sind außenliegend oder über ein Treppenauge natürlich belichtet und unterstreichen in Ihrer Gestaltung den Anspruch, hochwertige Wohnqualität zu schaffen.
In den unterschiedlichen Häusern wurde eine Vielzahl an Wohnungstypen realisiert, wobei der Schwerpunkt auf 3- und 4-Zimmerwohnungen liegt. Die klar strukturierten Grundrisse zeichnen sich durch großzügige Eingangssituationen und eine konsequente Trennung in den ‚öffentlichen‘ und ‚privaten‘ Teil der Wohnung aus. Fast alle Wohnungen sind dreiseitig orientiert und erhalten in allen Räumen eine differenzierte Besonnung und Belichtung. Die Wohn- / Essbereiche verfügen über offene Küchenkonzepte und sind dadurch ebenfalls zu mehreren Himmelsrichtungen orientiert. Alle Wohnungen haben außenliegende Bäder, welche sorgfältige Berücksichtigung bei der Entwicklung der Fassaden gefunden haben.
Alle Gebäude sind mit tragenden Außenwänden aus einem Ziegelsystem ohne außen aufgebrachte Wärmedämmung errichtet und erreichen den KfW- Standard ‚Effizienzhaus 85‘.

Fotos
David Franck

Ihre Ansprechpartnerinnen

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