Beispielhaftes Bauen

Architektur

Auszeichnungsverfahren
"Stuttgart 2011 - 2015"

Wohnüberbauung Schönblick

Hölzelweg 2
70191 Stuttgart-Nord

Architekten
schleicher.ragaller freie architekten bda, Michael Ragaller, Domenik Schleicher, Stuttgart; Bestandsbau: Karl Beer †, Stuttgart
Bauherr
LBBW Immobilien Development GmbH, Stuttgart
Fertigstellung
2011

Begründung der Jury
Weiß Gott keine alltägliche Bauaufgabe! Die mögliche Revitalisierung des ungenutzen Höhenrestaurants erzeugte sicher ausreichende öffentliche Diskussionen. Die Lage, das altehrwürdige historische Gebäudeensemble, der Ausblick, die zahlreichen Erinnerungen, alles Zündstoff bei der Wahl einer angemessenen Wiederbelebung. Die Wahl, hier Wohnungen einzubauen ist hervorragend gelungen. Ohne nur den Hauch von zerstörerischen Absichten fügen sich die neuen Wohnungen in Erscheinung, Grundrissen und Ausbauten in den vorgefundenen Großraum ein. Der Geist der 1920er Jahre ist durchgängig spürbar. Zweifelsfrei beeindrucken die Größen, die Raumhöhen, die geschickten privaten Gärten auf der ehemaligen Aussichtsterrasse. Natürlich handelt es sich hier um eine privilegierte Form des Wohnens, aber gerade deshalb verdient der durch und durch respektvolle Umgang mit der Historie – innen wie außen – ein hohes Maß an Anerkennung. Zu viele Beispiele zeigen, es ginge auch anders.

Objektbeschreibung

Der Friedrich-Ebert-Bau besetzt das Ende eines schmalen Höhenzugs in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Das Gelände fällt nach drei Seiten steil ab. Damit ist eine exponierte Aussichtslage gegeben. Stadtseitig war dem Bau in allerbester Panoramalage längs der Rathenaustraße ein Lokal integriert: das Höhenrestaurant Schönblick mit einer beherrschenden Aussichtsterrasse und einem zweigeschossigen Tanzsaal. Bis zum Ende der 1970er Jahre war das Höhenrestaurant Schönblick eine beliebte Stuttgarter Ausflugsadresse. Das heute denkmalgeschützte und umfassend sanierte Ensemble des Friedrich-Ebert-Baus entstand 1927 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Karl Beer. 1982 wurde das ehemalige Höhenrestaurant in ein Büro- und Verwaltungsgebäude für die IG-Metall Bezirksleitung Baden Württemberg umgenutzt. Der zweigeschossige Südflügel unter dem Wohnturm im erweiterten Ensemble des Weißenhofs, mit unverbaubarer Aussichtslage, einer mächtigen Natursteinmauer zur abfallenden Straße und der direkten Nachbarschaft zum Höhenpark Killesberg wurde 2010 von der LBBW Immobilien erworben und als Revitalisierungsobjekt entwickelt. Mit der Sanierung des Kulturdenkmals wurde 2011 eine neue Wohnnutzung für den ehemaligen gastronomischen Trakt und den Bühnenturm umgesetzt. Den zwei überhohen Etagen wurden acht großzügige Wohnungen einbeschrieben, die jeweils die komplette Haustiefe nutzen. Vier Wohnungen sind als Maisonetten ausgelegt, eine Wohnung im ehemaligen Bühnenturm erstreckt sich über drei Etagen und besitzt eine große Dachterrasse. Wohnflächen von 148 bis 232 m² unterstreichen die luxuriösen Dimensionen der Appartements und Maisonetten, die großzügige Grundrissgestaltung ermöglicht individuelle Wohnlösungen. Die sechs Wohnungen mit Zugang zum Erdgeschoss nutzen die Aussichtsterrasse als Privatgarten. Die ursprünglich vorhandene Erdgeschossverkleidung aus Cannstatter Travertin wurde rekonstruiert. Im Bereich der ehemaligen Kegelbahn im Unterschoss wurde eine Tiefgarage für neun Fahrzeuge integriert.

Bestand
1927 wurde die denkmalgeschützte Liegenschaft Hölzelweg 2 als Höhenrestaurant Schönblick mit Saalnutzung erbaut. Das Gebäude ist nach §2 des Denkmalschutzgesetzes in die Liste der Kulturdenkmale eingetragen. 1982 wurde das Gastronomiegebäude in eine Büro- und Verwaltungsgebäude umgebaut. Bei diesen Umbauarbeiten wurde im Bereich des ehemaligen Saals eine Zwischendecke eingezogen. Das östliche Bühnenhaus wurde durch zusätzliche Treppen und Decken neu gegliedert und im 2. Obergeschoss wurde eine Hausmeisterwohnung eingerichtet.

Umbau/Sanierung
Die Umnutzung und Sanierung des dreigeschossigen Bestandsgebäudes beinhaltet den Einbau von acht Eigentumswohnungen mit Stadtblick im Erdgeschoss, ersten und zweiten Obergeschoss sowie eine Tiefgarage mit neun offenen Stellplätzen. Gezielte Decken- und Wanddurchbrüche sowie der Einbau von Oberlichtern schaffen großzügige, mit neuen Treppen verbundene Raumsituationen mit vorwiegend natürlicher Belichtung im sehr tiefen Bestandsbaukörper, ohne das äußere Erscheinungsbild gravierend zu beeinträchtigen. Die Tiefgarage ist durch Schleusen mit den Treppenhäusern verbunden. Die Garagenzufahrt erfolgt von der Rathenaustraße. Die Gebäudeform, die Gestaltung der Außenanlagen und Fassaden sowie die Farbgebung sind jeweils durch die Gesamtanlage bestimmt und wurden von den Planern in Abstimmung mit der Stadt Stuttgart und der Denkmalschutzbehörde festgelegt. Die behördlichen Schall- und Brandschutzanforderungen für Wohnbauten werden ebenso eingehalten wie die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) für Bestandsbauten und Baudenkmäler.

Fotos
Zooey Braun

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